ING Diba stoppt Einlagenflut – und bildet kaum Risikovorsorge

8. Mai 2020

Von Christian Kirchner

Die ING Deutschland (früher ING Diba) hat im Auftaktquartal 2020 einen Gewinn vor Steuern* von 324 Mio. Euro erwirtschaftet – das ist sowohl zum Vorquartal als auch zum Vorjahresquartal ein leichter Rückgang um je 5%. Die Erklärung des Rückgangs: Einem quasi unveränderten Zinsüberschuss und einem deutlichen Anstieg des Provisionsergebnisses standen leicht höhere Kosten sowie ein leicht schlechteres Risikoergebnis gegenüber. Dabei erzielt die Bank noch immer vier Fünftel ihrer Erträge im Zinsgeschäft. Beim Blick auf die Segmente fällt auf, dass der Retail-Bereich einen deutlichen Gewinnanstieg zum Vorjahresquartal erzielte (+15%), im Wholesale-Banking ging es dagegen um 35% zurück.

Eine positive Überraschung war das Risikoergebnis: Zum ersten Mal überhaupt seit mehreren Quartalen musste die Bank 13 Mio. Euro für die Risikovorsorge aufwenden. Zuvor fiel hier aufgrund von Auflösungen meist ein kleiner Ertrag an. Verglichen mit dem Kreditbuch der Bank von über 120 Mrd. Euro – davon alleine 76 Mrd. Euro in Immobilienkrediten – fällt das Risikoergebnis indes sehr gut aus. Andere Banken hatten ihre Rückstellungen im Q1  aufgrund der heraufziehenden Corona-Krise bereits deutlich erhöhen müssen.

Hier zunächst die wesentlichen Eckdaten des Quartals in der Übersicht:

Veränderung Veränderung
in Mio. Euro Q1/2020 Q4/2019 Q1/2019 Q1/20 vs. Q4/19 Q1/20 vs. Q1/19
Zinsüberschuss 525 523 525 0% 0%
Provisionsüberschuss 110 88 65 25% 51%
Erträge gesamt 676 632 656 7% 3%
Kosten gesamt 339 299 333 13% 2%
Gewinn vor Steuern 324 342 341 -5% -5%

Quelle: ING 

Ein weiterer Trend der Vorquartale setzte sich im Q1 fort: Der ING Deutschland ist es gelungen, die Einlagenflut zu stoppen, unter der viele andere Banken leiden. Die Zinsen auf das hauseigene Flaggschiff-Produkt „Extra-Konto“ hatte das Institut im Dezember mit einer Senkung auf 0,001% quasi abgeschafft. Zum Vorquartal sanken die Einlagen nun leicht um 1,1 Mrd. auf 138,4 Mrd. Euro.

Auch das Kreditvolumen zog nur moderat an. Dabei setzte die ING ihre bereits Ende 2019 begonnene Politik der eher vorsichtigen Kreditausweitung sowohl bei den Immobilienkrediten (nur +0,3 Mrd. Euro Volumen zum Vorquartal) als auch in der „Wholesale Banking“ genannten Firmenkundensparte (+0,8 Mrd. Euro zum Vorquartal) fort.

In den Zahlen sind die neuen Kontoführungsgebühren noch nicht enthalten, sie greifen für Kunden von Girokonten ohne regelmäßigen Geldeingang erst seit 1. Mai.

Hier weitere Kennziffern der ING Deutschland im Q1

Q1/2020 Q4/2019 Q1/2019
Cost-Income-Ratio in % 47,3 47,3 50,7
Mitarbeiter 5677 5440 5226
Eigenkapitalrendite in % 15,4 15,6 16,5
Einlagen in Mrd. Euro 138,4 139,5 138,2
Immobilienkredite 76,4 76,1 73,9
andere Kredite 45,1 44,3 45,5
Gewinn Wholesale Bk. 92 101 141
Gewinn Retail 232 201 241

 

* lt. Definition ING NL auf Gruppenebene

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing