Analyse

Kostenanstieg als Naturgesetz: Die H1-Zahlen von BayernLB und DKB

Wer die gestern vorgestellten H1-Zahlen der Bayerischen Landesbank betrachtet, muss dies im Grunde auf zwei Ebenen tun. Das eine sind die oberflächlichen Zahlen, die eigentlich eher schwach ausfielen (weil im Vergleich zum Vorjahreszeitraum das TLTRO-Doping fehlte) – als kleinen Trost aber immerhin einen Anstieg der Prognose bereithielten (wobei man sich auch hier vor Augenwischerei hüten sollte; ein wesentlicher Grund scheint im Verkauf von Immobilienbesitz zu liegen).

Und die zweite Ebene??? Das ist sozusagen der langfristige Trend. Und zumindest kostenseitig verwundert dieser. Denn: Sowohl die BayernLB als Ganzes als auch ihre vermeintliche Hochglanz-Tochter DKB haben das Kunststück fertiggebracht, in vier der vergangenen fünf Jahre die Kosten zu steigern und sie in einem Jahr unverändert zu lassen. Wie kann das sein? Acht Beobachtungen:

1.) Die BayernLB-Zahlen auf den ersten Blick

Zunächst mal vermeldet die BayernLB hat für das erste Halbjahr einen markanten Gewinnrückgang zur Vorjahresperiode. So sank der Gewinn vor Steuern um 43% auf noch 277 Mio. Euro, das Konzernergebnis brach um 29% auf noch 175 Mio. Euro ein. Ein wesentlicher Grund dafür (trotz einer im Vergleich zum Vorjahr weiter unauffällig niedrigen Risikovorsorge von 46 Mio. Euro) war der Wegfall von TLTRO-Sondereffekten (siehe auch hier) – dadurch sank das Zinsergebnis gegen den Branchentrend deutscher Banken um 8%. Ein zweiter Grund war der Wegfall des positiven Bewertungsergebnisses: Statt einem Plus von 145 Mio. Euro in der Vorjahresperiode betrug es im ersten Halbjahr 2022 minus 9 Mio. Euro.

2.) Einmaleffekte (Immos!) sorgen für Prognose-Anstieg

Trotz des Ergebnisrückgangs erhöhte die BayernLB ihre Gesamtjahresprognose: Statt wie bisher 300 bis 500 Mio. Euro soll das Konzernergebnis vor Steuern nun mindestens 500 Mio. Euro betragen, die Eigenkapitalrendite mindestens 5,0% statt wie bisher mindestens 3,0%. Allerdings sind vor allem Sondereffekte für diese Prognoseerhöhung verantwortlich – konkret nennt die BayernLB hier, wenngleich ohne den Effekt zu beziffern, den Verkauf “von weiteren nicht betriebsnotwendigen Bestandsimmobilien am Standort München”.

3.) Die Kosten steigen Jahr für Jahr – und auch im ersten Halbjahr

Dass die Prognoseerhöhung vor allem auf Sondereffekten beruht und die Prognose für die Cost-Income-Ratio (unter 65% nach zuvor 63% bis 67% für 2021) trotz dieser Sondereffekte unverändert bleibt, ist ein Indiz für den Fortgang eines Trends, der bei der BayernLB und auch der Tochter DKB bereits seit Jahren zu beobachten ist: Weder der BayernLB noch der DKB gelingt es, die Kosten auch nur einmal gegenüber der Vorjahresperiode zu senken. Seit 2017 gab es lediglich einmal – nämlich 2021 – auf Konzernebene eine Stagnation der Verwaltungsaufwendungen. Ansonsten ging es Jahr für Jahr nach oben, und mit den gestern vorgelegten Halbjahreszahlen (Verwaltungsaufwendungen BayernLB: plus 4%, davon DKB: plus 8%) schwenkt man in München wieder auf den bekannten Wachstumskurs ein – allerdings bei den Kosten ebenso wie bei der Cost-Income-Ratio.

3.) … Folge: Die DKB hat jetzt eine CIR wie eine Filialbank

Denn die hat inzwischen nach dem TLTRO-Doping im Jahr 2021 sowohl auf Konzernebene (H1: 70%) als auch bei der DKB (72%) ein Mehrjahreshoch erreicht …

5.) Wo der Kostenanstieg herkommt, bleibt diffus

... obwohl sich im ersten Halbjahr eine Reihe von Dingen äußerst vorteilhaft für die BayernLB entwickelt haben:

  • Der Personalabbau in der Kernbank ist nach Angaben der Landesbank inzwischen "weitgehend abgeschlossen".
  • Der Wechsel aus der aufgelösten Einlagensicherung der öffentlichen Banken in die private Einlagensicherung hat dem Institut im Vergleich zur Vorjahresperiode 67 Mio. Euro (!) gespart.
  • Die laufende "Transformation" hat die Kostenlage auch nicht verhagelt, denn unter anderem auch (aber nicht ausschließlich) für dieses Projekt fiel letztlich im entsprechenden Segment "Zentralbereiche und Sonstiges" auch nur ein um 21 Mio. Euro höherer Verwaltungsaufwand als im Vorjahr an.

Was also ist es dann, das bei BayernLB und Tochter DKB permanent die Kosten treibt? Hier bleibt die BayernLB nebulös, spricht von einem "erhöhten Sachaufwand", quasi schon rituell von einem "Anstieg der Aufwendungen bei der DKB im Rahmen ihrer Wachstumsstrategie".

6.) Sind 100 Mio. Euro das natürliche Ergebnisniveau der DKB?

Die DKB wiederum musste – wie der Mutterkonzern – einen deutlichen Rückgang des Ergebnisses vor Steuern hinnehmen, ursächlich vor allem in einem schwachen Startquartal (siehe hier), im rückläufigen Zinsüberschuss durch niedrigere TLTRO-Einnahmen (dieser Effekt steht für 58 Mio. Euro weniger Zinsüberschuss) sowie in einem ins Negative gedrehten Bewertungsergebnis.

in Mio. Euro H1 2021 H1 2022 Delta
Zinsüberschuss 566 523 -8
Provisionsüberschuss 25 43 72
Ergebnis Fair Value 28 -43 -254
Sonstiges Ergebnis 16 -7 -144
Verwaltungsaufwand -342 -370 8
Risikovorsorge 33 42 27
Pflichtabgaben -54 -71 31
Ergebnis vor Steuern 273 119 -56
RWA 24.670 25.645 4

7.) Die DKB wächst bei Neukunden langsamer

Wie sich den Formulierungen der BayernLB entnehmen lässt, hat sich das Neukundenwachstum der Tochter DKB offenbar verlangsamt (geplant war hier für 2022 ein Wachstum mindestens auf Vorjahresniveau, also netto plus 418.000 Neukunden). Zum Jahresende hatte die DKB 5,078 Millionen Kunden, bereits im Frühjahr zum Ende des Q1 waren es "knapp 5,1 Millionen", nunmehr nennt die BayernLB für die DKB "5,2 Millionen" Kunden, was grob auf einen Zuwachs von rund 120.000 Netto-Neukunden im ersten Halbjahr deutet.

Fairerweise sei gesagt: Dass die Cost-Income-Ratio der DKB steigen würde, darauf hatte die Bank ihre Stakeholder bereits im Geschäftsbericht 2021 vorbereitet. Einen Anstieg auf bis zu 65% prognostizierte die Bank im Frühjahr für 2022, gelandet ist sie zum Halbjahresende bei bislang 72%, hat also im zweiten Halbjahr noch viel vor sich, sowohl operativ als auch beim Neukundenwachstum.

8.) Die BayernLB hat in allen operativen Sparten eingebüßt

Hier die Segmentergebnisse der BayernLB im Vergleich zum Vorjahreszeitraum...

in Mio. Euro H1 2021 H1 2022 Delta
Immobilien / Sparkassen 155 112 -28%
Corporates / Markets 97 80 -18%
DKB 273 119 -56%
Zentralbereiche / Sonstiges -41 -33 20%
Konzern 485 277 -43%

... und hier die Ergebnisse auf Konzernebene:

in Mio. EUR H1 2022 H1 2021 Delta
Zinsüberschuss 928 1.006 -8%
Provisionsüberschuss 219 189 16%
Bewertungsergebnis -9 145 -
Sonstige Ergebnisbestandteile -18 23 -
Bruttoerträge 1.119 1.363 -18%
Verwaltungsaufwand -787 -754 4%
Risikovorsorge 46 44 3%
Restrukturierungsergebnis 30 1 >100%
Ergebnis v. Steuern+ Pflichtabg. 409 655 -38%
Pflichtabgabe -132 -170 -23%
Ergebnis vor Steuern 277 485 -43%
Ertragsteuern -101 -235 -57%
Ergebnis nach Steuern 177 249 -29%
Ergebnisanteil Konzernfremde -1 -2 -26%
Konzernergebnis 175 248 -29%

 

 

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