Manfred Knof?! Was Sie zum neuen Coba-CEO wissen müssen

27. September 2020

Von Christian Kirchner

Der aktuelle Deutsche-Bank-Privatkundenchef Manfred Knof wird zum 1. Januar 2021 neuer Vorstandsvorsitzender der Commerzbank. So hat es die Coba am Samstagabend verkündet. Es ist eine Berufung, die Fragen aufwirft. Finanz-Szene.de versucht, die wichtigsten zu beantworten-

Wie lief die Berufung von Manfred Knof ab?

Hans-Jörg Vetter ist seit 3. August Aufsichtsratschef, seine wichtigste und dringendste Aufgabe war es, einen Nachfolger für Martin Zielke (der seinen Rücktritt erklärt hatte, aber für den Übergang im Amt blieb) zu finden. Die Gespräche mit Knof seien sehr schnell über die Bühne gegangen, schreibt das „Handelsblatt“ heute Früh, „in weniger als 14 Tagen sei die Sache klar gewesen“. Das freilich bedeutet in der Ableitung, dass andere Gespräche zwischen Anfang August und Mitte September nicht erfolgreich gewesen sind – Knof also eher nicht erste Wahl war. Gleichwohl: Die Entscheidung für Knof sei im Aufsichtsrat sei einstimmig gefallen, so das „HB“ weiter.

Warum haben Roland Boekhout und Bettina Orlopp das Nachsehen?

Drei Gründe: Dem Vernehmen nach haben erstens diverse Großaktionäre auf einen externen CEO bestanden. Wer vom außen komme, werde sich leichter tun, die zuletzt deutlich verschärften Sparziele durchzusetzen.

Zweitens haben die beiden Top-Kandidaten aus den eigenen Reihen – Firmenkundenchef Roland Boekhout und Finanzchefin Bettina Orlopp – mit ihren bisherigen Aufgaben genug zu tun haben. Die Firmenkundensparte dürfte in diesem Jahr knapp 300 Mio. Euro Verlust einfahren und 2021 laut Analysten nur knapp „schwarz“ abschneiden. Übrigens eine Annahme, die darauf basiert, dass keine zweite Corona-Welle kommt. CFO Orlopp muss derweil eine vermutlich sehr teure Sparrunde orchestrieren.

Drittens hat die Commerzbank jahrzehntelang auf Vorstandschefs aus den eigenen Reihen gesetzt. Bei einem Aktienkurs, der (splitbereinigt) von einst 223 Euro auf nunmehr 4 Euro gesunken ist, offenkundig nicht die allerbeste Strategie. Der scheidende CEO Zielke? War bei seiner Berufung mit kurzer Pause bereits 15 Jahre Commerzbänker. Sein Vorgänger Martin Blessing? Sieben Jahre. Dessen Vorgänger Klaus-Peter Müller? Ein Vierteljahrhundert. Dessen Vorgänger Martin Kohlhaussen? 15 Jahre.

Was ist an der Personalie Knof mindestens erstaunlich?

Manfred Knof ist eher Versicherungsmensch als Banker, bei der Deutschen Bank gehört er als „Privatkundenchef“ nicht einmal dem Vorstand an (hier Knofs Vita in Kurzform). Das heißt: 1.) Der Sprung ist recht weit vom Bereichschef ohne Vorstandsposten direkt zum CEO einer Bank mit 460 Mrd. Euro Bilanzsumme. Und 2.) Wirklich bankerfahren ist Knof nicht, wobei das nicht zwingend ein Nachteil sein muss, wenn es darum geht, mit frischem Blick womöglich unangenehme Entscheidungen zu treffen.

Vermutlich illustriert eine simple Zahl die Brisanz der Lage und Größe der Herausforderung: In Knofs Abteilung bei der Deutschen Bank wurde in dieser Woche einem offenbar kommunikativ von langer Hand geplanten Manöver die Schließung von 100 der aktuell 500 Deutsche-Bank-Filialen verkündet. Bei der Commerzbank lautet dagegen die Frage, ob von 800 Filialen, die nach Corona noch offen sind (davor waren’s noch rund 1000), eher 200 oder eher 400 bis 500 übrig bleiben.

Warum startet Knof erst zum 1. Januar 2021?

Der Nachteil externer Kandidaten ist, dass sie in der Regel nicht sofort zur Verfügung stehen. So ist es auch mit Knof, der erst zum 1. Januar 2021 wegen der üblichen Kündigungsfristen bei seinem alten Arbeitgeber frei wird und den die Deutsche Bank offenbar nicht ad-hoc zu einem direkten Wettbewerber ziehen lassen will. Knof verfügt schließlich über reichlich Insiderwissen, etwa was die Filial- und Digitalstrategie betrifft. Anzunehmen ist, dass Knof nun ins „Gardening Leave“ wechselt, von dem aus er allerdings womöglich schon Einfluss nehmen könnte.

So oder so: Bis zum 1. Januar vergeht noch ein Vierteljahr. Das ist viel, denn die Commerzbank wirkt ja ohnehin seit Monaten wie gelähmt. Zur Einordnung nochmals der zeitliche Ablauf: Im September 2019 präsentierte die Commerzbank ihre „Strategie 5.0“, die bei Investoren wegen zu ambitionsloser Ziele glatt durchfiel. Im Juli 2020 wurde die Strategie nachgeschärft, seitdem liegen die Pläne fertig in den Schubladen, aber der scheidende Chef Martin Zielke konnte und wollte sie nicht mehr umsetzen – unter anderem, da ihm der Rückhalt bei den Investoren fehlt.

Bis Jahresende muss die Umsetzung der Sparstrategie also zumindest schon mal warten. Und auch danach dürfte Knof bemüht sein, noch den ein oder anderen eigenen Akzent zu setzen – allein schon damit es nicht so aussieht, als sei er nur dazu da, die Pläne von Aufsichtsratschef Vetter umzusetzen (zur Debatte hierüber siehe hier, hier und hier).

Hat die Commerzbank so viel Zeit wirklich? Und das in Zeiten der Pandemie?

Wie ist Knofs Bilanz?

Um es offen zu sagen: Für seine lange Zeit bei der Allianz können wir das nicht beurteilen. Wenn der Tenor erheblich kundigerer Kollegen stimmt, hat er zahlreiche Auslandseinheiten der Allianz wieder in die Spur gebracht und vor allem die Digitalisierung des einst arg rückständigen Versicherers entschlossen vorangetrieben. Knof scheint den Schilderungen zufolge mehr Lieferant von Ergebnissen als Visionär zu sein. Der „Spiegel“ bescheinigt ihm allerdings einen gewissen Mangel an Empathie, für einen Coba-Chef in Sanierungsphasen keine unwichtige Eigenschaft.

Bei der Deutschen Bank ist Knof seit 14 Monaten, ein zu kurzer Zeitraum, um zu fundierten Schlüssen zu kommen. Die versprochenen Kostensynergien aus der Postbank-Migration liefert Knof ab. Das erste Quartal 2020 stach zudem positiv heraus in Sachen Ertragsentwicklung. Aber sonst? Ist das Ganze eher unspektakulär. Die Erosion von Margen und Erträgen konnte Knof jedenfalls nicht stoppen (Q2 2019 ist im folgenden das letzte Prä-Knof-Quartal, Q2/2020 entsprechend das letzte Mit-Knof-Quartal). Bitte Handy querhalten, sonst wischen Sie sich dumm und dämlich …

Deutsche Bank Privatkundengeschäft 

Q2/2019 Q3/2019 Q4/2019 Q1/2020 Q2/2020 Q2 20 vs. Q2/19
Erträge Private Bank Deutschland 1.291 1.266 1.210 1.327 1.233 -4%
Zinserträge 1.276 1.259 1.252 1.293 1.253 2%
Provisionserträge 701 704 737 849 674 4%
Kosten 2.336 1.866 2.154 1.890 1.997 -15%
davon Personalkosten 750 756 741 746 736 -2%
operativer Gewinn -311 114 -285 133 -241

in Mio. Euro, Quelle: Quartalsberichte 

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