Minus 14%!!! Wie die DWS in die ESG-Falle tappte

27. August 2021

Von Christian Kirchner

Die DWS versackt immer tiefer im Morast der Vorwürfe von sogenanntem „Greenwashing“ – also dem Versuch, sich als Unternehmen grüner und nachhaltiger darzustellen, als man das in Wirklichkeit ist. Nach dem WSJ-Bericht über angebliche Ermittlungen der US-Börsenaufsicht SEC in der Causa (siehe unsere News von Donnerstag) brach die DWS-Aktie gestern um harsche 14% ein. Ein Übriges tat, dass laut „Bloomberg“ auch die Bafin die Sache Untersuchungen eingeleitet habe – was in Bonn weder dementiert noch bestätigt wurde.

Die Vorwürfe treffen die DWS hart. Schließlich hat sich der Fondsdienstleister der Deutschen Bank in der Vergangenheit besonders engagiert in ESG-Fragen (das englische Kürzel steht für Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) positioniert. So hieß es jüngst, im ersten Halbjahr seien bereits 40% der Nettozuflüsse über ESG-Produkte generiert worden. Die Ermittlungen, aber auch die herbe Reaktion am Kapitalmarkt ist für die komplette Banken- und Asset-Management-Branche, aber auch für Fintechs von Bedeutung. Denn bislang konnten die Akteure mit der ostentativen Betonung von ESG-Kriterien für das eigene Wirken quasi nur gewinnen. Nun wird deutlich, dass das Thema auch nach hinten losgehen kann.

In einer am Abend versandten Stellungnahme erklärte die DWS, sich nicht zu Fragen im Zusammenhang mit Rechtsstreitigkeiten oder regulatorischen Angelegenheiten zu äußern. Zugleich dementierten die Frankfurter jedoch „die in Medien erhobenen, unbegründeten Vorwürfe“. Man stehe zu den ESG-Offenlegungen in den Jahresberichten und sei dabei stets eindeutig gewesen. Zudem werde die DWS den eingeschlagenen Weg „konsequent fortsetzen“, um „einer der führenden ESG-Vermögensverwalter zu werden.“ Interessant auch der Satz: „Wir weisen die Anschuldigungen einer ehemaligen Mitarbeiterin entschieden zurück.“

Damit gemeint ist die frühere DWS-Nachhaltigkeits-Managerin Desiree Fixler. Auf diese hatte sich unter anderem das  „Wall Street Journal“ in einem ersten Artikel zu den „Greenwashing“-Vorwürfen Anfang August bezogen. Der US-Zeitung lagen interne E-Mails vor, wonach das tatsächliche ESG-Engagement möglicherweise deutlich kleiner ausfalle, als es die DWS öffentlich darstellt – und wonach genau das intern auch bekannt gewesen sein könnte. Die Frage ist auch: Wird die Deutsche Bank möglicherweise in den Fall hereingezogen? Die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt hierzu heute Morgen:

„Hat die Deutsche Bank bei ihrer Tochter schnell genug gehandelt? Daran gibt es Zweifel. Fixler bestätigte gegenüber der SZ, dass sie ihre Vorwürfe gegen Wöhrmann bereits Mitte März 2021 gegenüber DWS-Aufsichtsratschef und Deutsche-Bank-Privatkundenvorstand Karl von Rohr transparent gemacht habe. Nur einige Tage später aber verlängerte der DWS-Aufsichtsrat Wöhrmanns Vorstandsvertrag, der im Oktober 2021 zur Verlängerung anstand. Hat man die Vorwürfe zuvor ausreichend geprüft? „

Von der Investmentbankerin und ESG-Chefin Fixler hatte sich die DWS Anfang März nach nur einem halben Jahr wieder getrennt. Ihre ESG-Aufgaben wurden CEO Asoka Wöhrmann zugeschlagen. Über die Gründe des Ausscheidens gehen die Meinungen auseinander. Fixler sieht den Grund für ihre Entlassung laut mehreren Medienberichten in ihrer Haltung unter anderem zum ESG-Thema. Dagegen erklärt DWS, Fixlers Abteilung habe in der Zeit ihres Wirkens keine „Traktion“ entwickelt.

Die DWS war bereits 2019 in ESG-Fragen auffällig geworden. Damals hatten hauseigene Fonds trotz Warnungen unabhängiger Stimmrechtsberater für mehr als 1 Mrd. Euro Wirecard-Aktien gekauft (siehe unsere Geschichte „Wie die DWS weiter auf das „G“ in ESG pfiff“) – mitten hinein in bereits fallende Kurse.

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