Leser-Blog

„Nicht nur die Volksbank BraWo macht das – andere auch“

21. Januar 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Der Artikel „Wie eine stinknormale Volksbank zum Immobilienkonzern mutierte“ vom 12. Januar gehörte nicht nur zu den meistgelesenen Stücken der vergangenen Monate überhaupt – er rief auch jede Menge Leser-Feedback hervor. Hier eine kleine Auswahl:

„Genau deshalb gab es früher den KWG § 12, Absatz 1“

„Sehr lesenswert, Ihr Artikel über die Volksbank BraWo. Um solche Auswüchse zu verhindern, gab es früher im Kreditwesengesetz den § 12 (1), der eine Begrenzung der Anlagen auf maximal die Höhe des Eigenkapitals vorsah.  Mit der 6. KWG-Novelle Ende der 1990er Jahre wurde – wenn ich das richtig erinnere – der § 12 (1)  zunächst stark vereinfacht und letztlich sogar abgeschafft.

Interessant: Im damaligen Entwurf zur 6. KWG-Novelle (siehe die BT-Drucksache 13/7142) war der Absatz noch enthalten. Ich zitiere: ‚Ein Kreditinstitut darf in Grundstücken, Gebäuden, Betriebs- und Geschäftsausstattung, Schiffen, Anteilen an Kreditinstituten und sonstigen Unternehmen sowie in Forderungen aus Vermögenseinlagen als stiller Gesellschafter []…] insgesamt nicht mehr als den Betrag seines haftenden Eigenkapitals anlegen.“ Auf den letzten Metern ist das dann aber geändert worden, wie sich aus dem Bundesbank-Monatsbericht des Januars 1998, Seite 70, nachvollziehen lässt.

(Ex-Manager einer großen deutschen Bank)


„Meine örtliche Volksbank hat jüngst eigens ihre Satzung geändert“

Exzellenter Beitrag zur Volksbank BraWo. Auch andere genossenschaftliche Institute machen das, unter anderem, weil es bei Eigen-Engagements keine Höchstkreditgrenzen zu beachten gilt. Meine örtliche Volksbank zum Beispiel  hat jüngst ihre Satzung explizit geändert, so dass sie in Zukunft wie eine Wohnungsbaugenossenschaft agieren kann. In der Satzung wird es unter „§2 Zweck und Gegenstand“ in Zukunft heißen (die Änderungen habe ich markiert): „Erwerb sowie gegebenenfalls die Erschließung, die Bebauung, die Belastung, die Vermietung, Verpachtung und Veräußerung von Grundstücken
und grundstücksgleichen Rechten.“

Ich sehe das übrigens grundsätzlich positiv. Denn: Der Margendruck ist enorm, der Vorstand der Allianz erwartet für die nächsten zehn (!) Jahre keine wesentliche Änderung der Nullzinspolitik. Das Provisionsgeschäft bleibt schwierig, Banking wird digital. Anleihen (Argentinien, Venenzuela) im Depot A können enorme Risiken bergen. Kredite sollten nur für funktionierende Geschäftsmodelle (nachhltiger Ertrag) gewährt werden, Klumpenrisiken durch zu hohe Engagements (Bauträger) vermieden werden. Immobilien bilden in Zusammenhang mit der grundsätzlichen Möglichkeit der MITGLIEDER, sich an der Entscheidungsfindung zu beteiligen, einen dauernden, stabilen Ertragsbeitrag. Die genossenschaftliche Idee kann durch verantwortungsvollen Umgang (angemessene, aber keine renditegetriebenen Mieten) Rechnung getragen werden. I.d.R. werden lokale Gewerbetreibende beteiligt. Der Druck, extrem schnell Kosten zu senken, wird durch diese Ertragsbeiteile gemildert. Der Druck, Gelder sinnvoll, sicher und nachhaltig anzulegen, trägt sicher zu solchen Innovationen bei.

[Kay Pfaffenberger]


„Mit welchem Geld werden solche Immobilien-Gesellschaften denn konkret gekauft?“

„Der Artikel war ein Genuss, inhaltlich und sprachlich. Aber was ich mich frage:Mit welchem Geld wurden die Immobiliengesellschaften gegründet bzw. gekauft? Bei 1 Mrd.  Euro sind da doch in circa fünf Jahren rund 300 Mio. Euro Eigenkapital notwendig – oder habe ich da was übersehen? Werden da Spareinlagen umetikettiert oder werden da Spezialfonds verkauft?“

(Geschäftsführer eines Immobilien-Analysehauses)


„Shopping Center ist für diese Immobilie ein wenig übertrieben“

„Mit großem Interesse habe ich ihren Artikel gelesen. Dort listen Sie u.a. unter den Einkaufsobjekten auf: ‚2019 erwarb die Volksbank für 91 Mio. Euro ein Shopping Center am Bahnhof Altona in Hamburg.‘ Das mag die offizielle Lesart der Brawo sein. ‚Shopping Center‘ erscheint mir für diese Immobilie nämlich ein wenig übertrieben. Denn diese Immobilie kann sich durchaus zu einem Flop entwickeln. Zum einen ist der bauliche Zustand des Gebäudes recht schlecht. Zum anderen lebt die Immobilie von den Ankermietern Rossmann, Lidl und Media-Markt. Diese leben allerdings davon, dass das Gebäude faktisch das Bahnhofsgebäude des Fern- und Regionalbahnhofs Altona darstellt, den die Deutsche Bahn aber an einen Standort 2 km nördlich verlegen will. Damit verliert die Immobilie – die ohnehin überteuert eingekauft wurde – an Wert“

(Michael Jung, Sprecher der Bürgerinitiative Prellbock-Altona e.V.)

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing