von Christian Kirchner, 23. März 2026
Falls am vergangenen Montag europäische Bankengeschichte geschrieben worden sein sollte – dann auf skurrile Art und Weise. Da war der morgendliche Analysten-Call, bei dem Unicredit-Chef Andrea Orcel phasenweise klang, als würde er mit einer am Mund gehaltenen Muschel eines Analogtelefons telefonieren (und dabei im Badezimmer von Manfred Knof sitzen). Da war das herrliche Paradoxon, dass die Italiener einerseits ein Angebot zur Vollübernahme der Commerzbank ankündigten – aber andererseits betonten, das Angebot sei so unattraktiv, dass kaum jemand es annehmen werde. Und dann war da noch die verwirrende Penetranz, mit der die Unicredit in ihrer Pressemitteilung gleich dreimal betonte, sie gehe keineswegs davon aus, irgendeine Kontrolle über die Commerzbank zu erlangen. In der Überschrift („No expectation to achieve control“). Im dritten Satz („It is expected that UniCredit will achieve a stake in Commerzbank in excess of 30% without reaching control“). Und dann auch noch mal am Ende („If as expected UniCredit remains with no control in Commerzbank the financial impact on capital will be negligible“).
Nun mag es ja so sein, dass uns Finanzjournalisten bisweilen eine gewisse Begriffsstutzigkeit anhaftet – als kognitive Hilfestellung war die mehrmalige Wiederholung im Pressestatement aber trotzdem nicht gedacht. Vielmehr scheint die Unicredit in einem (potenziell ziemlich teuren) Dilemma zu stecken. Einerseits läuft ihr Vorgehen fast zwingend darauf hinaus, in gleich mehrerer Hinsicht die Kontrolle über die Commerzbank zu gewinnen. Andererseits kann sie genau das nicht gebrauchen.
Hier alles zum Verwirrspiel der Woche:
Sind Sie bereits Abonnent? Hier geht's zum Login!
Finanz-Szene ist das Nr.-1-Medium für Banken und Fintechs. Jetzt Premium-Abonnent werden und Zugang zu allen Inhalten sichern. Ab 9,99 Euro (für den 1. Monat).
Die Artikel von Finanz-Szene sind urheberrechtlich geschützt und nur für den jeweiligen Premium-Abonnenten persönlich bestimmt. Die Weitergabe – auch an Kollegen – ist nicht gestattet. Wie Sie Inhalte rechtssicher teilen können (z.B. via Pressespiegel), erfahren Sie hier.
Danke für Ihr Verständnis. Durch Ihr Abonnement sichern Sie ein Stück Journalismus!