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Plus 26%: Haspa schraubt am Preismodell für Girokontenv

1. November 2021

Von Christian Kirchner

Die Hamburger Sparkasse (Haspa) ist mit 55,4 Mrd. Euro Bilanzsumme nicht nur die mit Abstand größte deutsche Sparkasse – sie ist auch für Kunden eine der teuersten hierzulande. 7,90 Euro/Monat ruft die Haspa in ihrem bislang günstigsten Pauschalmodell auf und luftige 16,90 Euro für das teuerste. Zum Vergleich: Nicht einmal bei Commerzbank und Deutscher Bank (12,90 bzw. 13,90 Euro/Monat) oder der HVB (14,90 Euro/Monat) kostet das teuerste Kontomodell so viel wie bei der Haspa mit ihren knapp eine Million Girokonto-Kunden.

Doch selbst diese Kontoführungsgebühren reichten zuletzt offenbar nicht mehr aus, um den kontinuierlichen Schwund der Profitabilität bei der Haspa (siehe hier und hier) zu stoppen. Und so bauen die Hamburger, wie Finanz-Szene.de in Erfahrung gebracht hat, ihre Kontomodelle um, und zwar erstens mit sofortiger Wirkung (genauer: ab 1.11.) – und zweitens zu noch teureren Tarifen!

Neukunden, die nicht für jeden einzelnen Buchungsposten bezahlen wollen, haben demnach nur noch die Wahl zwischen einem neuen Kontotyp namens “Haspa Joker” für 9,95 Euro/Monat und dem “Haspa Joker Premium” für 17,95 Euro/Monat. Konkret verteuert sich damit das günstigste Pauschalmodell für Neukunden um stolze 26% (!!). Dagegen wirken die 6% Plus beim Premium-Konto geradezu wie eine nette Vorzugsbehandlung.

1. Was sich ändert

Hier der Überblick über die Pauschalangebote für Neukunden, die bei der Haspa ein Girokonto eröffnen wollen:

alt (bis 31.10.) Preis in €/Monat neu (ab 1.11.) Preis in €/Monat
Haspa Joker smart 7,90 Haspa Joker 9,95
Haspa Joker comfort 10,90
Haspa Joker premium 16,90 Haspa Joker premium 17,95

2. Was die Haspa dazu sagt

Wie die Hamburger Sparkasse auf Nachfrage mitteilt, habe man die neuen Kontomodelle auf Basis von Kundenbefragungen ermittelt. Zudem wolle man sein Angebot “verschlanken”. Für Bestandskunden seien die neuen Modelle lediglich eine Option. Wer nicht wechseln wolle, müsse dies auch nicht tun.

Ein Sprecher begründete das Anheben der Preisstruktur auf 9,95 Euro/Monat bzw. 17,95 Euro/Monat für Neukunden mit den “umfangreichen Mehrwertdiensten”, die in den betreffenden Konten enthalten seien. So gehöre zum neuen Premium-Modell auch ein Cashback-Dienst sowie die digitale Dokumentenverwaltung S-Trust. Kunden könnten aber auch in ein für sie günstigeres Modell wechseln.

3. Warum die Kunden aufpassen sollten

Ein Wechsel des Modells will indes gut überlegt sein, denn er stellt im Sinne des Preis-Leistungs-Verzeichnisses eine Neueröffnung dar. Für Wechsler gilt somit, was ohnehin für Neukunden gilt – nämlich ein Verwahrentgelt je Kunde in Höhe von 0,5% p.a. ab einem Guthaben von 50.000 Euro.

Aus dem Preis-Leistungs-Verzeichnis ergeben sich zudem weitere Preisschritte. Teurer werden auch Karten, sofern sie nicht in den pauschalen Kontomodellen enthalten sind. So kostet die Ausgabe der HaspaCard künftig 12 statt 7,95 Euro/Jahr. Für die Mastercard Silber werden nun 36 statt 25 Euro/Jahr fällig (Zusatzkarte: 36 statt 15 Euro/Jahr) und für die Mastercard Gold gar 84 statt 65 Euro/Jahr (Zusatzkarte: ebenfalls 84 statt wie bisher 40 Euro/Jahr). Die Debitkarten Mastercard Basis oder Visa Basis kosten künftig 36 statt 29,50 Euro/Jahr.

Ob das Ziel der neuen Kontomodelle tatsächlich eine “Verschlankung” der Kontopalette ist und dem Kundenwunsch entspricht, scheint bei näherer Betrachtung fraglich. Denn durch die Änderung unterhält die Haspa zwar künftig nicht mehr drei pauschale Kontomodelle wie bisher (Joker smart, Joker comfort und Joker premium). Doch das gilt ja nur für Neukunden – die Bestandskunden behalten ihre bisherigen Modelle bei. Macht insgesamt somit fünf Modelle! In der Vergangenheit, bei anderen Banken war es in solchen Fällen meist nur eine Frage der Zeit, ehe Kunden über Anschreiben, Beratungen und sanften Druck in die neuen Modelle migriert wurden. Und so liegt die Vermutung nahe, dass es am Ende vor allem um eines geht: die Erlöse zu steigern.

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