von J. Wiegel, M. Bräckle, T. Boshof und M. Grüterich*, 15. Dezember 2025
Das deutsche Private Banking steht 2025 exemplarisch für eine Branche im Wandel. Transformation, Digitalisierung und eine sich verändernde Kundschaft stellen die Anbieter vor strategische Herausforderungen. Wie jedes Jahr haben wir erneut den Markt, Ertragspotenziale sowie Erfolgsfaktoren für die kommenden Jahre im Detail untersucht.
Nachfolgend eine Zusammenfassung der wesentlichen Erkenntnisse:
Das liquide Vermögen deutscher Private-Banking-Kundinnen und -Kunden beläuft sich 2024 auf rund 6,5 Billionen Euro und wird bis 2030 voraussichtlich auf 8,5 Billionen Euro steigen. Besonders ballt sich das Ertragspotenzial in den zehn größten Stadtregionen wie München, Frankfurt/Rhein-Main und Hamburg. Über 50% der Erträge werden hier generiert. Auffällig ist: Die Ertragsmarge stieg erstmals vorwiegend durch Provisionsgeschäft und nicht mehr durch Zinserträge. Dieser Trend unterstreicht, dass das klassische Geschäftsmodell an Wirksamkeit verliert, insbesondere falls das Zinsniveau wieder sinkt.
Private-Banking- und Wealth-Management-Kunden stellen nur 1,9% aller Privatkundenhaushalte dar, bieten aber erhebliches Wachstumspotenzial. Die Zahl der Haushalte nimmt jährlich zu – sowohl in den Metropolen als auch in Wachstumsregionen abseits der Zentren. Gerade dort eröffnen sich für Genossenschaftsbanken und Sparkassen zusätzliche Chancen.
Die Marktdynamik zeigt, dass außerhalb der Top-Regionen beachtliche „Hidden Potentials“ schlummern. Wealth Management, das nur 0,2 Prozent der Haushalte umfasst, besitzt beinahe gleich großes Ertragspotenzial wie alle Private-Banking-Kunden zusammen. Besonders im Bereich Finanzierung und Immobilien gibt es noch unausgeschöpftes Geschäft, das bislang oft unsystematisch adressiert wird.
Der Wettbewerbsdruck nimmt zu. Neben traditionellen Privatbanken und regionalen Instituten dringen internationale Player und digitale Vermögensverwaltungen in den Markt. Ausländische Banken fokussieren insbesondere das Wealth-Management-Segment, während innovative Anbieter neue Service- und Beratungsmodelle etablieren. Für die etablierten Anbieter bedeutet das: Investitionen in Kompetenz, Provisionsgeschäft und klare Positionierung werden erfolgskritisch.
Die vergangenen Jahre waren von steigenden Erträgen und moderatem Kostenanstieg geprägt. Gleichwohl sind die Effizienzquoten ausbaufähig. Vor allem die Provisionsseite eröffnet Potenzial zur Stärkung der Ergebnissituation – wichtige Voraussetzung angesichts eines möglichen Zinsrückgangs.
Vier Kernbereiche für nachhaltigen Unternehmenserfolg werden identifiziert:
Kundinnen und Kunden erwarten heute ein exklusives, individuelles Gesamterlebnis – sowohl digital als auch persönlich. Digitale Tools und KI leisten einen entscheidenden Beitrag zur Effizienzsteigerung und Individualisierung in Beratung und Service. Ertragspotenziale entstehen entlang der gesamten Kundenreise: vom Markenkontakt, der Beratung bis zur Bindung der nächsten Generation.
Gefragt ist ein differenziertes Leistungsversprechen, das Standort, Pricing, Marke und Services einbezieht. Nur so entsteht die für Private Banking typische exklusive und kompetente Markenwahrnehmung. Das Pricing muss sich von Retail-Angeboten deutlich abheben, der Service auch infrastrukturell exklusive Kundenerlebnisse bieten.
Die Einführung künstlicher Intelligenz im Private Banking eröffnet neue Wertschöpfungspfade: KI-gestützte Beratung ermöglicht Hyperpersonalisierung, effizientere Prozesse und individuelle Analysen auch für kleinere Vermögen. Beraterinnen und Berater werden so zur Schnittstelle zwischen persönlicher Beziehung und digital gestützter Exzellenz. Technologisch fortschrittliche Häuser nutzen diese Entwicklung, um die Qualität und Profitabilität ihrer Betreuung nachhaltig zu steigern.
Der nachhaltige Geschäftserfolg hängt entscheidend von der Bindung der nächsten (Erben-)Generation ab. Bisher liegen Schwerpunkte vielfach auf älteren Zielgruppen. Das NextGen-Management fokussiert die Ansprache junger, vermögender Menschen – etwa Gründerinnen und Gründer oder Nachwuchsführungskräfte – und stellt die Bank als eigenständigen Partner für familiäre Finanzangelegenheiten auf. Netzwerkveranstaltungen, Communities und Beratung auf Augenhöhe schaffen Lösungen, die weit über die Vermögensverwaltung hinausgehen.
Private-Banking-Anbieter müssen jetzt strategisch handeln: Die eigene Marke gegenüber anspruchsvollen Kundinnen und Kunden tragfähig positionieren, Digitalisierung und KI klug nutzen und Wachstumspotenziale jenseits des klassischen Zinsgeschäfts konsequent erschließen.
Nur wer die Innovationskräfte und Kundenerwartungen intelligent vereint, bleibt auch in Zukunft verlässlicher Partner und Impulsgeber für die Branche.
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*Jens Wiegel und Markus Bräckle sind Senior Manager, Tobias Boshof ist Manager und Maria Grüterich ist Senior Consultant bei zeb consulting. zeb consulting gehört zu den Premium-Partnern von Finanz-Szene. Mehr zu unserem Premium-Partner-Modell erfahren Sie hier.
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