Kurz gebloggt

Risikovorsorge? Pfff. Sparkassen in BaWü herrlich unbekümmert

9. Februar 2021

Von Heinz-Roger Dohms

„Wir sind vorsichtig optimistisch, dass die Insolvenzwelle in diesem Jahr nicht so hoch sein wird, wie viele befürchten“ – so hatte es DSGV-Präsident Helmut Schleweis vor zwei Wochen gesagt. Genau in diesem Geiste kommen nun auch die ersten regionalen Sparkassen-Zahlen für 2020 daher (die gestern vorgestellt wurden und aus Baden-Württemberg stammen) – mal abgesehen davon, dass man „vorsichtig optimistisch“ vielleicht durch „sehr optimistisch“ ersetzen sollte. Denn: Schleweis‘ baden-württembergisches Pendant Peter Schneider warnte gestern zwar davor, dass mit jedem weiteren Tag Lockdown „mehr Kunden in Schwierigkeiten“ kämen. Zugleich haben die Sparkassen im Ländle aber gerade mal zusätzliche Risikovorsorge in Höhe von 220 Mio. Euro gebildet. Nur gut halb so viel, wie im Juli prognostiziert (und damals war von einem zweiten Lockdown bekanntlich noch keine Rede).

Um das Ganze mal einzuordnen: Gemessen am 143 Mrd. Euro schweren Kreditbuch (wovon jeweils 68 Mrd. Euro auf Privatpersonen bzw. auf Unternehmen/Selbständige entfallen) entsprechen die 220 Mio. Euro lächerlichen 15 Basispunkten. Und das, nachdem die Ba-Wü-Sparkassen zwischen 2011 und 2019 per saldo sogar 430 Mio. Euro Risikovorsorge aufgelöst hatten und „mit historisch niedrigsten Kreditrisikovorsorge-Beständen in die Corona-Krise gegangen“ waren, wie Schneider gestern frohgemut formulierte (um journalistisch sauber zu bleiben: Das Zitat entstammt der Presse-Mitteilung ob Herr Schneider es exakt so gesagt hat, wissen wir nicht, und ob Herr Schneider wirklich „frohgemut“ war, entzieht sich ebenfalls unserer Kenntnis, es las sich allerdings so …).

Die „historisch niedrigsten Kreditrisikovorsorge-Beständen“ übrigens lassen sich quantifizieren. Dies waren 1,4 Mrd. Euro per Ende 2019. Mithin waren es 1,62 Mrd. Euro per Ende 2020. Was dann immerhin 113 Basispunkte gemessen am Kreditbuch sind. Aber reicht das im Fall der Fälle? Auch hierzu findet sich in der Presse-Mitteilung ein Hinweis: „Dank der breit gefächerten Kreditportfolien und der sehr guten Eigenkapital-Ausstattung werden die Sparkassen auch mögliche Kreditausfälle auffangen können.“ Was wir so verstehen: Wer über eine dicke Eigenkapitaldecke verfügt (22 Mrd. Euro bzw. 16,1% Kernkapitalquote), kann sich eine dünne Risikovorsorge leisten.

Dem Ergebnis jedenfalls tat’s naturgemäß gut, dass die baden-württembergischen Sparkassen in puncto Risikovorsorge eher unbekümmert unterwegs sind. Für die insgesamt 50 Institute reichte es zu einem achtbaren Vorsteuergewinn von 1,25 Mrd. Euro. Das sind zwar 12% weniger als ein zuvor. Aber ungefähr das, was die Commerzbank im besten ihrer fünf zurückliegenden Geschäftsjahre erreicht hat.

Hier noch ein Blick auf wesentliche Kennzahlen, wobei wir zum Vergleich nicht nur die 2019er, sondern auch die 2015er-Zahlen hinzugezogen haben. Auf diese Weise sieht man ganz schön, wo’s bei den Sparkassen (und jenseits aller Erwägungen zur Risikovorsorge) drückt. Achten Sie bitte v.a. auf die zweite Zeile von oben …

in Mrd. Euro 2020 2019 2015
Zins-Überschuss 3,09 3,18 3,45
in % der DBS 1,43 % 1,58 % 1,92 %
Betriebsergebnis vor Bewertung 1,52 1,59 1,75
in % der DBS 0,70 % 0,79 % 0,97 %
Ergebnis vor Steuern 1,25 1,42 1,59
in % der DBS 0,58 % 0,71 % 0,71 %

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