Leser-Blog

„Rührend, wie Sie Mandel gut dastehen lassen wollen“

10. September 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Was uns an Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, manchmal ein wenig erstaunt: Solange wir auf Ihre Branche eindreschen, ist alles gut zwischen Ihnen und uns. Gegenwind gibt es immer erst, wenn wir ausnahmsweise dann doch mal was Positives schreiben. Insofern waren wir auf einiges gefasst, als wir gestern Früh den armen Commerzbank-Retailchef Michael Mandel mal ein ganz klein wenig in Schutz nahmen gegen die Höllenhunde jedweder Couleur da draußen …

Indes, große Überraschung: Statt uns ordentlich einzuheizen, liebe Leserinnen und Leser, fiel Ihr Feedback auf unseren Artikel unerwartet positiv aus. Wobei: Die eigentlich antizipierten „Was nehmt Ihr denn da den Mandel so in Schutz???“-Zuschriften kamen dann doch noch. Und, fairerweise – ist ja nicht so, als hätten die Mandel-Kritiker nicht auch ein paar Argumente auf Ihrer Seite.

Ein paar Auszüge:

Contra Mandel (I)

„Ich find’s rührend, wie Sie versuchen, Michael Mandel nicht in ganz schlechtem Lichte dastehen zu lassen. […] Mit der Strategie 4.0 in 2016 wurde dem Segment Privatkunden zugeschlagen: ein Teil der Mittelstandsbank zugeschlagen (und zwar das M1 Geschäft – ich brauche Ihnen nicht zu erläutern, dass die Margen im unteren FK-Geschäft deutlich attraktiver sind, als bei den large corporates …). Und die mBank. Der Absprungpunkt ist damit schon mal rund 300 Mio. Euro höher. Ziehen Sie mal ab 2016 jeweils 300 Mio. Euro beim Ergebnis ab … Hinzu kommt: In den 2019 Zahlen sind kräftig Einmal-Effekte drinnen, wie zB. der Verkauf der eBase.  Und glauben Sie mir, von solchen Einmaleffekten gibt es noch viele … Nur mit diesem beiden Effekten allein bin ich bei rund 400 Mio. Euro Profit für das Segment. Kein Drama, aber halt auch kein dolle Sache. Die guten Zahlen in 2020 sind maßgeblich getrieben durch sensationelle Trades bei der Comdirect. Das entzieht sich aber auch der individuellen Leistung des Michael Mandel.“

Contra Mandel (II)

„Man könnte meinen, Michael Mandel hätte denn Artikel selbst geschrieben. Die angedeutete Skepsis hinsichtlich der Neukundenzahlen ist durchaus angebracht, da diese in den letzten Jahren überwiegend von Comdirect und mBank gebracht, aber immer als Commerzbank-Neukunden (Konzern) berichtet wurden. Wenn also 60-70% stimmen sollten, müsste man diese vermutlich auf den wahren Commerzbank-Anteil hieran beziehen – und das dürfte dann doch eher verschwindend sein. Hinzu kommt, dass man bei diesen Zahlen gern Brutto- und Nettoneukunden vermischt. […] Im Übrigen muss auch gesagt werden, dass die antizyklische Neukundenstrategie („Wir sammeln in der Niedrigzinsphase Neukunden auf, die andere liegen lassen, und starten dann mit Anziehen der Zinsen voll durch.“) immerhin eine gewisse Plausibilität hatte und von Mut zeugte. Dass man mit der Prognose anziehender Zinsen derart daneben liegen würde, konnten damals vermutlich nur die wenigsten ahnen. Dass die Filialen kein Zukunftsmodell sein würden, weiß man aber wirklich nicht erst seit Corona – und dementsprechend wären Konzepte angezeigt gewesen, wie man die Filialanzahl/-kosten drastisch reduzieren kann ohne die werthaltigen Kunden/Abschlüsse großflächig zu verlieren. Das hört sich nicht nach Raketenwissenschaft an. Aber die Vertreter des Filialvertriebs hatten einen enormen politischen Einfluss im Konzern. Und so ist bspw. zu erklären, weshalb die Commerzbank den Robo Advisor erst an- und dann wieder abkündigte. Dies lag nicht an Bedenken hinsichtlich des Produkterfolgs, sondern an Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen für die Vertriebsberater.“

Weder pro noch contra Mandel:

„Lese gerade Ihren Coba-Artikel, nachvollziehbare Argumentation. Drei wichtige Aspekte fallen mir spontan ein: 1.) Überschlagen Sie mal, wie das operative Ergebnis wäre, wenn es seit ein paar Jahren 500 Filialen weniger gäbe. 2.) Was Sie in keinem Geschäftsbericht erkennen können, sind die Umlagen aus IT-Infrastruktur und Corporate Funktionen (Risk, Treasury, Compliance, …), das sind grob 50% der Kosten der Segmente – und das Privatkundengeschäft ist seit 2010 sehr gut in der Verhandlung der „Umallokation“. Wie sonst erklären Sie das sprunghaft gute Ergebnis nach einem Jahr Privatkunden-Vorstand Martin Zielke? Nicht negativ zu bewerten, einfach ein Fakt. Die Segmente nutzen gemeinsame Infrastruktur und Ressourcen. 3-) Die Corporate Bank hat ein paar Jahre davor – und das ohne das Investmentbanking, das war ja ein separates Segment – 2 Mrd. operativen Gewinn erwirtschaftet. Die Analystenreports aus damaliger Zeit zeigen grob: Operativer Gewinn: 2 Mrd. Euro MSB, 0,5 Mrd. Euro Investmentbanking und 0,5 Mrd. Retail.  Die Situation ist also viel viel krasser… Die Gründe dafür vielschichtig.“

Mandels OP: Fünf Diagnosen zum Retailgeschäft der Coba

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