von C. Kirchner, B. Neubacher, H.-R. Dohms und C. Behr, 28. Februar 2026
In unserem Großbanken-Ticker verfolgen wir, was bei Deutsche Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank los ist – und widmen uns auch den tendenziell im CIB-Geschäft tätigen großen Auslandsbanken.
Hier der Ticker für Februar 2026:
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So kann es gehen. Die Vorjahresziele übertroffen (siehe unsere News von Dienstagmittag). Die aktuellen Ziele angehoben (siehe unseren Live-Blog). Doch was macht die Aktie? Rauscht um zwischenzeitlich bis zu 6,6% ab. Nun sollte man Börsenreaktionen nicht überbewerten, zumal bei einer Aktie, die ohnehin etwas aufgebläht wirkt (und sich dann auf ein Tagesminus von nur 2% erholt). Und doch illustrierte der Tag sehr schön, in welche Lage sich die Commerzbank einstweilen manövriert hat: Sie kann liefern, so viel sie will – den hochgejazzten Erwartungen wird sie trotzdem kaum noch gerecht. Wie der Hase aus der Fabel, der läuft wie verrückt, nur um letzten Endes stets festzustellen, dass der Igel schon da ist („Ick bün all hier!“). Konkret: 2,6 Mrd. Euro netto hat die Commerzbank im vergangenen Jahr verdient (prognostiziert waren 2,5 Mrd. Euro), fürs laufende Jahr kalkuliert sie nun sogar mit „mehr“ als 3,2 Mrd. Euro (statt bislang mit genau 3,2 Mrd. Euro). Das wirkt alles überaus solide, zumal das vorgestellte Zahlenwerk auch in den Details nur wenig Anlass zum Meckern gibt. Doch zugleich – kalkulieren die Analysten halt schon seit Wochen mit einem Gewinn von 3,4 Mrd. Euro. Ein Ziel, das der Vorstand insgeheim verfolgen dürfte, das er sich aber nicht öffentlich zu formulieren getraut hat. Und so wirkt die neue Prognose also im besten Fall konservativ und im schlechtesten Fall so, als mangele es der Commerzbank an Ambitionen (oder als traue sie sich die 3,4 Mrd. Euro nicht zu). Hinzu kommt: In Frankfurt hat man zwar Gefallen an der Erzählung von den tapferen Galliern gefunden, die sich gegen die übermächtigen Römer (genauer: Mailänder) zur Wehr setzen. Der Zaubertrank allerdings scheint nicht unbegrenzt zu wirken, wie sich am Aquila-Capital-Fiasko zeigt (im Q4 wurden weitere 52 Mio. Euro auf den Asset Manager abgeschrieben). Und so bleiben der Commerzbank eigentlich nur zwei Dinge: Weiterhin zu liefern. Und sich daran zu gewöhnen, dass die Zeiten, in denen sie fürs Liefern gefeiert wurde, vorbei sind. Unsere Analyse in sechs flotten Punkten: FS Premium
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… dass es der Commerzbank vom 22. Februar an ein bisschen schwerer fallen dürfte, sich gegen einen Übernahmeversuch der Unicredit zu wehren? Grund: An diesem Tag ist die Sechs-Monats-Frist ausgelaufen, während derer die Italiener ein Pflichtangebot laut Übernahmegesetz zwingend bar hätten bezahlen müssen. Ab jetzt: Ginge das auch in Aktien! (okay, okay, die Connaisseure unter Ihnen hatten das natürlich auf dem Zettel. Aber nachdem wir selber es schon wieder vergessen hatten – bevor wir von SZ und FAZ daran erinnert wurden, dachten wir, es könne vielleicht nicht schaden, Sie einfach nochmal drauf hinzuweisen).
Die Deutsche Bank? Minus 10% über die letzten zwei Wochen. Die Commerzbank? Minus 6% über die letzten zwei Wochen. Der Euro Stoxx Banks? Minus 7% über die letzten zwei Wochen. Huch, was’n da los??? Okay, vielleicht einfach nur Gewinnmitnahmen. Wer wollte es den Investoren verdenken? Schließlich haben sich die Aktienkurse von Deutsche Bank und Commerzbank allein zwischen Anfang 2024 und Ende 2025 grob verdreifacht. Irgendwann ist dann halt auch mal gut (siehe letzte Woche unseren hilflosen Versuch, die knurrige Börsenreaktion auf die formidablen Coba-Zahlen zu erklären). Also, Knopf dran und weiter zum nächsten Thema? Eigentlich ja. Und uneigentlich??? Uneigentlich wollen wir Sie zumindest mal drauf hingewiesen haben, dass da draußen dieser Tage noch ein alternativer, deutlich steilerer Erklärungsansatz kursiert. Dazu muss man nun wiederum wissen, dass in letzten Monaten verschiedene Analysten-Studien publiziert wurden (unter anderem von Goldman Sachs und UBS), die allesamt darauf hinausliefen, dass die Bankenbranche zu jenen Industrien gehört, die von der KI-Revolution besonders stark profitieren (gemeint war natürlich die Eigentümersicht; was das alles für die Belegschaft bedeutet, ist eine ganz andere Geschichte). Die Argumentation: Je höher, erstens, die Arbeitskosten und je höher, zweitens, das Automatisierungspotenzial – desto geiler lassen sich durch KI-Einsatz die Kosten runterfahren. Es gibt dazu beispielsweise ein zweiachsiges Streudiagramm von Goldman Sachs, wo ganz links unten „Staples Retail“ steht (also eher kein KI-Profiteur) und ganz rechts oben „Banks“ (also voll der KI-Profiteur). Jedenfalls, wie gesagt – genau das war das KI-Narrativ der letzten Monate. Das KI-Narrativ der letzten Tage allerdings ist, bezogen auf die Bankenbranche, plötzlich ein ganz anderes. Bitte sehr: FS Premium
In einem Social-Media-Post („I have had some great predecessors“) würdigte DWS-Chef Stefan Hoops dieser Tage gleich neun seiner Vorgänger. Aufgrund eines technischen Fehlers war beim Veröffentlichen des Postings allerdings ein Name verloren gegangen. Finanz-Szene freut sich, die entsprechende Würdigung nachreichen zu dürfen – bitte sehr: FS Premium
Ab jetzt gilt’s – was das Commitment der Commerzbank für Wero bedeutet
Nein, das wird nichts mehr. Fast vier Jahre lang (also seit dem Rückzug aus EPI im Januar 2022) war das die natürlich nicht offizielle, aber hinter den Kulissen doch recht deutlich vorgetragene Position der Commerzbank zur europäischen Bezahlinitiative. Erst in den letzten Monaten begann sich die Tonlage zu ändern. Nämlich in dem Sinne, dass Commerzbanker plötzlich im Off so redeten („Wir beobachten die Entwicklung mit Interesse“), wie sie es bis dahin lediglich im On getan hatten. So gesehen kommt es also nur bedingt überraschend, dass Coba-Chefin Bettina Orlopp den verspäteten Einstieg bei Wero angekündigt hat (erst einmal nur in der Anwender-Rolle, auf Sicht möglicherweise auch als Shareholder). Die Frage nach den Motiven aber stellt sich natürlich trotzdem. Hier entlang: FS Premium
Commerzbank hebt Prognose an – schreibt aber weitere 52 Mio. Euro auf Aquila ab
Die Commerzbank nimmt einige grundlegende personelle Veränderungen in ihrem Firmenkundengeschäft vor. So verkündeten die Frankfurter die Verpflichtung von gleich zwei neuen Bereichsvorständen – zudem erhält der Bereich „Lending“ eine neue Spitze. Der Überblick:
Die Commerzbank hat den Abgang von Risikovorstand Bernd Spalt verkündet. Der Österreicher, der erst Anfang 2024 von der Erste Group nach Frankfurt gewechselt war, werde sich mit Ablauf seines Vertrags zum Jahresende zurückziehen, hieß es. Nach Darstellung der Commerzbank war es Spalt selbst, der die Entscheidung zum Rückzug getroffen hat – „aus persönlichen Gründen“ (im Umfeld wurde die Lesart als „glaubwürdig“ eingestuft). Das Risikoressort bleibt damit eine Problemzone des Frankfurter Instituts. So war Spalt seinerzeit erst installiert worden, nachdem die Commerzbank mit ihrem internen Kandidaten Rüdiger Rass bei der Aufsicht abgeblitzt war. Pointe am Rande: Der Abgang von Rass (der nach dem verhinderten Vorstandsaufstieg auf seiner Position als Chief Credit Officer geblieben war) kündigt sich ja mittlerweile auch an, siehe Anfang Dezember unseren Scoop –> „Commerzbank baut Risiko-Ressort um – ‚Beinahe-Vorstand‘ Rass geht“.
Von ING Diba bis UBS Europe – die Vergütungs-Millionäre der Auslandsbanken
Wenn das größte Geldhaus der Republik und sein hauseigener Asset Manager die „Vertiefung“ ihrer „Zusammenarbeit“ ankündigen, dann klingt das erst einmal nach einer Plattitüde. Tatsächlich ist die angekündigte neue Kooperation zwischen Deutscher Bank und DWS aber durchaus materiell. So soll der Fonds-Spezialist künftig nicht mehr nur als Produktlieferant für die Mutter fungieren, sondern auch als Abwicklungsplattform für deren „diskretionäres Portfolio-Management“ (also für Vermögensverwaltungs-Mandate, in denen die Kunden der Bank einen individuellen Anlagerahmen vorgeben). Konkret läuft dieses Setup darauf hinaus, dass die Kundengelder bei der Deutschen Bank verbleiben; darüber behält sie auch die Zuständigkeit für die Anlagestrategie und kümmert sich um die Beratung. Dagegen obliegen die technische Implementierung der Portfolios sowie die Order-Bündelung und die Handelsausführung künftig der DWS. Hintergrund der neuen Arbeitsteilung sind die enormen Wachstumsambitionen der Deutschen Bank im Wealth Management (siehe hier). So will Privatkunden-Chef Claudio de Sanctis die Assets im diskretionären Portfolio-Management binnen der nächsten drei Jahre verdoppeln. Offenbar sind die eigenen Systeme dafür eher weniger geeignet – während die DWS-Plattform nach Skalierung schreit.
Unicredit erzielt im Deutschland-Geschäft Rekordgewinn von 2,1 Mrd. Euro
Natürlich ist Andrea Orcel bei der Präsentation ihrer 2025er-Zahlen auch auf die Commerzbank angesprochen worden. Und natürlich hat er pflichtschuldig erklärt, dass eine Übernahme weiterhin auf der Agenda steht – „wenn der richtige Zeitpunkt kommt und die Konditionen stimmen“. Doch wenn nicht: „Dann gibt es genügend andere Themen, die wir vorantreiben können.“ So will die Mailänder Großbank gemäß ihrer vorgestellten neuen „Unlimited“-Strategie die Eigenkapitalrendite bis 2028 auf sage und schreibe 23% (!!!) in die Höhe schrauben. Das sind 10 Prozentpunkte mehr, als sich die Deutsche Bank zum Ziel setzt, und 8 Prozentpunkte mehr als bei der Commerzbank. „Testing new boundaries“, heißt es an einer Stelle der Strategie-Präsentation. Für die Unicredit sollen die bisherigen Grenzen des Bankgeschäfts, etwa was Profitabilität und Effizienz betrifft, also schlicht nicht mehr gelten. Kernige Ansage! Die Aktionäre vernehmen es gern (genauso wie sie sich über die in Aussicht gestellten Kapitalauszahlungen von 30 Mrd. Euro bis 2028 und weiteren 20 Mrd. Euro bis 2030 freuen). Um 7,2% auf 79,25 Euro legte die Unicredit-Aktie bis Handelsschluss zu, das entspricht einer Marktkapitalisierung von jetzt gut 122 Mrd. Euro. Angesichts solcher Zahlen verkommen die Hedging-Kosten für die Beteiligungen (also wesentlich für die Commerzbank) zur Randnotiz. 240 Mio. Euro hat die Unicredit hierfür allein im vierten Quartal berappt, künftig rechnet sie mit rund 500 Mio. Euro jährlich. Die Botschaft: Die Unicredit kann sich ihren Coba-Stake locker leisten (zur Not auch auf Jahre hinaus!) – und spielt jetzt einfach mal auf Zeit. Die Zahlen zum vierten Quartal und wie die Hypo-Vereinsbank abgeschnitten hat, lesen Sie hier: FS Premium
Die Hoffnungen waren groß, als die ING Deutschland vor einigen Jahren in die Finanzierung von Amazon-Händlern einstieg. Glücklich wurde die Oranje-Bank mit dem Geschäftsmodell allerdings nie, eher desillusioniert zog sie sich letzten Sommer zurück. Nun tritt die Hypo-Vereinsbank in Kooperation mit dem Berliner Fintech Banxware die faktische Nachfolge an, setzt dabei allerdings auf einen anderen Ansatz. Wir dröseln ihn auf: FS Premium
Sämtliche Großbanken-News aus Dezember 2025 und Januar 2026
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