Daten & Research

Deutsche Großbanken haben im Q1 knapp 2,7 Mrd. Euro verdient

Es ist ja manchmal recht putzig, wie die Bankerzunft dieser Tage einerseits vor größtem ökonomischen Unheil warnt (LBBW-Chefvolkswirt Moritz Krämer etwa sieht einen “perfekten Sturm” aufziehen) – wie man aber in Bezug aufs eigene Haus von alldem nichts wissen will (“Die Geschäfte laufen hervorragend”, verriet LBBW-Firmen­kundenvorstand Karl Manfred Lochner letzte Woche der “BÖZ”). Was sich immerhin mit Gewissheit sagen lässt: In den Q1-Zahlen der deutschen Kreditwirtschaft spiegeln sich (obwohl der Ukraine-Krieg ja schon im Februar begann, ebenso wie die Talfahrt an den Börsen) die allgemeinen Unsicherheiten noch nicht.

So geht aus gestern offengelegten EZB-Daten hervor, dass die 21 systemrelevanten Banken hierzulande (darunter auch einige, die wie die LBBW keine Quartalsdaten publizieren) von Januar bis März unterm Strich einen Gewinn von 2,689 Mrd. Euro erwirtschaftet haben – zwar 6% weniger als im Vorjahresquartal, aber auch 31% mehr als im direkten Vorquartal. Sehr schön! Was allerdings auffällt (und dafür können, würden wir behaupten, weder der Krieg noch die Aktienmärkte etwas): Die Personal- und Sachaufwendungen addierten sich auf 13,361 Mrd. Euro, verglichen mit dem Q1 2021 ein Plus von 9%! Selbst bereinigt um einen von uns vermuteten Sondereffekt (die Übertragung von ausländischen J.P.-Morgan-Töchtern auf die Frankfurter Einheit) riecht das nach einer deutlichen Kostensteigerung. Möglicherweise verkraftbar in der Karl-Manfred-Lochner-Welt. Potenziell fatal in der Moritz-Krämer-Welt. Hier die Ergebnisse in Tabellenform:

in Mio. Euro Q1/2021 Q4 /2021 Q1/2022 vs. Vorjahres-Quartal vs. Vor-Quartal
Zinsüberschuss 7.958 7.688 8.111 + 2% + 6%
Provisionsüberschuss 6.420 7.310 6.994 + 9% – 4%
sonstige Erträge 3.378 728 3.669 + 9% + 404%
Erträge insgesamt 17.756 15.726 18.773 + 6% + 19%
Kosten und Abschreibungen -12.849 -12.267 -13.361 + 4% + 9%
Gewinn vor Bewertung und Risikovorsorge 4.907 3.459 5.412 + 10% + 56%
Bewertungsergebnis und Risikovorsorge -1.068 -1.127 -1.420 + 33% + 26%
andere Ergebnisbestandteile 42 -54 -180 + 235%
Gewinn vor Steuern 3.881 2.278 3.811 – 2% + 67%
Steuern -1.054 -270 -1.173 + 11% + 334%
Nettogewinn 2.827 2.007 2.639 – 7% + 31%
Cost-Income-Ratio 72,4% 72,7% 71,2% – 1,2 Ppte. – 1,5 Ppte.
Eigenkapitalrendite (RoE) 4,84% 4,09% 4,13% – 0,71 Ppte. + 0,04 Ppte.
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