Sparkasse Aachen streicht ihre Filialnetz radikal zusammmen

10. Juni 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Der Sparkasse Aachen haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder mal unsere Aufmerksamkeit geschenkt – geschuldet der Tatsache, dass kaum ein anderes öffentlich-rechtliches Institut hierzulande solche imposanten Ergebnisse abliefert. Siehe unseren Klassiker „Normale deutsche Sparkasse arbeitet ähnlich profitabel wie die Citigroup“ aus dem Januar 2019 (bezogen seinerzeit auf die 2017er-Zahlen).

Indes: Auch im äußersten Westen der Republik sind die Zeiten, in denen die Überschüsse aus der Bilanz nur so herausquollen, inzwischen vorbei (siehe, diesmal basierend auf den 2019er-Zahlen: „Ganz schön gerödelt: Wie die Sparkasse Aachen ihre GuV rettet“). Und so kommt zunächst einmal nicht überraschend, dass nun auch die Aachener Sparkasse darangeht, ihr Filialnetz auszudünnen. Was allerdings doch erstaunt, das ist, wie entschieden, um nicht zu sagen radikal das Institut dabei vorgeht.

Konkret: Wie die „Aachener Zeitung“ (Paywall) heute Früh berichtet, sollen von den momentan noch 86 Filialen satte 32 dichtgemacht bzw. in reine SB-Standorte verwandelt werden. Zwar sind die Pläne noch nicht öffentlich. Allerdings, so schreiben es die „AZ“-Kollegen: Das entsprechende Konzept sei nicht nur vom Vorstand entworfen, sondern auch schon vom Verwaltungsrat (übrigens gegen den Widerstand der SPD und eines Teils der Personalvertretung) beschlossen worden. Sprich: Gut ein Drittel der Zweigstellen fällt weg, vor allem in der ländlichen Umgebung (a.k.a. „Nordeifel“) der 250.000-Einwohner-Stadt. 16 Standorte werde es bereits in diesem Jahr treffen, 16 weitere sollen bis 2025 folgen.

Nun haben wir zwar keine granularen Daten, was den Filialabbau bei Sparkassen und Genobanken auf regionaler Ebene angeht (die aggregierten Zahlen gibt’s, da waren es im vergangenen Jahr in beiden Gruppen jeweils rund 8%, siehe unsere Analyse hier). Allerdings dürfte es keinen Zweifel geben, dass die geplanten Maßnahmen bei der Sparkassen Aachen zu den größten überhaupt in den vergangenen Jahren gehören dürften. Vergleichbare Operationen fallen uns ad-hoc folgende ein (wiewohl es natürlich schon noch ein paar mehr gegeben hat, auch in diesem Umfang):

  • Die Sparda West kündigte im Herbst 2019 an, die Zahl ihrer Filialen von 82 Filialen auf 39 zu reduzieren, inzwischen ist sie bereits bei unter 50 angekommen
  • Die Hamburger Sparkasse hatte 2016 noch mehr als 140 Filialen, inzwischen sind es nur noch rund 120, bis 2024 sollen es gerade mal noch 100 sein
  • Die BW Bank (die zur LBBW gehört und damit genau genommen weder Sparkasse noch Genobank ist, aber jenen vom Zuschnitt her halt doch ähnelt …) will innerhalb von zwei Jahren von 100 Zweistellen auf nur noch 59 runterfahren

Dazu muss man sagen: Die Sparda West, die Hamburger Sparkasse und die BW Bank haben jeweils ihre Problemchen und Wehwehchen, während die Sparkasse Aachen (siehe oben) zuletzt ja immer noch recht gut dastand. Was zeigt: Filialschließungen im großen Stil sind nicht unbedingt eine Frage der Not. Sondern vielerorts eine Frage der (zumindest von den Entscheidungsträgern so wahrgenommenen) Vernunft.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing