von Bernd Neubacher und Christian Kirchner, 31. März 2025
In unserem „Landes- und Hypobanken“-Ticker widmen wir uns der LBBW ebenso wie der Aareal Bank, der BayernLB ebenso wie der Deutschen Pfandbriefbank.
Lesen Sie hier unseren Ticker für März 2025:
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Nun, nachdem die vier großen Landesbanken (okay, bei der BayernLB fehlen noch die Segment-Ergebnisse fürs Q4) ihre 2024er-Zahlen vorgelegt haben, lässt sich holzschnittartig das folgende Fazit ziehen: 1.) Die Zinswende wirkt nach, die Gewinne sind weiterhin ansehnlich; 2.) In der Immobilienfinanzierung läuft’s besser als befürchtet, im Firmenkundengeschäft schlechter als erhofft; 3.) Die LBBW kann sich weiterhin, die NordLB so langsam wieder aufs Stammgeschäft verlassen; und 4.) Kann es sein, dass die Helaba momentan wie eine kleine BayernLB daherkommt? Hier die gestern präsentierten 2024er-Zahlen der hessisch-bayeristhüringischen Landesbank in der Analyse: FS Premium
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Natürlich könnte man jetzt sagen, es liegt an der Steuergutschrift. Weil die NordLB im abgelaufenen Geschäftsjahr latente Steuern aus der Vergangenheit aktiviert hat, satte 271 Mio. Euro!, und damit sozusagen netto mehr Gewinn gemacht hat als brutto. Und, ja klar, in der Tat mutet das 2024er-Nachsteuerergebnis der Hannoverschen Landesbank mit 627 Mio. Euro geradezu spektakulär an (Hintergrund ist übrigens, dass sich frühere Verluste entgegen der bisherigen Erwartung nun doch gegen künftige Gewinne rechnen lassen, das gleiche Manöver, wie es vor zwei Jahren bereits die Deutsche Bank vollführt hatte, siehe hier). Die Sache ist allerdings, dass die NordLB auch bereinigt um den Einmalertrag mit einem Ergebnis vor (!) Steuern von 356 Mio. Euro ihre eigene konservative Prognose („Ergebnis im niedrigen dreistelligen Millionenbereich“) deutlich übertroffen und verglichen mit dem Vorjahr um 31% zugelegt hat. Dabei zeigen sich zwar Effekte, die so ähnlich auch bei anderen Groß- und Landesbanken zu beobachten waren, etwa der anhaltende Zins-Stimulus. Und doch, bei der eben noch morbiden Hannoverschen Landesbank reibt man sich halt eher die Augen als, sagen wir, bei der erfolgsverwöhnten LBBW. Hier das Ergebnis im Detail: FS Premium
Die Bilanzsaison ist zu zwei Dritteln rum. Und inzwischen zeigen sich klare Trends, so auch im gestern vorgestellten Zahlenwerk der LBBW. Beispiels eins: Im Firmenkundengeschäft tickt die Risikovorsorge deutlich hoch, ein Phänomen, das neulich auch schon bei der HSBC Deutschland zu beobachten war. Beispiel zwei: In der gewerblichen Immobilienfinanzierung scheint das Schlimmste fürs Erste hinter der Branche zu liegen. Was sonst noch zu den Zahlen der größten deutschen Landesbank zu sagen ist? Nun, dass 2024 alles in allem wieder richtig gut gelaufen ist (1,232 Mrd. Euro Gewinn vor Steuern) – wiewohl mit klaren Abstrichen bei der H2-Performance. Hier unsere Analyse: FS Premium
Zu den Dingen, die man nicht verstehen muss, gehört, dass Bankvorstände in Interviews immer seltener zu ihrer Bank befragt werden – und stattdessen die Welt, das Land oder wenigstens den Standort erklären sollen. Und so ging es vor einiger Zeit auch im „FAZ“-Interview mit LBBW-Chef Reiner Neske irgendwie um alles (die Globalisierung, die Bürokratie, die Inder, die Zölle, die Automobilindustrie, den Mittelstand) – nur um die LBBW ging es nicht. Jedenfalls nicht direkt. Indirekt allerdings: Erzählten die Ausführungen Neskes sehr wohl etwas über die größte deutsche Landesbank. Wie sie tickt. Was sie umtreibt. Und welche Richtung sie in den letzten Jahren eher unmerklich eingeschlagen hat. So sagte Neske an einer Stelle (übrigens die einzige Stelle, an der er überhaupt die eigene Bank erwähnt): „Vor allem der Mittelstand geht still und leise, indem die Unternehmen die Zukunftsinvestitionen im Ausland tätigen. Wir sehen das bei den Krediten, die wir ausgeben, die sind […] vor allem für Investitionen jenseits von Deutschland bestimmt.“ Kurz gesagt, malte Neske also das Bild einer heimischen Industrie, die ins Ausland abwandert – und einer Bank, die diesen Weg nolens volens mitgeht („Kredite … vor allem für Investitionen jenseits von Deutschland“). Fragt sich nur: Ist das tatsächlich schon die ganze Wahrheit? Oder kann es sogar sein, dass LBBW ihren Kunden nicht mehr nur ins Ausland folgt – sondern ihnen inzwischen regelrecht vorauseilt? Recherchen von „Finanz-Szene“ jedenfalls zeigen: Die LBBW unterhält inzwischen wieder mehr außer-europäische Standorte als zu Boom-Zeiten vor der Finanzkrise – und sie hat ihren außerhalb der EU erwirtschafteten Umsatz in den letzten zehn Jahren ebenso verfünffacht (!) wie den Gewinn. War da nicht mal was mit den Landesbanken, die sich auf ihr heimisches Geschäft beschränken sollten? Von wegen! Die Geschichte, wie die LBBW wieder richtig, richtig groß wurde – und aus dieser Position heraus von einer Commerzbank-Übernahme durch die Unicredit stärker profitieren könnte als jede andere Bank. Hier entlang: FS Premium
Acht Monate nach Amtsantritt hat Aareal-Bank-Chef Christian Ricken gestern die neue Strategie präsentiert. Dabei klingen die Ziele durchaus ambitioniert (mindestens 13% Eigenkapitalrendite bis 2027) – den Weg dorthin skizziert der Vorstand allerdings nur sehr grob. Hier entlang: FS Premium
„Unglaublich, wie gut die deutschen Banken diese Woche überstanden haben“
Sämtliche „Landes- und Hypobanken“-News aus dem Februar 2025
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