Kurz gebloggt

Und jetzt? Zerschlagung? Die 7 Verlierer des Aareal-Fiaskos

6. Februar 2022

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Die Gelassenheit von Jochen Klösges hätten wir gern. Frisch im Amt, stellte sich der neue Aareal-Chef Anfang Oktober mit Vehemenz hinter den Versuch zweier Finanzinvestoren, den ihm gerade erst anvertrauen Wiesbadener Immobilienfinanzierer zu übernehmen. Und nun, da das Manöver am Freitagabend spektakulär gescheitert ist? Ließ Klösges in der um 19.31 Uhr veröffentlichten Ad-hoc-Mitteilung erklären: “Unsere Aktionäre wollen uns auf unserem Weg der nachhaltigen Wertsteigerung weiter begleiten.”

Mit Verlaub, das klang ein bisschen so, als würde sich der gehörnte Ehemann bei seiner Frau für das ihm entgegengebrachte Vertrauen bedanken.

Zugegeben: Ein anderer Interessent ist nicht aufgetaucht in all den Monaten – weder für die Aareal als Ganzes noch für die Aareon-Tochter. Daher stellt sich auch die Frage, welche Handlungsalternativen überhaupt auf dem Tisch waren. Und: Hätte uns unser Lebensweg (was Journalisten ja durchaus passieren kann …) in die Investor-Relations-Abteilung der Aareal Bank verschlagen, hätten wir das Ganze vermutlich so ähnlich formuliert.

Dies ändert allerdings nichts daran, dass die wohlgesetzten Worte die schnöde Sachlage nur notdürftig übertünchen. Die Sachlage nämlich sieht so aus, dass aus der ganzen Angelegenheit eigentlich nur Verlierer hervorgehen. Und zwar, je nach Lesart, sechs oder gar sieben.

Als da wären …

  1. Siehe oben, Klösges
  2. Advent und Centerbridge, also die beiden Finanzinvestoren hinter dem Übernahmeangebot. Angesichts der Umstände (volle Unterstützung des Managements, angemessen wirkender Aufschlag auf den Börsenkurs, zuletzt auf 60% gesenkte Annahmeschwelle) hatten die beiden Private-Equity durchaus Grund zur Annahme, ihre Offerte würde angenommen werden. Umso bitterer aus ihrer Sicht, dass es anders kam
  3. Die Bank als solche, die nach dem krankheitsbedingten Ausscheiden des langjährigen Vorstandschefs Hermann Merkens zunächst ein gutes dreiviertel Jahr praktisch führungslos war – und unter Nachfolger Klösges jetzt vier Monate einem Übernahmegezerre mit zahllosen Nebengeräuschen ausgesetzt war (siehe etwa hier und hier)
  4. Die Belegschaft, die mehrheitlich darauf gehofft haben dürfte, dass Advent und Centerbridge zum Zuge kommen, das Geschäft ausgeweitet wird – und dass die drohende (und nun, siehe unten) wieder drohende Zerschlagung dadurch verhindert wird
  5. Jene neutralen Aktionäre, die den Bietern ihre Aktien angedient hatten, nun aber statt mit 31 Euro Cash je Anteilsschein auf Aktien sitzen bleiben, die am Freitagabend nachbörslich 8% auf 26,80 Euro einkrachten
  6. Jene neutralen Aktionäre, die, worauf auch immer sie spekuliert haben mögen, den Bietern ihre Aktien nicht andienen wollten – und für die die “26,80 Euro vs. 31 Euro”-Rechnung jetzt genauso gilt

Und was ist mit Teleios und Petrus Advisers? Also den beiden aktivistischen Investoren, die die Übernahme der Aareal Bank wochenlang hintertrieben hatten? Sind das jetzt die großen Gewinner?

Mag für den Moment so aussehen. Gemessen an ihren mutmaßlichen jeweiligen Einstiegskursen dürften die beiden Hedge-Fonds mit ihrem Aareal-Engagement bislang allerdings eher Geld verloren (Teleios) bzw. zumindest nicht viel Geld gewonnen (Petrus) haben. Und schon die Posse um die Besetzung der drei Aufsichtsratsposten neulich hat gezeigt: Teleios und Petrus mögen bei der Aareal Bank zwar inzwischen über eine faktische Sperrminorität verfügen – der Beweis, dass sie die Position produktiv nutzbar machen können, steht allerdings aus. Der Beweis, dass es keinen potenziellen weiteren Aufkäufer gab, der die Aareal für wertvoller als 29 bzw. 31 Euro je Aktie hielt, ist hingegen erbracht.

Und so dürfte die beiden Investoren jetzt wieder jenes Szenario zu forcieren versuchen, das der Vorstand entschieden ablehnt: die Abspaltung der IT-Tochter Aareon, welche angeblich mehr wert sein soll als die eigentliche Bank. Ob aber die Verhandlungsposition für einen solchen Verkauf nun besser ist? Fraglich.

Die Aareal, so viel steht fest, wird auch weiterhin nicht zur Ruhe kommen.

Was Sie zur Übernahme der Aareal Bank wissen müssen

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