Kurz gebloggt

Unser 16-Mio.-Euro-Banker. Und 491 weitere Einkommens-Millionäre

19. August 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Dass im Zuge des Zinstiefs – das zu höheren Kosten für die Altersvorsorge führt – auch viele 0-8-15-Banker mittlerweile auf siebenstellige Gesamtvergütungen kommen, haben wir in der Vergangenheit ja schon diverse Male beleuchtet. Siehe zum Beispiel (das war unsere boulevardeske Phase damals, sorry …) die Artikel -> Wir decken die Millionen-Saläre bei unseren Volksbanken auf oder auch -> Bis zu 2,3 Mrd. Euro: Vergütungen bei Sparkassen explodieren.

Der gestern veröffentlichte “High Earners”-Report der europäischen Bankenbehörde Eba stellt unsere Beobachtungen nun auf eine breite empirische Basis. Demnach summierte sich 2019 bei insgesamt 492 hiesigen Bankmanagern und -managerinnen die Gesamtvergütung auf mindestens 1 Mio. Euro. Im Vergleich zum Vorjahr entsprach dies einer nochmaligen Steigerung von 9% (Wobei zu beachten ist: Wer bei einer deutschen Bank im Ausland angestellt ist, wurde nicht mitgezählt, wohl aber, wer für eine ausländische Bank in Deutschland arbeitet. Ansonsten wäre die Zahl – man denke an Sewings Londoner Elite-Einheit – wesentlich höher ausgefallen). Der bestverdienende Banker hierzulande kam 2019 laut Eba-Report übrigens auf eine Vergütung von mindestens 16 Mio. Euro.

Hier die wichtigsten Fragen und Antworten.

1.) Wer ist der 16 Mio.-Euro-Banker?

Steht nicht drin im “High Earners”-Bericht. Bei Lichte betrachtet, kann es sich aber nur um Garth Ritchie handeln, den früheren Investmentbanking-Vorstand und Vize-Chef der Deutschen Bank. Ritchie hatte die Frankfurter Großbank im Juli 2019 (also das Jahr, auf den sich der gestern veröffentlichte Eba-Report bezieht) verlassen und eine Abfindung in Höhe von 11,2 Mio. Euro erhalten. “Business Insider” hatte schon vor einem Jahr unter Berufung auf den Geschäftsbericht vermeldet, dass sich Ritchies Gesamtvergütung (Abfindung inkl. Entschädigung für Wettbewerbsverbot plus ausbezahlte Altersversorgung) auf gut 16 Mio. Euro belaufen habe.

2.) Welche Multi-Millionen-Vergütungen gab es sonst noch?

Dürfen wir Sie hierzu mit einer ganz simplen Tabelle versorgen? “>1” heißt in dem Fall “zwischen 1 Mio. und 2 Mio. Euro Gesamtvergütung”, “>2” heißt “zwischen 2 Mio. und 3 Mio. Euro Gesamtvergütung” und so weiter …

>1 399
>2 56
>3 17
>4 10
>5 3
>6 3
>7 0
>8 1
>9 0
>10 0
>11 1
>12 1
>13 0
>14 0
>15 0
>16 1
Summe 492

3.) Wer ist bzw. war Deutschlands bestbezahlte BankerIN?

Wenn stimmt, was “Business Insider” letztes Jahr schrieb, dann könnte der “11-Mio.-Euro-Banker” in Wirklichkeit eine Bankerin sein, nämlich Sylvie Matherat, die 2019 ebenfalls ausgeschiedene Compliance-Chefin der Deutschen Bank.

4.) Auf welche Tätigkeiten entfallen die Millionen-Vergütungen?

Hier hält der Eba-Bericht folgendes fest:

Management 298
Investmentbanking 108
Retailbanking 26
Asset Management 31
Corporate-Funktionen 20
Kontroll-Funktionen 4
Sonstige 5
Summe 492

Nun finden wir die (aufsichtliche?) Terminologie zwar nicht sonderlich griffig. Eine Kernaussage lässt sich aus der Liste aber doch ableiten: In hiesigen Banken dürfte es in erster Linie die Vorstände sein, die siebenstellig verdienen. Anderswo ist das anders, da nämlich überwiegen die Investmentbanker, wie der Eba-Report zeigt. Und zwar nicht nur in UK (2.045 Investmentbanking-Millionäre vs. 359 Management-Millionäre), sondern beispielsweise auch in Italien (71 vs. 18) oder Frankreich (138 vs. 20).

5.) Was steht sonst noch Spannendes im “High Earner”-Bericht?

Zum Beispiel das hier: Die Zahl der Einkommens-Millionäre ist vor allem in jenen Ländern stark gestiegen, in denen der überwiegende Teil der Vergütung auf die fixen Bestandteile des Einkommens entfällt. Hier hebt der Report besonders Deutschland hervor, wo auf 10 Euro Fixum im Schnitt gerade mal 6 Euro Bonus kommen. In Großbritannien (klar, Investmentbanking …) sieht das anders aus. Da kommen auf 10 Euro Fixum im Schnitt 15 Euro Bonus.

Hier kommt der 15,4-Mio.-Euro-Mann der Deutschen Bank

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