Exklusiv

Wir decken die Millionen-Saläre bei unseren Volksbanken auf

11. Dezember 2019

Von Heinz-Roger Dohms

Explodierende Zuführungen zur Altersvorsorge lassen die Vergütungen vieler Volksbank-Vorstände in ungeahnte Höhen steigen – das zeigen Recherchen von Finanz-Szene.de. Bislang ging die Öffentlichkeit davon aus, dass im genossenschaftlichen Sektor allenfalls gehobene sechsstellige Saläre gezahlt würden. Unsere Analyse der Offenlegungsberichte von 50 größeren Volksbanken und sonstigen genossenschaftlichen Einzelinstituten* fördert nun jedoch ein frappierend anderes Bild zutage.

Demnach kamen 2018 insgesamt 14 Geno-Manager auf eine Gesamtvergütung in Millionenhöhe. Bei der Volksbank Mittelhessen zum Beispiel lag der Spitzenwert bei 2,0 bis 2,5 Mio. Euro (die exakte Summe wurden nicht ausgewiesen), bei der Frankfurter Volksbank erreichte ein Vorstand sogar 2,5 bis 3 Mio. Euro. Selbst bei einem eher mittelgroßen Institut wie der Wiesbadener Volksbank durchbrach eine Person die Millionenmarke, ebenso bei der Volksbank Dortmund. Und bei der in Paderborn ansässigen Verbund-Volksbank Ostwestfalen-Lippe summierte sich die Gesamtvergütung eines Mitarbeiters sogar auf rund 0,5 Promille der Bilanzsumme. Zur Einordnung: Umgerechnet auf die Deutsche Bank wäre das so, als hätte Christian Sewing im vergangenen Jahr 675 Mio. Euro eingestrichen.

Die meisten Einkommens-Millionäre waren derweil beim größten genossenschaftlichen Einzelinstitut anzutreffen – sprich: bei der Apobank. Dort heimsten gleich sechs Mitarbeiter eine siebenstellige Vergütung ein, wie dem Vergütungsbericht (der bei der Apobank nicht zum Offenlegungsbericht gehört) zu entnehmen ist. Dagegen stießen wir bei  Raiffeisenbanken, Sparda-Banken, PSD-Banken sowie den genossenschaftlichen Kircheninstituten und Ökobanken auf kein einziges  Millionensalär.

Hier die komplette Tabelle:

>1 Mio. >1,5 Mio. >2 Mio. >2,5 Mio.
Apobank xxxx xx
VB Frankfurt xxx x
VB Mittelhessen x
VB Dortmund x
Verbund-VB OWL x
VB Wiesbaden x

Ziemlich überraschende Zahlen, oder? Was für uns aber ebenfalls unerwartet kam: dass die Volksbanken die Zahlen überhaupt veröffentlichen.  Oder anders gesagt: Wir wären gar nicht auf die Idee gekommen, uns die Offenlegungsberichte der Geno-Institute näher anzusehen – hätte uns einer unserer wunderbaren Leser nicht den Tipp gegeben, das doch einfach mal zu tun.

Hier, was wir nicht wussten, im Zuge der Recherche aber gelernt haben:

2017 gab es eine Änderung der Instituts-Vergütungs-Verordnung (InstitutsVergV). Eine der Folgen: Nicht mehr nur die großen Banken, sondern auch die sogenannten „nicht bedeutenden Institute“ müssen jetzt die Vergütungen aller Mitarbeiter aufgeschlüsselt nach Geschäftsbereichen offenlegen. Die Bafin, so wurde uns gesagt, vertrete dabei die vergleichsweise radikale Auffassung, dass auch die Informationen gemäß „Art. 450 Abs. 1 lit. i) der CRR“ der Offenlegungspflicht unterliegen. Ohne es jetzt zu kompliziert machen zu wollen: Besagter Passus (der zur sogenannten „Capital Requirements Regulation“ gehört, daher das Kürzel CRR …) besagt, dass
„Personen, deren Gesamtvergütung sich auf 1 Mio. Euro oder mehr beläuft, anzugeben sind“. Was die Genoinstitute unserem Eindruck nach jetzt tatsächlich alle sehr brav tun.

Fragt sich nur: Hätten die „nicht bedeutenden Institute“ die Gehälter auch vorher schon angeben müssen – wären dann schon früher etwaige Millionen-Vergütungen zu entdecken gewesen? Nicht unbedingt. Denn es gilt drei Aspekte zu berücksichtigen:

Erstens: Die Gesamtvergütung umfasst nicht nur das Gehalt, sondern auch Sachleistungen, geldwerte Vorteile und vor allem (siehe der erste Satz dieses Artikels) die Zuführungen zur Altersversorgung.

Zweitens: Gerade diese Zuführungen dürften in den letzten Jahren dramatisch gestiegen sein – eine Folge der niedrigen Zinsen. Denn, um es jetzt komplizierter auszudrücken, als es eigentlich ist: Um die gleichen (in der Regel üppigen) Pensionszusagen auch dann erfüllen zu können, wenn das zugeführte Geld am Kapitalmarkt kaum noch verzinst wird, müssen die Volksbanken jetzt eben entsprechend sehr viel mehr Geld zuführen.

(siehe hierzu auch unseren Artikel über die mindestens 40 Einkommens-Millionäre bei den deutschen Sparkassen).

Drittens: Die Zuführungen zur Altersvorsorge können, wenn wir es richtig verstehen, gewissen Schwankungen (und also auch Ausreißern nach oben) unterliegen. Das kann mit Effekten zusammenhängen, die sich unmittelbar aus der Pensionierung ergeben – aber auch mit gesetzlich/regulatorischen Vorgaben. Wer sich mit diesem Thema näher beschäftigen möchte, dem empfehlen wir, seine Recherche mit dem Eingeben des Begriffs „Heubeck-Tafeln“ bei Google einzuleiten.

Jedenfalls: Dadurch, dass viele Faktoren in die Gesamtvergütung einfließen, ist interessanterweise nicht unbedingt gesagt, dass der Mitarbeiter mit dem höchsten Gehalt auch der Vorstandschef sein muss. Die Frankfurter Volksbank beispielsweise stellte auf Anfrage klar, dass es sich bei der Person mit den „2,5 bis 3,0 Mio.“ nicht um Vorstandschefin Eva Wunsch-Weber handelt. Und die Volksbank Mittelhessen teilte mit: „Es handelt sich [Anm.: bei der Person mit 2,0 bis 2,5 Mio. Euro Gesamtvergütung] um ein ehemaliges Vorstandsmitglied, welches 2018 in den Ruhestand wechselte. Der Kollege war bis zu seinem Ausscheiden reguläres Vorstandsmitglied. Die Höhe der Vergütung ergibt sich aus einem Einmaleffekt infolge der Pensionierung zzgl. zu bildender Pensionsrückstellungen.“

*Die DZ Bank als genossenschaftliches Spitzeninstitut haben wir ebenso von unserer Betrachtung ausgenommen wie die zugehörigen Verbundinstitute, also etwa die Union Investment oder die DZ Hyp.

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