Verdi droht Commerzbank mit Ablehnung des Strategiepakets

31. Januar 2021

Von Christian Kirchner

Die Commerzbank hat mit ihrer Ad-hoc zu den Strategieplänen (siehe hier) einen Riesen-Zoff mit der Arbeitnehmerseite heraufbeschworen. So äußerte Verdi-Sekretär und Coba-Aufsichtsrat Stefan Wittmann in einem am Wochenende veröffentlichen Interview mit der „Frankfurter Rundschau“ massive Zweifel, ob der Vorstand wirklich gezwungen war, am Donnerstag die entsprechende Ad-Hoc-Mitteilung mit den Eckdaten der Strategie zu veröffentlichen. „Wir glauben, dass das Taktik war“, sagte Wittmann – „mit dem Ziel, den Aufsichtsrat zu einer Zustimmung zu zwingen, da der Aufsichtsrat ansonsten Vorstandschef Manfred Knof schon kurz nach seinem Amtsantritt demontieren würde.“

Wittmann kündigte in dem „FR“-Interview offen an, die Pläne für die neue Strategie in der entscheidenden Aufsichtsratssitzung ablehnen zu wollen. „Ich glaube, dass die Arbeitnehmerbank das Sanierungskonzept nicht akzeptieren kann, weil die personellen Auswirkungen noch völlig unklar sind. Das bedeutet, dass die Umsetzung von der Arbeitgeberseite zwar beschlossen wird, aber von der Hälfte des Aufsichtsrats nicht mitgetragen wird“, so Wittmann.

Die öffentlichen Aussagen kommen einem Affront gleich. Schließlich hatte die Commerzbank monatelang Zeit gehabt, sich mit der Arbeitnehmerseite auf die wesentlichen Ziele, Maßnahmen und das Tempo der Umsetzung zu einigen. So waren Beobachter eigentlich davon ausgegangen, dass das Management die Zustimmung der Arbeitnehmer-Vertreter sicher hat, bevor die Bank am vergangenen Donnerstag per Ad-hoc die wesentlichen Eckpunkte der neuen Strategie veröffentlichte. Aufsichtsrats-Chef Hansjörg Vetter und dem neuen Vorstandschef Manfred Knof drohen nun unruhige Wochen. Zwar können sie die neue Strategie formal durchpeitschen – in der späteren Umsetzung der Pläne werden sie allerdings fast zwingend auf die Kooperation der Arbeitnehmervertreter angewiesen sein.

Eigentlich sollten die Eckpunkte der neuen Strategie erst am 11. Februar der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Nachdem das „Handelsblatt“ am Donnerstag jedoch schon über Details der Pläne berichtet hatte, war die Commerzbank mit der besagten Ad-hoc nach draußen gegangen – wozu sie nach eigenen Angaben rechtlich gezwungen war. Wittmanns Aussagen in der „Frankfurter Rundschau“ lesen sich zwischen den Zeilen fast so, als sollte der Eindruck entstehen, dass das Management die Pläne selbst geleakt hat, um dann mit der Ad-hoc sozusagen Fakten zu schaffen.

Dass die Commerzbank sparen und schrumpfen muss, stellt auch Verdi nicht in Abrede. Man teile das Ziel, dass die Bank für 2024 ausgegeben habe, erklärte Wittmann. Der Personalabbau allerdings müsse über einen längeren Zeitraum (fünf bis sechs Jahre) gestreckt werden. Die Zeitschiene, auf die man sich intern geeinigt habe, sei von der Commerzbank einseitig verändert worden. „Der Schaden ist im Hinblick auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit sehr groß. Wir sind richtig wütend“, so Wittmann in der „FR“.

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