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Volksbank kauft “Ritterbank”. Plus: Weitere SPK-und Geno-News

23. Juni 2022

Von Georgia Hädicke

Hannoversche Volksbank kauft Hypothekenbank mit Ritterwappen

Die Hannoversche Volksbank übernimmt das Ritterschaftliche Kreditinstitut Stade (dessen Existenz wir uns, ehrlich gesagt, bis gestern Vormittag nicht bewusst waren). Wie die Genobank mitteilte, ist der Kaufvertrag für das 1826 gegründete Mini-Institut (Kreditvolumen: 318 Mio. Euro) bereits unterzeichnet, ein Kaufpreis – ob positiv oder negativ – wurde nicht genannt. Für die Hannoversche Volksbank ist es nicht der erste Zukauf außerhalb des Genosektors. So übernahmen die Niedersachsen vor einigen Jahren schon eine Wohnungsverwaltungsgesellschaft sowie den Vermögensverwalter Valexx. Dennoch ist das Übernahmeziel in dem Fall doch etwas unorthodox. Denn beim RKI Stade handelt es sich um eines der letzten zwei verbliebenen ritterschaftlich getragenen Kreditinstitute in der deutschen Bankenlandschaft (im Institutsverzeichnis der Bundesbank findet sich neben dem RKI nur noch der – Achtung! – Calenberg-Göttingen-Grubenhagen Hildesheim’sche ritterschaftliche Kreditverein).

Das Geschäftsmodell der Ritterbanken ist das einer Hypothekenbank. Das RKI Stade vergibt seine Darlehen vor allem für die Land- und Forstwirtschaft sowie für Wohnimmobilien, emittiert Pfandbriefe und agiert zudem mit einer Art Förderauftrag. Zuletzt kam es eher marode daher. Laut dem 2021er-Geschäftsbericht lag das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit bei knapp 20.000 Euro bei einer Bilanzsumme von 335 Mio. Euro und einem Zinsüberschuss von 2,6 Mio. Euro. Die Cost-Income-Ratio betrug 102,8%.

Deshalb brauchte das Ritterschaftliche Kreditinstitut “zur Sicherung seines Geschäftsmodells und zur Wiederherstellung einer langfristigen Ertragskraft eine spürbare Kapitalerhöhung”, wie es im Geschäftsbericht heißt.  Und da man in Ritterkreisen ausweislich der Instituts-Website kein Fan von Finanzinvestoren ist (“Das RKI Stade wird keine Darlehen an Finanzinvestoren verkaufen. Es ist uns eine Ehre, uns daran zu halten.”), bot sich offenbar die Hannoversche Volksbank als Käufer an. Damit diese die entsprechenden Anteile erwerben konnte, änderte das RKI Anfang des Jahres schon seine Rechtsform von öffentlich-rechtlich zu einer AG. Aus Hannover hieß es gestern, das RKI Stade sei “eine Bank mit langer Tradition als regionale Selbsthilfeorganisation analog unserer genossenschaftlichen Wurzeln”, man passe daher sehr gut zusammen.


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