Rückblick, Teil II

Von ING bis Coba: Das ist in den letzten vier Wochen passiert

18. August 2020

Von Christian Kirchner

Nach unserem gestrigen Sommerpausen-Rückblick zu Fintech, Digital Banking und Payments legen wir heute noch unsere Zusammenfassung zu den klassischen Banking-Themen nach. Voilà:

Bei der Deutschen Bank hat (wie schon im Q1) das Investmentbanking das Quartal gerettet: 956 Mio. Euro Gewinn vor Steuern sorgten dafür, dass die Gesamtbank operativ über der Nulllinie blieb (+0,2 Mrd. Euro vor Steuern). Allerdings entfernt sich die Deutsche Bank damit von dem Ziel, langfristig den größten Teil der Gewinne in defensiven Sparten – also Private Bank, Corporate Bank und Asset Management – zu erwirtschaften. Die nämlich waren kumuliert „rot“. Ewig werden es die Investmentbanker ohnehin nicht herausreißen, zumal in der Privatkundenbank nach kurzem Flackern im Q1 die Ertragsverluste (Q2: -8% zum Vorquartal, -5% zum Vorjahresquartal) weitergehen. Immerhin: Kostenseitig (- 6% in der „Kernbank“ vs. Vorquartal) kommt das Institut voran. Die Aktie? Steht mit 7,90 Euro ungefähr da, vor sie vor unserer Sommerpause auch schon stand. Quartalsbericht 

Die Commerzbank hat mit ihren Q2-Zahlen auch offiziell verkündet, was Analysten ohnehin erwartet hatten – dass 2020 nämlich mit einem Verlust enden wird. Hintergrund: Die erhöhte Risikovorsorge (neue Prognose fürs Gesamtjahr: 1,3 Mrd. bis 1,5 Mrd. Euro nach zuvor 1,0 Mrd. bis 1,4 Mrd. Euro) frisst auf, was operativ (Q2: 205 Mio. Euro) verdient wird. Einen Wirkungstreffer musste die Commerzbank dabei in der Causa Wirecard hinnehmen: 175 Mio. Euro Abschreibung wegen des unglückseligen Konsortialkredits für die Pleite-Firma. Immerhin: Mit den Q2-Zahlen schlug die Bank die Erwartungen – und hat zwar noch keinen neuen Vorstandschef, aber immerhin einen neuen Aufsichtsratschef: Ex-LBBW-Chef Hans-Jörg Vetter hat übernommen. (Q2-Ergebnis, Vetter-Mitteilung)

Der deutschen ING hat die Mitgliedschaft im Wirecard-Konsortium ebenfalls das Quartal verhagelt: 219 Mio. Euro zusätzliche Risikovorsorge musste die deutsche Firmenkundensparte laut Q2-Zahlen der Mutter ING Groep im abgelaufenen Quartal zurücklegen. Das sorgte dafür, dass die Gesamtsparte inklusive Retail-Banking im Q2 „nur“ 150 Mio. Euro vor Steuern verdiente, ein Minus von 57% zum Vorjahreszeitraum. So verpuffte, dass die Bank im Provisionsgeschäft mit Privatkunden weiter Fortschritte macht (+53% vs. Q2 / 2019 auf 118 Mio. Euro) und das Zinsergebnis (534 Mio. Euro) verteidigen konnte, während die Kosten (-2%) sogar leicht gesunken sind. Die Risikovorsorge im Privatkundengeschäft fällt trotz großem Immo-Kreditbuch (77,5 Mrd. Euro) in den Bereich „Kaum messbar“, hier fielen im Q2 weitere 8 Mio. an. Ergebnisse

Kurz-Rückblicke

Die EZB hat ihre dringende Empfehlung an Europas Banken, auf Dividenden und Ausschüttungen zu verzichten, bis mindestens zum Jahresende 2020 verlängert (HB/Paywall) +++ Die MM-Warburg-Eigner stellen die Degussa-Bank zum Verkauf (HB/Paywall) +++ Der Bankenverband hatte unerwünschten Besuch von Ermittlern in Sachen Cum-Ex-Affäre – und mit Hans-Walter Peters einen neuen Präsidenten, der den Posten schon einmal innehatte (Cum-Ex-Durchsuchung, Personalie) +++ Wobei Peter den Job nur interimistisch einnahmen sollen – bis im nächsten Jahr dann Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing übernehmen könnte, obwohl der doch eigentlich partout nicht wollte. (FAZ, HB/Paywall) +++ Die Comdirect hat im ersten Halbjahr 146 Mio. Euro vor Steuern verdient und damit (vor allem dank reger Handelsaktivitäten der Kunden) knapp fünfmal so viel wie im gleichen Vorjahreszeitraum (Mitteilung) +++ Die Baader Bank hat den Turnaround geschafft und im ersten Halbjahr rund 24 Mio. Euro vor Steuern verdient (Mitteilung) +++ Die Südwestbank wird zur Niederlassung der österreichischen Bawag-Bank und gibt ihre Banklizenz zurück (Private Banking Magazine) +++ Die Aareal Bank hat im Q2 ein knapp positives Ergebnis erwirtschaftet (5 Mio. Euro) und rechnet auch im Gesamtjahr mit operativ schwarzen Zahlen (dpa) +++ Zudem hat die Aareal 30% an ihrer IT-Tochter Aareon an den Finanzinvestor Advent veräußert (DGAP) +++Die niederländische Großbank ABN Amro steigt komplett aus dem Wertpapier- und Rohstoffhandel aus (Reuters) +++ Die Helaba schließt nach einem Verlust von 185 Mio. Euro im ersten Halbjahr rote Zahlen für das Gesamtjahr nicht länger aus (Mitteilung)

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