Kurz gebloggt

War’s das Depot A? Genos lassen 12-Mrd.-Euro-Fusion platzen

18. April 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Dass zwei Volksbanken verschmelzen wollen und es dann doch nicht tun, hat es zu allen Zeiten gegeben (siehe in unserem Archiv u.a. den Artikel -> Wie viele Volksbanken fusionieren wirklich? Und welche?). Manchmal genügt es ja schon, dass die beiden Vorstandschefs während der Sondierungsgespräche merken, dass sie einander nicht riechen können. Oder dass sich auf einer Seite das Gefühl breitmacht, die andere wolle sie so ein bisschen übers Ohr hauen. Insofern: Dass nach dem gescheiterten Zusammenschluss von Sindelfingen/Böblingen und Leonberg-Strohgäu (aggregierte Bilanzsumme: 6,8 Mrd. Euro) vor zwei Wochen nun auch die geplante Fusion von Villingen-Schwenningen und Rhein-Wehra (aggregierte Bilanzsumme: 12,4 Mrd. Euro) geplatzt ist, muss nichts heißen. Einerseits.

Andererseits: Zwei gescheiterte Groß-Fusionen innerhalb einer Bankengruppe innerhalb einer Region (Baden-Württemberg) innerhalb von 14 Tagen jeweils nur wenige Wochen, nachdem die jeweiligen Fusionsvorhaben annonciert worden waren – das fordert zu Mutmaßungen dann doch heraus. Zumal a) Villingen-Schwenningen und Rhein-Wehra zusammen zur sechsgrößten deutsche Genobank aufgestiegen wären, größer als beispielsweise die Sparda West. Und zumal b) auf der Zeitachse genau zwischen den beiden Ankündigungen und den beiden Absagen die Sache mit dem Landgericht Nürnberg liegt, siehe -> Das Volksbank-Beben: Gericht stellt Procedere bei Geno-Fusionen infrage – wiewohl es jenseits der zeitlichen Koinzidenz bislang keinerlei Hinweise gibt, wonach das eine mit dem anderen was zu tun hat.

Wer spekulieren will (und das wollen wir ja eigentlich immer), dem bleibt einstweilen, sich die offiziellen Begründungen für die Absagen zu Gemüte zu führen. Hierbeigilt: Zwar wurde auch schon im Sindelfinger Fall, genau wie jetzt in Villingen, auf die Ereignisse in Osteuropa verwiesen, Allerdings werden die Villinger dabei sehr viel konkreter und verweisen unter anderem auf “Unsicherheiten” im “Eigenanlage-Geschäft”, die sich durch die “geopolitische Situation” ergeben hätten. Was damit genau gemeint ist? Auch das bleibt Spekulation. Bei Lektüre des 2020er-Abschluss der Volksbank Rhein-Wehra (also jener Volksbank, die mit den Villingern nun nicht verschmilzt) jedoch fällt immerhin so viel auf:

  1. Die Wertpapierbestände beliefen sich per Ende 2020 auf insgesamt 439,9 Mio. Euro, was einem Drittel der Bilanzsumme entsprach
  2. Das operative Ergebnis nach Bewertung (5,2 Mio. Euro) speiste sich quasi komplett aus den entsprechenden Wertpapiererträgen in Höhe von 6,1 Mio. Euro
  3. Zugleich überstieg (wir reden hier vom Corona-Jahr) der aus dem Wertpapierbestand resultierende Bewertungsaufwand u.a. infolge “bonitätsbedingter” Abschläge den Planwert um das Sechsfache, auch wenn sich der Betrag in absoluten Zahlen nicht dramatisch liest (1,455 Mio. Euro)
  4. Der “DEVIF Spezialfonds Nr. 458”, der einen beträchtlichen Teil der Eigenanlagen ausmacht, wurde “auf Grund seiner strategischen Ausrichtung” aus der Liquiditätsreserve ins Anlagevermögen überführt (wobei wir als Nicht-Wirtschaftsprüfer nicht einschätzen können, wie ungewöhnlich so ein Vorgang ist)

Nun seit unterstrichen, dass uns durchaus schon Primärinstitute untergekommen sind, die im Depot-A-Geschäft ein noch deutlich größeres Rad drehen. Gleichwohl: Der Fall Rhein-Wehra zeigt, dass auch die Aktivseite baden-württembergischer Volksbanken nicht zwingend nur aus Krediten an Häusle- und Maschinenbauer besteht.

Das Volksbank-Beben: Gericht stellt Procedere bei Geno-Fusionen infrage

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