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Warum der Sparkassen-Chef Lindermann rausflog. Und eine Geno-Fusion.

Warum die Sparkasse Schwelm-Sprockhövel ihren Chef rauskickte

Dass die Sparkasse Schwelm-Sprockhövel sich mit ihrem Anfang des Jahres geschassten Ex-Vorstandschef Michael Lindermann über dessen Rauswurf nun vor Gericht streitet, hatten wir Ihnen neulich schon kurz erzählt (siehe hier). Diese Woche fand nun der erste Gütetermin zwischen den beiden Parteien vorm Hagener Landgericht statt – und der gibt ein paar seltene Einblicke in das, was passiert, wenn sich ein öffentlich-rechtliches Institut von seinem Führungspersonal trennt.

Die Vorgeschichte: Das westfälische Kommunalinstitut und sein Vorstandschef hatten sich augenscheinlich dermaßen überworfen, dass Lindermann nicht nur gekündigt wurde – sondern dies sogar fristlos. Wogegen der dann Klage einreichte. Von außen betrachtet waren die Gründe für seinen Rausschmiss zunächst nicht erkennbar. Im Gegenteil: Lindermann war gerade erst vom Vorstandschef der Städtischen Sparkasse zu Schwelm zum Chef der im August 2021 fusionierten Sparkasse Schwelm-Sprockhövel (Bilanzsumme 1,5 Mrd. Euro) avanciert. Eine Musterkarriere unterm roten “S”.

Durch den Gerichtstermin sind die Gründe nun aber öffentlich und dank der “Westfalenpost” (Paywall) dokumentiert: Zum einen geht es um Lindermanns angeblich teils fragwürdige Spesenabrechnungen (konkret um einen privat genutzten Laptop, eine private Fahrt mit dem Dienstwagen und ein nicht korrekt abgerechnetes Dienstabendessen). Zum anderen wirft der Verwaltungsrat dem früheren Vorstandschef vor, drei Kredite auf illegale Weise vergeben und dabei den eigenen Risikoausschuss getäuscht zu haben. Der dritte Vorwurf: Laut “Westfalenpost” soll sich Lindermann “extrem herrisch und aufbrausend” gegenüber den Beschäftigten benommen haben – wobei falsche Spesenrechnungen und illegale Kreditvergabe juristisch eindeutiger zu ahnden wären als der Umstand, dass jemand vielleicht kein freundlicher Vorzeigechef gewesen ist.

Trivial sind die Vorwürfe alle drei nicht, geht es doch auch darum, welche Ansprüche auf Abfindung und Pension Lindermann an die Sparkasse stellen kann. Laut Geschäftsbericht 2021 erhielt der demissionierte Vorstandschef im vergangenen Jahr eine Gesamtvergütung von 347.000 Euro, hinzu kamen Pensionsrückstellungen über 362.000 Euro. Der Barwert seiner Pensionsansprüche belief sich Ende 2021 auf rund 3,7 Mio. Euro. Im Falle einer Nichtverlängerung des Dienstvertrages hat Lindermann “Anspruch auf Zahlung eines Übergangsgeldes bis zum Eintritt des Versorgungsfalls, sofern die Nichtverlängerung nicht von [ihm] zu vertreten ist”, heißt es im Geschäftsbericht ebenfalls.

Bei dem juristischen Streit geht es (neben der Rechtmäßigkeit der fristlosen Kündigung) vor allem um das Übergangsgeld: Die Sparkasse hatte ihm einmalig 200.000 Euro als Abfindung geboten, Lindermann will laut “WP” das volle Übergangsgeld, in Summe rund 1,3 Mio. Euro – angeblich auch deshalb, weil sich die Jobsuche seit seinem Rauswurf schwierig gestaltet. Eine Einigung gibt es bislang noch nicht. Lindermann und die Sparkasse Schwelm-Sprockhövel können nach dem Gerichtstermin nun bis Mitte Oktober miteinander verhandeln.

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Und noch eine News aus den Verbünden:

  • Die nächste Geno-Fusion, diesmal im Nordwesten: Die Volksbank Delmenhorst Schierbrok (Bilanzsumme: 0,5 Mrd. Euro) und die VR Bank Oldenburg Land (Bilanzsumme 1,2 Mrd. Euro) haben angekündigt, sich im kommenden Jahr zur künftigen “Volksbank Oldenburg Land-Delmenhorst” zusammenschließen zu wollen. Trotz der geringen Größe sind es profitabilitäts-technisch übrigens keine Leichtgewichte, die sich da zusammentun: Die Oldenburger kamen 2020 auf ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 1,03% der durchschnittlichen Bilanzsumme, die Delmenhorster erreichten 2021 sogar einen Wert von 1,11%. Da darf sich die breitbeinige regionale Konkurrenz (sprich: die Oldenburgische Landesbank sowie die Landessparkasse zu Oldenburg) auf was gefasst machen …

Finanz-Szene geht ab Oktober hinter die Paywall ...

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