Kurz gebloggt

Warum die Metzler-Zahlen gar nicht soooo witzig sind

26. Mai 2020

Von Christian Kirchner

Mit dem Ergebnis des Bankhauses Metzler ist es ja so eine Sache. Was ganz unten steht, ist alljährlich so interessant wie ein Telefonbuch, denn beim Bilanzgewinn stehen immer 2,3 Mio. Euro. Alles darüber hinaus wandert in die Rücklagen. Das findet die Bank selbst auch schon so amüsant, dass sie aus Anlass des gestern vorgestellten Zahlenwerks für 2019 einen entsprechenden Cartoon in Auftrag gegeben hat.

Nicht ganz so amüsant wieder der Bilanzgewinn, dafür aber um einiges interessanter ist das „Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit“. Das hat sich nämlich halbiert. Und zwar von 8 Mio Euro im Vorjahr auf 4 Mio. Euro in 2019. Und wer es ein bisschen mit Zahlenreihen hat wie wir, der stellt fest, dass es 2017 sogar noch 17 Mio. Euro waren und 2016 sogar noch 31 Mio. Euro. Mithin also grob eine Halbierung Jahr für Jahr, und das vier Jahre in Serie.

Nun ist Metzler so ziemlich die letzte Privatbank, um die man sich Sorgen machen müsste. Es gibt keine Bilanztricks, die Eigenkapitalquote steigt, es gibt kaum riskante Aktiva, dafür fette Rücklagen (siehe unsere große Analyse aus dem letzten Herbst) – die Bank ist ein bilanzieller Musterknabe, verglichen mit vielen anderen Privatbanken, die sich seit Jahren nur noch mit allerlei Tricks über die schwarze Null hieven. Folglich sind auch die Änderungen des operativen Gewinns eher Rundungsfehler im großen Gesamtbild.

Und doch ist es erstaunlich, dass in einem stark aktienorientierten Haus mit hoher Abhängigkeit vom Provisionsgeschäft (in dem 99% der Erträge anfallen) ebenjenes Provisionsergebnis gesunken ist. Und zwar von 196 Mio. Euro (2018) auf 191 Mio. Euro (2019). Und das, obwohl 2019 ein bockstarkes Börsenjahr sowohl am Kapitalmarkt (Dax +25%) war – was gut für das Geschäft ist und auch für die Höhe der meist provisionstragenden Assets der Kunden, die alleine bei Metzler 2019 um 12 Mrd. Euro auf einen Rekord von 86 Mrd. Euro stiegen.

Wie das sein kann?

Dafür gibt Metzler eine Reihe von Gründen an. Das Geschäft im klassi­schen Aktienbrokerage sei von“ anhalten­dem Margendruck geprägt“, heißt es in der Mitteilung. Im Geschäftsbericht ist zudem die Rede davon, dass die Erträge aus „Neuemissionen, Kapitalerhöhungen und Platzierungen marktbedingt unter denen des Vorjahres“ gelegen hätten. Auch der Bereich für Anleihenplatzierungen habe sich „weniger zufriedenstellend“ entwickelt. Das verfehlte Kostenziel wird indirekt mit „Aufwendungen zur Umsetzung regulatorischer Anforderungen sowie Kosten für Markt- und Indexdaten sowie externes Research“ begründet.

Ein Blick auf die wesentlichen Zahlen im Überblick:

in Mio € 2015 2016 2017 2018 2019 ’19 vs ’18 
Bilanzsumme 3.922 3.710 3.922 3.863 3.605 – 7%
Zinsüberschuss * 14 11 5 3 3 0
Provisionsüberschuss 183 176 193 196 191 – 3%
Verwaltungskosten 154 160 175 180 182 + 1%
Mitarbeiter 782 800 855 850 850 0
Total Assets (Mrd. €) 64 74 76 74 82 + 11%
operativer Gewinn 14 31 17 8 4 – 50%
Jahresüberschuss 2 2 2 2 2 0

* ohne lfd. Erträge, Quelle: Jahresberichte 

Nun drängt sich eine Frage auf: Wenn schon das an sich starke Jahr 2019 mit steigenden Assets zu einem Rückgang des Provisionsüberschüssen führte – was bringt dann das laufende Jahr, wo in Sachen Aktienplatzierungen bislang so gut wie gar nichts läuft und die verwalteten Assets basisbedingt eher sinken?

Da lohnt es sich dann doch, eine unabhängige Privatbank zu sein und sich jeder Aussage zu enthalten. Denn der Ausblick besteht im wesentlichen aus folgendem Satz: „Auch wenn Covid19 zweifellos den Geschäftsverlauf beeinflussen wird – wie stark und wie lange, ist derzeit nicht seriös einzuschätzen – sind wir zuversichtlich, unser Geschäft langfristig erfolgreich betreiben zu können.“

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