Kurz gebloggt

Warum heuert die Deutsche Bank jede Woche 45 Investmentbanker?

3. November 2020

Von Christian Kirchner

Eigentlich lautete der Deal doch (zumindest hatten wir ihn so verstanden): Die Investmentbanker reißen’s zwar dieses Jahr nochmal raus bei der Deutschen Bank – was aber nichts daran ändert, dass ihre Bedeutung auf mittlere Sicht weiter sinken wird. Denn die strategische Zielvorgabe lautet ja unverändert: 2022 (wenn der Radikalumbau des größten deutschen Geldinstituts abgeschlossen sein wird) sollen zwei Drittel der Erträge aus den „defensiven“ Sparten kommen und nur noch ein Drittel aus dem Investmentbanking. War doch so, oder?

Bloß: Warum hat die Deutsche Bank dann von Juli bis September im Wochenschnitt netto rund 45 neue Stellen im Investmentbanking geschaffen, wie Finanz-Szene.de errechnet hat? Oder anders gesagt: Warum hat sie in nur drei Monaten vereinfacht gesagt 56% der Stellen, die sie in den 15 Monaten zuvor per saldo abgebaut hatte, wieder aufgebaut? Mmmhhh.

Nun muss man das Ganze in Perspektive setzen. Denn vor zwei Jahren gehörten noch vier von zehn Deutsche-Bank-Mitarbeitern dem Investmentbanking an; heutzutage sind es (trotz des jüngsten Jobaufbaus) nun noch zwei von zehn. Bekanntlich hat das größte Geldinstitut der Republik ja ganze Abteilungen geschlossen/verkauft (wie etwa das US-Aktiengeschäft) oder in andere Einheiten geschoben (wie das Transaction Banking, das mittlerweile zur Unternehmensbank gehört). Vorstandschef Christian Sewing brachte es im Analysten-Call aus Anlass der Q3-Zahlen vergangene Woche wie folgt auf den Punkt: „The main reductions have been done in 2019“.

Mit anderen Worten: Groß rausschmeißen braucht die Deutsche Bank (anders, als in anderen Sparten) im Investmentbanking nicht mehr. Aber muss sie deshalb jetzt schon wieder mit dem Einstellen beginnen?

Sinnig wär’s ja irgendwie. Zwar nicht unter der (siehe oben) im vergangenen Jahr in Bezug auf 2022 ausgegebenen „Ein Drittel, zwei Drittel“-Perspektive. Wohl aber aus dem Hier und Jetzt heraus. Denn, nur kurz zur Erinnerung: 957 Mio. Euro Gewinn haben die Investmentbanker von Juli bis September erwirtschaftet. Bezogen auf die Kernbank bedeutete dies: Von vier verdienten Euros kamen drei von ihnen. Und auf 9-Monats-Sicht sogar vier von fünf:

Liegt’s da nicht auf der Hand, dass die Deutsche Bank (2022 hin oder her) im Investmentbanking jetzt einfach wieder Gas gibt? Auch wenn sie das nicht laut sagen kann, weil das vielleicht ein bisschen opportunistisch rüberkäme?

Wobei, leise sagt sie’s ja doch. Denn im englischsprachigen Q3-Bericht, ein bisschen versteckt auf Seite 25, ist in Bezug auf das Investmentbanking doch tatsächlich von „Selective hiring“ die Rede. Ist das der Beweis für die „Gas-geb-These“?

Nein!!!

Die Einstellungen, so Finanzchef James von Moltke im Analysen-Call letzte Woche, seien in Bereichen wie „Anti-Financial Crime“ oder „Know Your Customer“ vorgenommen worden. Also keine Händler und schon gar keine Zocker. Sondern brave Back-Office-Kräfte. Wobei die Deutsche Bank auf explizite Nachfrage von Finanz-Szene.de gestern dann doch einräumte, dass sich zumindest das „Selective hiring“ wesentlich aufs Front-Office bezogen habe. Allerdings: Für das Netto-Wachstum zeichneten nicht diese „selektiven“ Zugänge verantwortlich – sondern dass komme tatsächlich aus dem Back-Office. Von einer „höheren Allokation von Infrastruktur-Mitarbeitern“ ist die Rede. Und von einer „Internalisierung von vorher externen Mitarbeitern; vor allem in der IT und bei KYC (die dann natürlich entsprechend auf die Bereiche weitergeschlüsselt werden).“

Soll man das glauben? Eine genauere Aufschlüsselung liefert die Deutsche Bank leider nicht.

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