Sponsored Blog

Was der Trump-Effekt für die deutsche Bankenlandschaft bedeutet

Der Wechsel im Weißen Haus hat mit überraschender Radikalität auch in Deutschland alte Gewissheiten infrage gestellt. Neue Zölle erfassen Handelsbeziehungen, das transatlantische Verteidigungsbündnis wackelt. Und Berlin schnürt aus dem Nichts ein riesiges staatliches Investitionspaket. Hunderte Milliarden Euro Staatsgeld sollen fließen für Rüstung einerseits, Infrastruktur andererseits. Plötzlich scheint alles möglich, in Windeseile.

Doch was bedeuten diese politischen Umwälzungen für die Bankenlandschaft? „Volatilität ist spitze“, lautet ein fast sarkastischer Branchenspruch. Schließlich seien Banken gerade in unsicheren Zeiten gefragt, um Risiken zu managen. Doch im Ernst: Sind die deutschen Banken in Wahrheit nicht gerade viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und laufen den Trends hinterher, statt sie zu setzen?

Tatsächlich zeigen die Berechnungen unseres aktuellen Bankenreports: Die neuerliche Zeitenwende erwischte viele Kreditinstitute auf dem falschen Fuß. Schon vor der Trump-Wiederkehr stand fest, dass 2025 im deutschen Bankensektor stärkerer Gegenwind herrschen wird. Auch mangels Kostendisziplin und Kapitaleffizienz sinkt die Eigenkapitalrendite, die Risikovorsorge droht in diesem Jahr deutlich zu steigen und damit einen Teil der dank Zinswende gewonnenen Profitabilität aufzufressen.

Investieren, wenn es weh tut

Und doch: Genau in dieser herausfordernden Lage müssen die Banken ihre Transformation vorantreiben und sich den Zukunftsbranchen zuwenden. Denn die absehbaren Strukturverschiebungen haben noch viel größere Sprengkraft – für alle, die sich nicht wappnen. Ein Teil der industriellen Basis in Deutschland wird (weiter) schrumpfen oder zunehmend ins Ausland abwandern.

Doch es gibt auch Chancen, die Rückenwind versprechen – und dank Lockerung der Schuldenbremse sogar viel schneller als gedacht. Laut aktuellem Report lassen sich Mehrerträge von bis zu 20 Mrd. Euro jährlich generieren, sofern es Banken gelingt, den Investitionsbedarf in Infrastruktur, Sicherheit und Zukunftsbranchen hierzulande adäquat zu begleiten. Hier spielen nun der Trump-Effekt und Deutschlands Replik eine Rolle: als Verstärker und Beschleuniger.

Erstens kreiert das Sondervermögen einen Zinsanstieg am langen Ende – für die Zinsmarge von Banken wirkt dies unmittelbar positiv. Zweitens bekommen viele Branchen mittelfristig einen spürbaren Nachfrageschub. Für Banken sinken so die Ausfallrisiken. Vom massiven Investitionspaket profitieren nicht nur Firmen, die Brücken bauen und Schienen verlegen. Auch Automobilzulieferer mit fahrzeugübergreifenden Kompetenzen werden durch die Verteidigungsausgaben einen Schub spüren.

Mut zur Führungsrolle bei anstehenden Investitionen

Das Paket eröffnet Chancen, die es vor Kurzem noch nicht gab. Und auch wenn Investitionen in den Umbau der Energieinfrastruktur aktuell nicht im Vordergrund zu stehen scheinen: Die CO2-Vorgaben der EU bleiben zu Recht streng, der Klimawandel stoppt nicht und die Transition muss weiter gestemmt werden. Insofern bleibt auch bei der Energiewende der Investitionsbedarf massiv und Banken müssen sich bei der Orchestrierung dieser Finanzierungen eine Führungsrolle zutrauen.

Wenn Banken vom jetzt beschleunigten Umbau der Wirtschaft profitieren wollen, braucht es ein mutiges Umdenken. Dabei gilt es, Berührungsängste abzubauen. Die Kernfrage: Wer bündelt die immensen Finanzierungsbedarfe? Die Volumina sind so groß und teilweise langfristig angelegt, dass nur Konsortien oder der Kapitalmarkt sie stemmen können – zum Beispiel über alternative Fonds oder institutionelle Investoren. Echte Transformationsbanken, deren Leitbild die Unterstützung der Transformation von Wirtschaft und Infrastruktur ist, können sich hier als Kapitaldrehscheiben profilieren.

Klar ist: Angesichts der Aufgaben reichen klassische Bankfinanzierungen allein nicht aus. Die Volumina werden schlicht nicht aufzubringen sein, wenn wir nicht kreativ Geldquellen erschließen und andere Investoren aktivieren. Es sollte Aufgabe der Banken sein, die Transformationsvorhaben auch für breitere Kreise investierbar zu machen und zum Beispiel den großen Topf an Privatkundengeldern stärker einzubeziehen, gerade im Kontext des höheren privaten Altersvorsorgebedarfs mit langfristiger Anlageperspektive. Damit können sie auch wieder ihren Anteil an der Wertschöpfung erhöhen und sich als wirklicher Orchestrator positionieren.

Mehr Europa und mehr Kapitalmarkt wagen

Einen wichtigen Rahmen wird die EU mittelfristig im Kontext der Kapitalmarkt- und der Spar- und Investitionsunion setzen. Diese Initiative könnte viele der Ineffizienzen des Binnenmarkts aus Kapitalmarkt- und Bankensicht beheben. Dieser Rahmen muss aber durch die Banken mit Leben gefüllt und genutzt sowie durch die regulatorischen Rahmenbedingungen unterstützt werden.

Regionalbanken oder Spezialinstituten wird in diesem Umfeld – dank guter Kenntnis der spezifischen Branchen oder lokalen Gegebenheiten und Bedürfnisse – eine wichtige Rolle zufallen. Der Bedarf an größeren Finanzierungsvolumina wird über höhere Anforderungen an Kapitalsteuerung, Investorenzugang und Skalierung den anhaltenden Konsolidierungstrend weiter beschleunigen. Aus lokalen Banken können sich zum Beispiel regionale Banken entlang von Wirtschaftszentren entfalten, die kleine wie größere Unternehmen betreuen können. (Pan-europäische) große Universalbanken wiederum haben die notwendige Größe und den Investorenzugang, um einen großen Anteil am zukünftigen Geschäft zu bekommen, müssen aber ihre Kapitaleffizienz steuern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die seit der Finanzkrise 2008 mit großem Misstrauen betrachteten „Originate to distribute“-Geschäftsmodelle sind – unter Berücksichtigung der Erfahrungen – neu zu bewerten, um die Agilität des Bankensektors und das Finanzierungs-Ökosystem zu unterstützen. Gibt es mehr Bereitschaft am Markt, Kapitalmarktinstrumente zu nutzen, dann ist das nicht nur aus Bankensicht zu begrüßen. Wenn Kapital effizient eingesetzt wird und damit Investitionen ermöglicht werden, ist das gut für Deutschland und für Europa.

Nicht nur auf dem sicherheitspolitischen Feld sollten uns die aus Washington gesendeten Signale zum Handeln veranlassen. Auch im Finanzsektor brauchen wir neuen Zusammenhalt in Europa und eine Besinnung auf eigene Kapazitäten. Wir Europäer sitzen alle im gleichen Boot.

––––––––––––––––––––

*Dies ist ein gesponserter Beitrag der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Dr. René Fischer, Alexander Peitsch, Stefan Schwengler und Philipp Bulis sind dort Partner in der Financial Services Practice. Den „Bankenreport 2025“ von Oliver Wyman gibt es hier zum Download

Rechtehinweis

Die Artikel von Finanz-Szene sind urheberrechtlich geschützt und nur für den jeweiligen Premium-Abonnenten persönlich bestimmt. Die Weitergabe – auch an Kollegen – ist nicht gestattet. Wie Sie Inhalte rechtssicher teilen können (z.B. via Pressespiegel), erfahren Sie hier.

Danke für Ihr Verständnis. Durch Ihr Abonnement sichern Sie ein Stück Journalismus!

To top