von Christian Kirchner und Heinz-Roger Dohms, 25. Juni 2024
Na super – da haben wir am Montag in unserem Newsletter nicht weniger als 11 (!) verschiedene Themen teils ausgesprochen ausführlich behandelt (von oben: Castellbank, Scalable, Deutsche Bank, ABN Amro, DZ Bank, Trade Republic, HSBC Deutschland, Helaba, Fraspa, Tarifgespräche, Sparkasse Bremen), doch was steht in den Leserbriefen? Nein, nicht etwa: „Toll, wie fleißig Ihr dieses Wochenende wart. Habt Ihr gar keine EM geguckt?“ Sondern: Bei der Meldung über den Umzug der Frankfurter Sparkasse hätten wir „die eigentliche News“ nicht richtig erfasst. Oder, wie es ein anderer Leser formuliert: Die Fraspa-Nachricht sei ja doch eher „unscheinbar“ dahergekommen. Wohlgemerkt: nicht falsch. Sondern: unscheinbar. Was kommt als Nächstes? Die Aufforderung zu einer Gegendarstellung bei einem lieblos gesetzten Semikolon?
Wobei, leugnen bringt nichts – die Leserbrief-Schreiber (Leserbrief-Schreiberinnen sind übrigens eine seltene Spezies) haben natürlich recht mit ihrer Kritik!!! Denn in der Tat will die Frankfurter Sparkasse ja nicht nur lapidar eine neue Zentrale beziehen, wie wir so unscheinbar vermeldet hatten am Montag. Sondern: Ein veritables Häuschen-Wechsel-Dich-Spiel ist da im Gange, wenn die Fraspa nun an die Hauptwache 1 zieht, dabei ihr Old-School-Headquarter an der Neuen Mainzer Straße 47-55 aufgibt – und dadurch im Wortsinne den Boden bereitet für einen (Schauspielhaus) oder sogar zwei Neubauten (Schauspielhaus + Hochhaus) an ebendieser Stelle. Stadtentwicklungstechnisch betrachtet klingt das ziemlich knorke, würden wir sagen. Zumal es sich bei der „Hauptwache 1“ ja um eine potenzielle Benko-Ruine handelt, aus der stattdessen jetzt eine Sparkassen-Zentrale wird (was in jedem Fall besser ist als das gegenwärtige Bauzaun-Ensemble).
Indes: Während die einen nun sagen, dass das doch eine wunderbare Lösung sei (und in diesem Kontext den Immer-noch-ziemlich-frisch-OB Mike Josef loben, unter dem sich die Beziehungen zwischen Stadt und Finanz-Community markant verbessert hätten), vermuten andere eine potenzielle Kungelei, wie sollte es anders auch sein, wenn ein öffentlicher Player (Stadt), drei mindestens mal halböffentliche Player (Fraspa, Helaba, Schauspielhaus), zwei Grundstücke und ein Benko-Bau aufeinandertreffen.
Argumentiert wird beispielsweise: Der Hauptwache-Bau mit seinen ursprünglich vorgesehenen Einzelhandelsflächen sei doch gar nicht konzipiert für die speziellen Anforderungen einer Bank bzw. Sparkasse (Schließfächer, Sicherheitsbereiche, Geldautomaten, Kasse etc ….). Das Gegenargument lautet: Was Besseres als aus der zugigen Hochhausschlucht der Neuen Mainzer Straße an die stark frequentierte Hauptwache zu ziehen, könne der Fraspa doch gar nicht passieren.
Und so bleibt als kleinster gemeinsamer Nenner festzuhalten: Die Stadt hat was zu diskutieren. Und wir was zu schreiben.
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