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Was diese Woche (sonst noch) im Sparkassen- bzw. Genosektor los war

25. Februar 2021

19.-25. Februar: Volksbank Berlin, Sparkassen-Fusion, Baufi-Boom in Ostwestfalen

  • Exklusiv: Wie wir aus Leserkreisen erfahren haben, geht nun auch die größte genossenschaftliche Ortsbank, nämlich die Volksbank Berlin, im Einlagengeschäft neue Wege. Konkret: Die Hauptstadt-Genossen testen  die B2B-Plattform des Hamburger Einlagenbrokers Deposit Solutions – und tun’s damit der größten deutschen Sparkasse, nämlich der Haspa, gleich.
  • Wenn wir uns nicht täuschen, dann sind das hier die ersten Sparkassen-Fusionspläne des neuen Jahres – und zwar: Die Städtische Sparkasse zu Schwelm und die Sparkasse Sprockhövel haben Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss aufgenommen. Zusammen kommen die beiden NRW-Institute auf eine Bilanzsumme von 1,4 Mrd. Euro kämen. Eine Verhandlungs-Kommission soll das Vorhaben nun prüfen. Ausgang: offen.
  • Und noch eine Zahl, die uns im allgemeinen Bilanz-PK-Wust aufgefallen war: Bei der Sparkasse Paderborn-Detmold ist das Neugeschäft im privaten Wohnungsbau im vergangenen Jahr um 9,9% gewachsen. Ist das viel? Ist das normal? Keine Ahnung. Wir hatten jedenfalls den Eindruck, es ist bemerkenswert.

Und hier die älteren Sparkassen- und Genosektor-Snippets:

  • Exklusiv: Sparkasse Wuppertal startet Bancassurance-Lösung. Erinnern Sie sich noch an unser Stück „Bancassurance: Sparkasse Duisburg schert aus eigenem Lager aus“? Hintergrund: Die Duisburger hatten sich damals der offiziellen Linie der S-Finanzgruppe (also dem „S-Versicherungsmanager“ des Versorgungskasse Bayern) entzogen und stattdessen mithilfe des Kölner B2B-Fintechs Moneymeets einen eigene Lösung aufgesetzt. Jedenfalls, und jetzt die News: Wenn uns nicht alles täuscht, dann kommt die Moneymeets-Variante seit neuestem auch bei der Sparkasse Wuppertal zum Einsatz, schauen Sie mal hier
  • …, wobei, nachdem wir das mit Duisburg entdeckt hatten, interessierte uns auch, was der eigentliche „S-Versicherungsmanager“ denn macht, also jener der VKB. Und siehe da: Der scheint momentan in pilotierter Form unter anderem bei der Sparkasse Ansbach zum Einsatz zu kommen, siehe hier
  • … bleibt noch die Sparkasse Bremen. Denn die wollte ja ursprünglich gemeinsam mit dem Fintech Clark einen digitalen Versicherungsordner bauen, schwenkte dann aber auf die JDC Group um. Und siehe da: Auch in Bremen scheint sich (wenn wir die Dinge richtig deuten) was zu tun.
  • Mehrere Großstadt-Volksbanken haben dieser Tage ihre 2020er-Zahlen präsentiert, was wir zum Anlass genommen haben, mal die vielleicht wichtigste operative Kennziffer in Augenschein zu nehmen – nämlich das Betriebsergebnis vor Bewertung in % der durchschnittlichen Bilanzsumme. Und siehe da, die Unterschiede sind geradezu frappierend:
Betriebsergebnis vor Bewertung in % der DBS
Hamburger Volksbank 0,35
Hannoversche Volksbank 0,90
Volksbank Stuttgart 0,69
  • Die Taunus-Sparkasse (rot) und die Frankfurter Volksbank (blau) zeigen sich fest gewillt, aus ihren „Finanzpunkt“ (rot-blau) genannten gemeinsamen Zweigstellen einen Exportschlager zu machen. Nachdem letztes Jahr bereits die Sparkasse Oberpfalz Nord und die Raiffeisenbank Oberpfalz NordWest eine Niederlassung unter dem entsprechenden  Label eröffneten, wollen nun auch die Sparkasse Tauberfranken und die Volksbank Main-Tauber einen „Finanzpunkt“ starten. Womit das Modell dann in drei Ländern (Hessen, Bayern und Baden-Württemberg) etabliert wäre. Unter „finanzpunkt.de“ ist seit letzter Woche auch ein Werbevideo zu sehen, mit dem die Taunus-Sparkasse und die Frankfurter Volksbank um weitere Interessenten buhlen. Bereits binnen weniger Tage hätten sich acht Institute gemeldet, berichtet ein Sprecher.
  • „Finanzpunkte“ sind eine Alternative zur Filialschließung – eine andere sind: reduzierte Öffnungszeiten. Diesen Weg gehen neuerdings die Sparkassen Landsberg-Dießen (siehe hier), die Sparkasse Bodensee (siehe hier), die Volksbank Hildesheimer Börde und seit einigen Wochen schon die Sparkasse  Radevormwald-Hückeswagen (wobei sich die Liste sicherlich noch deutlich verlängern ließe
  • Und sonst so diese Woche? Das Übliche. Nämlich 1.) Filialschließungen (z.B. gleich fünf Stück bei der Volksbank Brilon-Büren-Salzkotten). Sowie 2.) Negativzinsen für Privatkunden (u.a.bei der Dortmunder Volksbank und bei der Volksbank Emmerich-Rees, bei letzterer gar schon ab 25.000 Euro, siehe hier …). Und 3.) allerorten (wenn wir die diese Woche vorgestellten 2020er-Kennzahlen mal auf diese Weise zusammenfassen dürfen) wachsende Einlagenbestände und Bilanzsummen.
  • Wenn wir richtig gezählt haben, müsste dies die dritte oder vierte Geno-Fusion sein, die dieses Jahr angekündigt wird: Die Volksbank Raiffeisenbank Rhön-Grabfeld und ihre Kollegen von der VR-Bank Schweinfurt wollen 2021 zusammengehen. Im Sommer soll das Formale über die Bühne gehen und rückwirkend zum 1. Januar beschlossen werden. Aggregiert kommen die Häuser (ausweislich der Zahlen für 2019) auf eine Bilanzsumme von gut 2,2 Mrd. Euro und mehr als 400 Mitarbeiter – gar nicht mal so wenig.
  • Die Sparkasse Kassel legt nicht nur ihre beiden Standorte zusammen – nein, sie baut sich (wow!!!) einen „Campus“. Siehe hier: Immobilien-Zeitung
  • Die Volksbank Brawo (deren Geschichte siehe hier) ist nicht allein im ihrem Immobilien-Spleen – auch wenn’s anderswo zwei Nummern kleiner geht. So baut die Volksbank im Bergischen Land jetzt Wohnhäuser und Kindergärten, wie wir der „Rheinischen Post“ entnehmen. RP (Paywall)
  • Bei der Sparda München sind unsere Nachfragen nach der TEO-Zwangseinführung zwar weiter unbeantwortet. Die (offenbar gestaffelten) Umstellungstermine gehen allerdings weiter raus an die Kunden mit hwewils einem Monat Vorlauf.
  • Die Sparkasse Köln-Bonn hat die Freibeträge, ab denen sie Strafzinsen von Privatkunden erhebt, deutlich gesenkt. Die neuen Freibeträge liegen jetzt bei 100.000 Euro für Bestandskunden und bei „bis zu“ 50.000 Euro für Neukunden. Laut Preis- und Leistungsverzeichnis sind individuelle Vereinbarungen möglich. KStA (Paywall)
  • Und auch bei der Volksbank Mönchengladbach wird an der Preisschraube gedreht, wie einer unserer Leser entdeckt und wie wir in unserer Rubrik „Rund um Produkt und Kunde“ aufgedröselt haben …
  • Da in dieser Woche unzählige Sparkassen und VR-Banken ihre 2020er-Zahlen vorgestellt haben, haben wir einfach mal ein bisschen aufs Wording der entsprechenden Pressemitteilungen und lokalen Medienberichte geachtet: Beispiel 1.) „Die Kreissparkasse Mayen konnte ihre Bilanzsumme um 12 Prozent, also 243 Mio. Euro, auf mehr als 2,26 Mrd. Euro steigern“ … Beispiel 2.) „Corona-Krise? Bei der Kreissparkasse in Ludwigsburg kann davon keine Rede sein. […]. Bilanzsumme (11,45 Milliarden Euro), Kreditvolumen (6,39 Milliarden) und Kundeneinlagen (8,02 Milliarden) ­– überall steht ein Plus davor“ … Beispiel 3.) „Aber auch ohne die ‚Corona-Kredite‘ entwickelte sich das Kreditgeschäft [der Sparkasse Neuwied] im vergangenen Jahr sehr dynamisch: Dies zeigt die Steigerung von 41 Millionen Euro (+ 2,8 Prozent) auf 1,51 Milliarden Euro – allein das Neugeschäft von Immobilienfinanzierungen steigerte sich um 43 Prozent auf 137 Millionen Euro.“ … Beispiel 4.) „Bilanzsumme der Volksbank Mittelhessen wächst um fast 1 Mrd. Euro. Rekordwert bei den Neukrediten: 1,65 Mrd. Euro – Kundeneinlagen steigen auf 7,3 Mrd. Euro“ … Man könnte die Liste fast ewig weiterführen – aber Sie merken ja auch so, worauf wir hinauswollen: Im Fokus stehen Volumen, Volumen und Volumen. Doch was ist mit den Ergebniszahlen? Und zwar nicht nur mit den absoluten, sondern auch mit den relativen? Dafür muss man oft sehr weit runterscrollen. Wenn man denn überhaupt was findet.
  • Auch die Sparda Nürnberg hat diese Woche Zahlen vorgestellt, und auch hier förderte der flüchtige Blick auf die entsprechende Pressemitteilung nichts Ungewöhnliches zutage. Wer sich jedoch in die beigefügte Präsentation vertiefte, der las dort beispielsweise als Begründung für den erfreulicherweise gestiegenen Zinsüberschuss: „Sondereffekte durch vorzeitige Ablösung und Neuordnung großer Engagements“. Und:“Erträge aus Absicherungsgeschäften“? Ob hieraus am Ende die Dividende bezahlt wird? Eine solche kündigte die Sparda Nürnberg nämlich auch gleich mal an.
  • Als wir dieser Tage den jüngst veröffentlichten 2019er-Geschäftsbericht der Erfurter Bank eG aus der oberen Nachttisch-Schublade hervorholten, da fiel uns ein für das Vorjahr ausgewiesenes Betriebsergebnis vor Bewertung in Höhe von minus 560.000 Euro auf. Huch! Wir griffen also in die untere Nachttisch-Schublade (dort lagern die 2018er-Abschüssen) und stellten fest: Nope, das „Minus“ war kein Versehen, das steht da wirklich. Auf tiefere Ursachenforschung haben wir aus Müdigkeitsgründen verzichtet. Dennoch fanden wir zumindest folgenden, eilig aufgespürten Satz ganz interessant: „Die Ertragslage im Geschäftsjahr 2018 erreichte insbesondere aufgrund nicht getätigter Ausschüttungen aus dem Spezialfonds kein zufriedenstellendes Niveau.“
  • Die ebenfalls in Erfurt beheimatete Sparkasse Mittelthüringen hat 2020 ein Betriebsergebnis vor Bewertung von 38,4 Mio. Euro erwirtschaftet – was gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme einem sehr ordentlichen Wert von rund 0,8% entspricht. Interessant (fanden wir jedenfalls): Die Zahl der Mitarbeiter sank um 40 auf 744, das ist ein Minus von 5%. Mitteilung, BÖZ (Paywall)
  • Unsere Geschichte „Warum vielen N26-Kunden diese Woche irrtümlich 24,37 € abgebucht wurde“ (es ging dort um eine niedrige vierstellige Zahl von Betroffenen) konnte die Sparkasse Trier natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Also hat sie dieser Tage 60.000 Privatkunden irrtümlich eine Kartengebühr von 6,90 Euro vom Konto abgebucht. swr.de
  • Die Freiburger Sparkasse ist lokalen Medien zufolge wegen einer von ihr initiierten Spendenaktion in die Kritik geraten. Zu den Empfängern gehört ein Verein, der einer (offen sehr) rechten Burschenschaft nahesteht. Tweetstorm zum Vorgang, Badische Nachrichten (Paywall)
  • Als mutmaßlich erstes größeres Kommunalinstitut hierzulande hat die Stadtsparkasse Wuppertal vorläufige Zahlen für 2020 vorgestellt. Kurz zusammengefasst: Zins- und Provisionsüberschuss (hat man so was früher nicht mal getrennt ausgewiesen???) minus 3% auf 154,8 Mio. Euro; Betriebsergebnis vor Bewertung minus 6% auf 43,4 Mio. Euro; Betriebsergebnis vor Bewertung in Relation zu (Endjahres-)Bilanzsumme: 0,54. Es wird halt alles nicht leichter …
  • Auch die Wiesbadener Volksbank, seit jeher eines der besser aufgestellten Verbundinstitute da draußen (freilich auch mit guter Klientel), hat schon mal 2020er-Zahlen gezeigt – wobei wir kritischerweise anmerken wollen, dass sich im Bundesanzeiger vor einigen Tagen noch nicht einmal ein testierter Abschluss für 2019 fand, gute Sitten sind das eigentlich nicht … Aber sei’s drum. Wenn man jedenfalls das untestierte Vor-Bewertungs-Betriebsergebnis der Voba Wiesbaden durch die Bilanzsumme teilt, dann landet man bei 0,85. Das ist dann doch mal ein Unterschied zu den Kollegen in Wuppertal.

[Anmerkung vom 1. Februar: Aus dem Geno-Umfeld erhielten wir den freundlichen Hinweis, dass es den Kommentar mit den „guten Sitten“ nicht gebraucht hätte. Die Verzögerungen bei der Veröffentlichung seien nämlich in erster Linie eine Folge der Pandemie gewesen. Kann man dem Umfeld schwerlich widersprechen …]

  • Haben Sie mal in den 2018er- (einen aktuelleren gibt‘s im Bundesanzeiger noch nicht …) Abschluss der Volksbank Düren geguckt? Wir haben’s getan. Und siehe ebenda: ein „Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit“ in Höhe von minus 1,75 Mio. Euro. Sollte bei dieser Kennziffer nicht eher ein Plus stehen? Wir sind nicht sicher, was des Rätsels Lösung ist. Vielleicht dieser Satz hier: „Geprägt wurde der Geschäftsverlauf durch den hohen Bewertungsaufwand im Eigenanlagengeschäft der Bank.“

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