Kurz gebloggt

Was hält die Frankfurter VTB-Bank liquide? Bzw.: Wer?

9. März 2022

Von Christian Kirchner

Knapp zwei Wochen ist es mittlerweile her, dass die russische Armee in die Ukraine einfiel – und wir in unserem Newsletter erstmals die Frage aufwarfen, was die Eskalation in Osteuropa für die in Frankfurt ansässige, mit milliardenschweren Einlagen deutscher Sparer ausgestattete VTB Bank (Europe) SE bedeutet.

Seitdem? Herrscht in der Ukraine ein brutaler Krieg, hat der Westen schärfste Sanktionen gegenüber Russland erlassen und ist die Welt eine andere geworden. Nur die Frankfurter VTB – die steht immer noch …

… Rekapitulieren wir daher noch einmal kurz die Fakten und Entwicklungen: 1.) Die VTB Bank (Europe) SE verfügte laut letzten öffentlich einsehbaren Geschäftszahlen per Ende 2020 über vor allem über das Retail-Geschäft eingesammelte Einlagen in Höhe von 4,3 Mrd. Euro – 63% der gesamten Passivseite; 2.) Laut Offenlegungsbericht entfielen per Ende 2020 rund 45% (= 2,5 Mrd. Euro) des Kreditportfolios auf russische Unternehmen; 3.) Seit gut einer Woche lassen sich bei der VTB Europe keinen Konten mehr eröffnen; 4.) Seit dieser Woche darf das Institut überhaupt keine Einlagen mehr annehmen; 5.) Laut “FT” erwägt die russische VTB (also die zu gut 60% in Staatsbesitz befindliche Mutter der Frankfurter VTB), ihr Europa-Geschäft aufzugeben (siehe hier); 6.) Für ihre Kunden (denen es mutmaßlich in der Mehrheit darum geht, ihre Gelder abzuziehen) ist die Bank telefonisch praktisch nicht mehr zu erreichen, für die Bearbeitung von Aufträgen braucht sie nach eigenen Angaben “wegen hoher Bearbeitungsrückstände” inzwischen bis zu sieben Werktage, hat mithin also selbst gar keinen Überblick, wie viele Gelder noch abfließen werden …

… Um es kurz zu machen: Aus dem Bauch heraus würden wir vermuten, die Geschichte der deutschen Banken könnte Fälle kennen, in denen Moratorien auch schon mal für weniger verhängt worden sind. Zu diesem Eindruck passt eine gestern verschickte “Bloomberg”-Meldung, wonach Buba, Bafin und BdB für die VTB Bank Europe SE angeblich nach irgendeiner Lösung suchen, die “keine automatische Auszahlung an Einleger auslöst”. Auf welcher rechtlichen Basis das passiert oder passieren könnte? Keine Ahnung. Und die fast noch spannendere Frage: Was hält die Frankfurter VTB dieser Tage eigentlich liquide? Beziehungsweise: Wer? Der Kreml wird’s ja kaum sein.

180.000 Kunden, 4 Mrd. Einlagen: Der Fall der Frankfurter VTB

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