Rückblick (#2)

Was in unserer Sommerpause im deutschen Banking passiert ist

3. August 2021

Von Heinz-Roger Dohms

In der klassischen Bankenbranche ist während unserer Sommerpause zwar nicht ganz so viel passiert wie in der Fintech-Branche (siehe unsere gestrige Ausgabe) – aber doch genug, um einen eigenen Rückblick zu rechtfertigen. Bitte sehr:

Die Deutsche Bank hat im zweiten Quartal rund 1,2 Mrd. Euro vor Steuern verdient, deutlich mehr als von Analysten erwartet (820 Mio. Euro) und – basisbedingt – rund elfmal so viel wie ein Jahr zuvor. Dabei profitierte das Geldhaus davon, dass nur 75 Mio. Euro zusätzliche Risikovorsorge anfielen, rund ein Zehntel dessen, was die Deutsche Bank im vergangenen Frühjahr unter dem unmittelbaren Eindruck der Corona-Krise zurückgelegt hatte. Nach Steuern blieben 828 Mio. Euro bzw. nach Abzug von Zinszahlungen für Nachranganleihen noch 692 Mio. Euro übrig. Die Eigenkapitalrendite stieg somit auf 5,5%, weshalb CEO Christian Sewing sein Institut nun „auf einem guten Weg“ sieht, das für 2022 angestrebte (und von vielen Analysten lange Zeit für illusorisch gehaltene) Renditeziel von 8% zu erreichen …

Zugleich verabschiedete sich die Deutsche Bank allerdings von ihrem erst vor wenigen Monaten verschärften Kostenziel von 16,7 Mrd. Euro per 2022. Dabei machen sich zusätzliche Zahlungen für die Einlagensicherung infolge der Greensill-Bank-Pleite (siehe unser Artikel hier) ebenso bemerkbar wie die Beiträge zum europäischen Abwicklungsfonds. Hier hatte die Deutsche Bank vergeblich auf eine Senkung der Beitragslast spekuliert (siehe unser Artikel hier) und fälschlicherweise Einsparungen von 300 Euro einkalkuliert.

Im Cum-Ex-Skandal hat der BGH die Strafbarkeit der milliardenschweren Deals bestätigt – ein möglicherweise wegweisende Entscheidung. Bei den von etlichen deutschen Banken getätigten Deals handele es sich um strafbare Steuerhinterziehung, so die Karlsruher Richter. Auch die Gewinne aus den Geschäften können laut BGH eingezogen werden.

Die langjährige KfW-Vorständin Ingrid Hengster wechselt, nachdem sie bei der Neubesetzung des Chefpostens bei der Staatsbank übergangenen worden war, zur britischen Barclays-Bank. Dort übernimmt die 60-Jährige die Verantwortung für das Deutschland-Geschäft, wie zuerst die „Süddeutsche Zeitung „(Paywall) berichtete.

Nach der Flutkatastrophe vor allem in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz haben etliche hiesige Banken spezielle Kreditprogramme für Flutopfer aufgelegt. Die Deutsche Bank beispielsweise stellt hierfür bis zu 300 Mio. Euro zur Verfügung, bei der Commerzbank sind es 200 Mio. Euro. Auch viele Institute in den betroffenen Regionen (etwa die Sparkasse Aachen oder die Volksbank RheinAhrEifel mit jeweils 50 Mio. Euro) bieten Sonderkredite an. Die Darlehen sind in den meisten Fällen zinsfrei oder mit einem minimalen Zinssatz von 0,01% belegt.

Deutschlands Banken streichen im Zuge des Home-Office-Trends ihre Büroflächen zusammen. Bei der BayernLB beispielsweise kommen (vereinfacht gesagt) in Zukunft nur noch sieben Schreibtische auf zehn Mitarbeiter, bei DZ Bank arbeitet an einem neuen Raumkonzept, bei dem aus derzeit 1,1 Arbeitsplätzen je Mitarbeiter bald 0,7 werden sollen. Xing/FAZ (auf Basis von Bloomberg)

Die von der europäischen Bankenaufsicht verordnete Reform der Sparkassen-Institutssicherung könnte den öffentlichen Bankensektor sogar noch mehr Geld als die bislang in Rede stehenden 5 Mrd. Euro kosten. So spekuliert die „Wirtschaftswoche“ (Paywall) über Belastungen von bis zu 7 Mrd. Euro.

Der Streit um die vor allem von Sparkassen vorgenommenen Zinsanpassungen bei Prämiensparverträgen spitzt sich zu. Bei der Bafin sind mittlerweile rund 400 Widersprüche gegen jene Allgemeinverfügung eingegangen, mit der die Behörde kürzlich Banken und Sparkassen angewiesen hatte, ihre Kunden über unwirksame Zinsanpassungen zu informieren. dpa/Wiwo

Bei der Hypo-Vereinsbank hat der neue Chef der italienischen Mutter Unicredit, Andrea Orcel, den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. Der 58-Jährige folgt auf Gianpaolo Alessandro, der dem Gremium als stellvertretender Vorsitzender erhalten bleibt.

Bei der Deutschen Bank in New York sollen Analysten laut übereinstimmenden Medienberichten im ersten Berufsjahr künftig 100.000 Dollar verdienen, im zweiten Jahr dann 105.000 Dollar; das sind jeweils 15.000 Dollar mehr als bislang.

Und nochmal Deutsche Bank: Das Frankfurter Institute legt ihre Chief-Investment-Office-Teams für das Privatkunden- und das Wealth-Management-Geschäft zusammen. Leiten wird die Einheit Christian Nolting. Der (bisherige) Chief Investment Officer der hiesigen Privatkundenbank, also Ulrich Stephan, behält zwar seinen Titel, wird aber Nolting unterstellt.

Kurz-Rückblick

Die DWS ist laut „Financial Times“ (Paywall) einer von nur noch zwei Bietern im Wettstreit um die Asset-Management-Sparte des niederländischen Versicherer N.N. Group; der andere seit Goldman Sachs +++ Hauck & Aufhäuser rechnet nach der Verdopplung des 2020er-Ergebnisses auf fast 46 Mio. Euro für dieses Jahr mit einem „leicht rückläufigen“ Konzernergebnis vor Steuern (BÖZ/Paywall) +++ Die Deutsche Pfandbriefbank hat ihre Prognose für dieses Jahr erhöht. Statt von „mindestens 155 Mio. Euro“ geht der SDax-Konzern jetzt von 180-220 Mio. Euro Vorsteuergewinn aus


Die Rückblicke aus den Rubriken „Digital Banking“ und „Payments“ folgen am Mittwoch bzw. Donnerstag.

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