Aus der Szene

Sparkassen-Chef empfiehlt: Kosten müssen um 6 Mrd. Euro (!) runter

19. Januar 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Wenn es irgendein Geldinstitut hierzulande gibt, das kennzahlenmäßig mit der Targobank (siehe unser heutigen Artikel) zumindest einigermaßen mithalten kann, dann ist das die Sparkasse Spree-Neiße (siehe unser Stück über die „völlig verrückten Bilanzen der ostdeutschen Sparkassen“ aus dem September 2019).

Deren Chef Ulrich Lepsch – der übrigens auch mal der Chef von Energie Cottbus war, aus der Zeit stammt der bei „Lausitz-Napoleon“ – ist freilich nicht nur für einen virtuosen Umfang mit dem Depot A, sondern auch für einen mindestens ebenso virtuosen Umgang mit der Öffentlichkeit bekannt. Und so erreichte ausgewählten Medien gestern eine E-Mail, die nicht nur haarsträubend gute vorläufige Zahlen für 2020 enthielt, sondern auch einen dezent vergifteten Ratschlag an die Sparkassen-Finanzgruppe.

Kommen wir zuerst zu den Zahlen:

  • Betriebsergebnis vor Bewertung: 60,4 Mio. Euro
  • Betriebsergebnis vor Bewertung in Relation zur durchschnittlichen Bilanzsumme: 1,41 %
  • Cost-Income-Ratio: 40,6 %
  • Entwicklung der Forderungen an Kunden (wir reden hier allen Ernstes vom Bestand, nicht vom Neugeschäft): plus 22,6%
  • Allgemeiner Verwaltungsaufwand in Relation zur durchschnittlichen Bilanzsumme: 0,99%

Wir möchten Sie nun bitten, liebe Leserinnen und Leser, die ersten vier Zahlen geflissentlich zu ignorieren und sich einfach nur auf die fünfte zu konzentrieren. Diese nämlich verband die Sparkasse Spree-Neiße in besagter Mitteilung gestern mit der Empfehlung, die 0,99% dürften „zukünftig für Sparkassen ein anzustrebender Richtwert sein, um im Niedrigzinsumfeld zu bestehen“.

Was man dazu wissen muss: Laut DSGV-Zahlen lag besagte Kennziffer sparkassenweit zuletzt bei 1,48%. Und schaut man sich die 2019er Abschlüsse der ersten uns in den Sinn kommenden Sparkassen an (wir haben aus Gründen der Verfügbarkeit mit der Bilanzsumme, nicht mehr der durchschnittlichen Bilanzsumme gerechnet, was freilich keinen großen Unterschied macht), so landet man bei folgenden Größenordnungen.

in Mio. Euro Kosten Bilanzsumme Kosten in % der Bilanzsumme
Sparkasse Spree-Neiße 44 3.924 1,12 %
Frankfurter Sparkasse 255 19.809 1,29 %
Sparkasse Bochum 100 7.404 1,35 %
Hamburger Sparkasse 763 50.207 1,52 %
Sparkasse Neuwied 36 2.230 1,62 %

Quelle: Geschäftsberichte

Um es kurz zu machen: Die relativen Kosten im Sparkassenschnitt von 1,48% auf 0,99% zu drücken, würde bei stabiler Bilanzsumme nichts anderes bedeuten, als die Aufwendungen um ein Drittel (!!!) zu reduzieren. Was in absoluten Zahlen knapp 6,5 Mrd. Euro entspricht.

Na, Herr Schleweis, da können Sie ja jetzt mal frohgemut ans Werk gehen.

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