Kurz gebloggt

Wie die Dt. Bank urplötzlich auf 9,4% Eigenkapital-Rendite kommt

29. Oktober 2021

Von Christian Kirchner

Dass es das größte Geldinstitut der Republik zu beim sog. „Bereinigen“ seiner Zahlen zu einer gewissen Könnerschaft gebracht, ist ja hinlänglich bekannt (siehe unseren Klassiker –> Wie sich die Deutsche Bank ihre Zahlen schönrechnet). Öffentlich kaum haben die Frankfurter das Ganze nun aber auf eine neue Ebene gehoben. Und zwar wie folgt:

Schon bei der Präsentation ihrer Q1-Zahlen (damals hatten wir’s noch übersehen) fügte die Deutsche Bank ihrem Zahlenwerk eine neue Kennziffer hinzu. Nämlich: eine Art alternative Eigenkapitalrendite. Das heißt: Die eigentliche Eigenkapitalrendite, also die berühmte, die 2022 bei 8% liegen soll, wurde nicht heimlich abgeschafft, sondern sozusagen um eine zweite Version ergänzt. In der (bereits um die interne Bad Bank „bereinigte“) Kernbank gab es nunmehr nicht nur die Eigenkapitalrendite, sondern auch die „bereinigte“ Nachsteuerrendite.

Die zweite, also alternative Version nennt sich nun tatsächlich „bereinigte Nachsteuerrendite“ und wird so berechnet, dass die Deutsche Bank nicht wie üblich den schieren Nettogewinn in Relation zu ihrem (bereits um zahlreiche Vermögenswerte bereinigten) materiellen Eigenkapital – sondern eine Gewinngröße, die um sämtliche Umbaukosten entschlackt wurde.

So wanderte das dann auch per Definition erstmals per Q2 in die Fußnoten der Quartalsberichterstattung – obwohl es doch eigentlich umgekehrt sein müsste: Dass mit dem Fortschritt der Transformation mehr Einmaleffekte eher wegfallen als in die Rechnungen hineingenommen werden. Mit dem Q3-Bericht von Mittwoch wurde die „bereinigte“ Rendite dann nicht nur für die Kernbank, sondern auch schon mal gleich ergänzend zur unbereinigten für die Gesamtbank genannt. (Falls Sie den Überblick verlieren: die bereinigte Nachsteuerrendite der Kernbank ist dann quasi dreifach bereinigt: beim Eigenkapital, beim Betrachtungskreis der Sparten und dann noch mal bei den Kosten, die für die Gewinnermittlung herangezogen werden.)

Welchen fulminanten Unterschied die Bereinigung macht, zeigt ein Blick auf die in der sogenannten „Kernbank“ zusammengefassten operativen Einheiten des Instituts.

  • Unbereinigt (also im Sinne des eigentlichen Ziels) betrug hier die Eigenkapitalrendite von Juli bis September lediglich 3,9%
  • Bereinigt kam die Deutsche Bank indes bereits auf 7,3% (was ja fast schon nach „8%“ klingt, auch wenn die „8%“ das Ziel für die gesamte Bank sind, also inklusive der hauseigenen Bad Bank)
  • Auf die ersten neun Monaten insgesamt bezogen kam die „Kernbank“ bei bereinigter Betrachtung sogar schon auf 9,4% – und lag damit über (über!!!!!) dem – freilichen unbereinigten – „Kernbank“-Ziel von 9%.

Von uns befragt, was das Ziel dieser Übung sei, zwei Jahre in den Umbau hinein (und wenn sich das Thema Umbaukosten also langsam erledigt haben sollte) nun auch die Eigenkapitalrendite „bereinigt“ zu berechnen, führte die Deutsche Bank „Transparenzgründe“ an. Und natürlich zähle (weiter) im Sinne der Ziele für 2022 die unbereinigte Rendite von 8%, man habe die Information nur ergänzt. Mal sehen, welche Kennziffern herangezogen werden, wenn Ende 2022 nicht mehr nur berechnet, sondern abgerechnet wird.

Warum die Deutsche Bank gestern so brutal abgestraft wurde

[…]

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