Exklusiv

Wie (und warum) die HVB ihre Leasing-Tochter sterben lässt

18. Dezember 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Als Finanz-Szene.de am 2. Juni vermeldete, die Hypo Vereinsbank stelle die Zukunft ihrer in Hamburg ansässigen Tochter Unicredit Leasing (UCL) infrage (siehe hier) – da fiel die Stellungnahme der Münchner Großbank eher ausweichend aus: „Anstelle eines hauseigenen Angebots der Produkte Leasing und Mietkauf […] sollen diese Produkte künftig in Zusammenarbeit mit einem externen Kooperationspartner angeboten werden“, hieß es. Ansonsten: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir Marktgerüchte und Spekulationen nicht kommentieren.“

Tatsächlich, so zeigen neuen Recherchen von Finanz-Szene.de, waren unsere Informationen (alias „Marktgerüchte“) damals gar nicht so schlecht. Denn wie sich nun herausstellt, hatte der HVB-Vorstand schon am 12. Mai – also drei Wochen vor unserer Berichterstattung – beschlossen, das Neugeschäft der Unicredit Leasing „noch im Laufe des Jahres 2020 einzustellen“. Im Zuge dieser Maßnahme sollten und sollen bis Ende 2021 exakt 112 Arbeitsplätze (gerechnet in Vollzeit-Äquivalenten) abgebaut werden. Grob gerechnet entspricht das jeder zweiten Stelle.

Dass der radikale Schritt nicht aus dem Nichts kam, zeigt eine bereits per Ende 2019 zur Finanzierung des Personalabbaus gebildete Restrukturierungs-Rückstellung in Höhe von 28,8 Mio. Euro (die Entscheidung, diese Rückstellung zu bilden, rührt aus dem Januar 2020). Auch mit der Corona-Krise hing der Beschluss – jedenfalls initial – wohl nicht zusammen. Sondern mit der Ende 2019 verkündeten neuen „Team23“-Strategie der italienischen HVB-Mutter Unicredit. Zusätzliche 8000 Stellen, so hatte es seinerzeit geheißen, wolle die Unicredit bis 2023 gruppenweit abbauen; darunter – so wurde in Medienberichten vermutet – auch eine vierstellige Zahl von Arbeitsplätzen in Deutschland. Offenbar erging unmittelbar danach bereits der Erlass, auch die deutsche Leasing-Gesellschaft ins Visier zu nehmen. So hält deren Geschäftsbericht fest:

„Im Januar 2020 hat der Gesellschafter darüber informiert, dass er im Rahmen der neuen Gruppenstrategie „Team 23“ das Geschäftsmodell der UniCredit Leasing Gruppe mit Hilfe der Unternehmensberatung Roland Berger überprüfen lässt.“

Und weiter:

„Der zum Zeitpunkt der Einstellung des Neugeschäfts vorhandene Vertragsbestand soll anschließend weiter abgebaut werden. Die UCL und ihre Tochtergesellschaften sollen dabei als eigenständige Gesellschaften erhalten bleiben, eine Integration in die UniCredit Bank AG ist lediglich als Ausweichlösung vorgesehen. Ob und wann die Abwicklung des Bestands durch den Verkauf von (Teil-)portfolien beschleunigt wird oder die UCL und ggf. ihre Tochtergesellschaften inklusive des verbleibenden Portfolios verkauft werden, bleibt offen. Ohne Verkauf von Teilportfolien dürfte sich der Ende 2023 noch vorhandene Bestand auf etwa 25 bis 30 % des heutigen Bestands belaufen.“

Auf die Frage, warum es ausgerechnet die Hamburger Leasing-Tochter im Rahmen der „Team23“-Strategie dermaßen hart erwischte, lieferte der Geschäftsbericht zwar keine letztgültigen Antworten – aber doch ein paar Hinweise. So ist dort unter anderem zu lesen (wir zitieren wörtlich und ungekürzt, haben uns aber erlaubt, die entscheidenden Stellen hervorzuheben):

  • „Das Neugeschäftsvolumen der UCLG lag 2019 mit 1,25 Mrd. EUR 1 % über dem Vorjahresniveau. Das Wachstum blieb somit sowohl hinter der Entwicklung des Leasingmarktes als auch hinter dem UCLG-seitig geplanten Anstieg auf ein Neugeschäftsvolumen von gut 1,8 Mrd. EUR deutlich zurück“
  • „Die laufenden Leasingerlöse sanken – die anhaltende Niedrigzinsphase und die Neugeschäftsentwicklung widerspiegelnd – von 508 Mio. EUR um rund 29 % deutlich auf 362 Mio. EUR.“
  • „Die Verrechnung des Bruttoüberschusses mit den Verwaltungsaufwendungen unter Berücksichtigung des Saldos der sonstigen betrieblichen Aufwendungen und Erträge in Höhe von -27,4 Mio. EUR (Vorjahr: 4,3 Mio. EUR) und einem aus einer Korrekturbuchung entstandenen Ertrag aus Körperschaftssteuer von 21 TEUR (Vorjahr: 0 EUR) führte zu einem Ergebnis nach Steuern von -9,5 Mio. EUR (Vorjahr: 62,3 Mio. EUR), welches aufgrund des bestehenden Ergebnisabführungsvertrages von der UniCredit Bank AG via Verlustausgleich ausgeglichen wurde.“

Übrigens: Auch wenn die Corona-Krise nicht ursächlich für die Einstellungs- und Abbaupläne war, so könnte sie die Dinge durchaus forciert haben. So hält der Prognosebericht für das laufende Geschäftsjahr fest (die Hervorhebungen erübrigen sich in dieser Passage, weil man bittererweise eigentlich alles hervorheben müsste …):

„Realistischerweise ist im Zusammenhang mit der derzeitigen Covid-19-Krise einerseits und der im Zusammenhang mit dem Projekt „Team 23“ angekündigten Anpassung des Geschäftsmodells andererseits, zu erwarten, dass das Ergebnis 2020 deutlich von der Planung abweichen wird, wobei Neugeschäft und Erträge geringer, die Risikovorsorge höher und das Ergebnis unter dem Strich somit niedriger ausfallen dürften; eine erste Neuberechnung der Pauschalwertberichtigungen per Q1 2020 unter Berücksichtigung prognostizierter Covid-19-Effekte zeigte auf UCLG-Ebene bereits einen deutlichen Anstieg der Pauschalwertberichtigungen um 14 Mio. EUR von 28 Mio. EUR auf 42 Mio. EUR. Das Neugeschäftsvolumen lag Mitte April 2020 auf einem merklich unter Vorjahr und deutlich unter Plan liegenden Niveau.“

Bleibt noch die Frage, wer denn der externe Kooperationspartner ist, dessen Produkte die HVB neuerdings ihren Kunden anbietet.

Antwort: die Deutsche Leasing.

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