Kurz gebloggt

Wo der 485-Mio.-€-Gewinn der BayernLB (so plötzlich) herkommt

19. August 2021

Von Christian Kirchner

Huch, was ist denn mit unseren Landesbanken los? Erst die LBBW, die diese Woche mit 428 Mio. Euro den höchsten H1-Gewinn seit zehn Jahren vorlegte … Und nun setzt die BayernLB sogar noch eins drauf: 485 Mio. Euro Gewinn vor Steuern, etwas dreimal so viel wie im gleichen Vorjahreszeitraum. Und es soll sogar so weitergehen (naja, nicht ganz so dynamisch, aber fast): Rechneten die Münchner fürs Gesamtjahr bislang mit 200-400 Mio. Euro Ergebnis, so wird der Korridor jetzt mit 500-700 Mio. Euro angegeben.

Wie kommt’s? Hier die drei Faktoren, die das Ergebnis getrieben haben:

  • EZB-Doping: Die BayernLB verdiente beim Zinsergebnis 164 Mio. Euro aus der Beteiligung an den TLTRO-Programmen der EZB – mithin also weitgehend risikolos. Davon entfielen auf die eigentliche Landesbank 59 Mio. Euro und auf die Berliner Direktbank-Tochter DKB 105 Mio. Euro. Folge: Gegen die branchenüblichen Trends konnte die BayernLB hierdurch ihren Zinsüberschuss um 133 Mio. Euro auf nunmehr 1.006 Mio. Euro steigern. Ohne EZB-Spritze wäre der Zinsüberschuss im H1 um 4% gesunken, so ist der um fulminante 15% gestiegen.
  • Post-Corona-Einmaleffekte: Beim Fair-Value-Ergebnis kam ein Plus von 145 Mio. Euro heraus (Vorjahr: plus 51 Mio. Euro), zudem konnte die BayernLB 44 Mio. Euro Risikovorsorge auflösen – nachdem im Vorjahr 75 Mio. Euro gebildet worden waren.
  • DKB. Auch wenn sich München einer „guten operativen Ertragsentwicklung in allen Segmenten“ rühmt – letztlich stand 56% des Gewinns die Tochter aus Berlin (deren Zahlen, wir uns separat angeschaut haben, siehe hier)

Darüber hinaus enthält der Halbjahresbericht noch eine interessante Ankündigung: Die DKB wird nicht nur – wie bekannt – in die private Einlagensicherung wechseln, sondern die BayernLB kündigte auch an, den Beherrschungs- und Ergebnisabführungsvertrag mit der Tochter noch dieses Jahr zu beenden. Im Gegenzug werde „die BayernLB die DKB mit zusätzlichem Kapital in substantieller Größenordnung ausstatten, damit die DKB auch ohne Patronat der BayernLB weiterhin über eine marktübliche Kapitalausstattung verfügt“. Mit anderen Worten: Berlin wird ein bisschen weiter in die Unabhängigkeit entlassen – und damit fit für einen Verkauf gemacht?).

Davon will die BayernLB gleichwohl nichts wissen; die Änderungen dienten nur, eine Doppelbelastung bei der Einlagensicherung zu vermeiden. Und als man auf eine Frage, die noch gar keiner gestellt hat, gleich mal eine Antwort geben will, beginnt die Folie zur DKB mit dem Satz: „Die Deutsche Kreditbank AG (DKB) ist integraler Bestandteil des BayernLB-Konzerns.“

Hier die Übersicht über die Segment-Ergebnisse:

H1, in Mio. Euro Immobilien & Sparkassen-Geschäft Corporates &
Markets
DKB Zentralbereiche & Sonstiges Konzern
Zinsüberschuss 173 163 566 104 1.006
Zinsüberschuss nach Risikovorsorge 176 162 599 113 1.050
Provisions-Überschuss 135 43 25 -14 189
Fair Value-Bewertung 37 35 28 45 145
Verwaltungs-Aufwand -200 -144 -342 -69 -754
Bankenabgaben 0 0 -54 -116 -170
Sonstiges Ergebnis 6 0 2 5 14
Restrukturierung 1 0 0 1 1
Ergebnis vor Steuern 155 97 273 -41 485
Eigenkapital-Rentabilität (RoE) (%) 18,5 5,9 16,1 9,5
Cost-Income-Ratio (CIR) (%) 57 60 54 55

… und hier die Prognosen fürs Gesamtjahr verglichen mit der Ursprungsprognose aus dem Frühjahr:

ursprüngliche Prognose 2021 (31.12.2020) angepasste Prognose 2021 (30.06.2021)
Ergebnis vor Steuern 200 –  400 Mio. Euro 500 – 700 Mio.  Euro
Return on Equity (RoE) >3% >5%
Cost Income Ratio (CIR) 65-70% 60-65%
Harte Kernkapitalquote (CET1) >14% >15%
Leverage Ratio >4% >4%

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