Kurz gebloggt

Wo die wahren Zinsprobleme von Banken und Sparkassen liegen

26. Oktober 2020

Von Christian Kirchner

Die Bundesbank hat sich auf schlanken 26 Seiten zur Entwicklung des deutschen Bankensystems in der Negativzins-Ära geäußert – und kommt dabei unter anderem zu einer Schlussfolgerung, die wir (zum Unmut mancher Leser) so ähnlich bereits im August und September 2019 sowie im April dieses Jahres angedeutet hatten. Nämlich: Die negativen bzw. sogar negativen Zinsen belasten unsere lieben Banken und Sparkassen weniger, als diese glauben oder wenigstens glauben machen wollen. Hier die wesentlichen Erkenntnissen der Buba-Ausarbeitung im Schnelldurchgang:

  1. Warum sind die Belastungen durch die niedrigen bzw. negativen Zinsen überschaubar (jedenfalls in der Nettobetrachtung, wobei die Buba ihre Analyse in 2014 beginnen lässt)? Weil die Banken und Sparkassen zwar einerseits beim Zinsergebnis verloren hätten. Zugleich aber die Kreditausfälle angesichts der von den Niedrigzinsen befeuerten Konjunktur niedrig geblieben seien. Ferner hätten die Institute über mehr Kreditvolumen auch mehr verdienen können.
  2. Nicht die Negativzinsen der EZB sind laut Bundesbank das Problem, sondern schlicht die sinkende Zinsmarge (gemessen  als Differenz von Einlagen- und Kreditzinsen). Diese falle ergebnistechnisch viermal stärker ins Gewicht als die viel zitierten Strafzinsen auf die Überschussliquidität.
  3. Die Geschäftsbanken zögern laut Bundesbank (und anders, als medial oft dargestellt) weiterhin, privaten Haushalten in der Breite Negativzinsen zu berechnen. Warum? Weil Einlagen für viele Institute eine immer wichtigere Refinanzierungsquelle darstellten. Der Median der Einlagenzinsen auf Einzelbankebene liege immer noch bei 0,01%, so die Bundesbank. Plus 0,01% wohlgemerkt. Nicht minus. Bei den Firmenkunden seien inzwischen volumengewichtet – bei 68% der Banken die Einlagenzinsen negativ.

Soweit also die an sich ganz guten Nachrichten. Dummerweise, so die Bundesbank, könnte es aber mit dem „Unter dem Strich gleicht sich das alles aus“ bald vorbei sein. Denn: Die Risikovorsorge steigt. Und auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Margendruck demnächst eine Verknappung des Kreditangebots zur Folge hat.  Kurzum: Die Zeiten, in denen Banken und Sparkassen also scheinbar beliebig die Volumina steigern konnten, um ihre Zinsgewinne zu verteidigen, sind wohl vorbei.

Hier zur Eigenlektüre der entsprechende Bundesbank-Aufsatz.

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