Daten & Research

Wo Sparkassen und Volksbanken ihr Preis-Oligopol (nicht) nutzen

17. Mai 2022

Von Christian Kirchner

Köln und Frankfurt liegen nur eine Zugstunde auseinander, und auch ansonsten trennt beide nicht viel. Hier die Millionen-Stadt. Dort die 3/4-Millionen-Stadt. Hier die großen Versicherer. Dort die großen Banken. Hier der FC, der Europa erreicht hat. Dort die Eintracht, die Europa (rein sportlich natürlich) sogar erobert hat.

Kurzum: Köln und Frankfurt sind vergleichbare Städte. Das Pfund Butter dürfte am Rhein nicht viel anders bepreist sein als am Main, und vermutlich kostet eine Flasche Kölsch ungefähr das, was auch eine Flasche Binding oder Henninger kostet.

Umso erstaunlicher, dass das mit der Vergleichbarkeit endet, wo unsere kleine Nische hier beginnt, nämlich das Bankgeschäft. Denn was, würden Sie schätzen, liebe Leserinnen und Leser, kostet das Girokonto bei einer lokalen Frankfurter Bank? Antwort: im Schnitt 2,10 Euro pro Monat. Dagegen bei einem lokalen Kölner Kreditinstitut? Im Schnitt 8,60 Euro, also das Vierfache.

Auf die Idee gebracht, einfach mal den Vergleich anzustellen, hatte uns vor ein paar Wochen der Partner-Podcast mit dem Pricing-Experten Peter Klenk. Dessen Beobachtung: In vielen Marktgebieten orientieren sich die lokalen Player preislich sehr stark aneinander. Geht der eine mit dem Kontoentgelt nach oben, können die anderen sich das ebenfalls leisten. Fährt dagegen ein lokaler Akteur (wie die Frankfurter Volksbank) eine aggressive Preisstrategie, beschneidet das auch den Spielraum der lokalen Konkurrenz.

Frage: Gilt das immer und überall? Und wie sieht es konkret aus da draußen? Um das in Erfahrung zu bringen, haben wir folgendes gemacht: 1.) Wir haben die 20 größten Städte Deutschlands gemessen an der Einwohnerzahl hergenommen (wobei wir nur bei 17 auf brauchbare Ergebnisse gestoßen sind); 2.) Wir haben geschaut, welche Sparkassen, VR-Banken, PSD-Banken, Sparda-Banken und sonstige retail-lastige Lokalinstitute in diesen Städten sitzen und in der jeweiligen Metropolregion auch einen wesentlichen Teil ihres Geschäfts erbringen; und 3.) Wir haben untersucht, was der Preis für das günstigste Girokonto-Modell mit pauschaler Abrechnung ist (also inkl. der wesentlichen Girokonto-Buchungsposten).

Hier, welche vier Arten von regionalen Preis-Clustern wir identifiziert haben*:

1.) Die Preiskampf-Städte: Frankfurt, München, Essen, Dortmund, Berlin

Hier gelingt es den lokalen Instituten nicht oder nur knapp, für ein pauschal vergütetes Girokonto im Schnitt jene 4 bis 5 Euro pro Monat durchzusetzen, die gemeinhin als notwendig gelten, um zumindest die Fixkosten abzudecken (und damit auch als ungefährer Bundesschnitt). Spannend ist, dass mit Frankfurt und München (!) zwei Städte in dieses Cluster passen, die wirtschaftlich stark prosperieren. Selbst die größten örtlichen Banken wie die Stadtsparkasse München oder die Frankfurter Sparkasse rufen weniger als 3 Euro für ein pauschal vergütetes Girokonto auf, das alle Buchungsposten abdeckt.

Im Falle Frankfurts könnte das daran liegen, dass die Frankfurter Volksbank seit mehr als zehn Jahren die Preise nicht erhöht hat (3,50 Euro/Monat, siehe auch hier) und mit der Sparda Hessen sogar ein Akteur in der Stadt zuhause ist, der am kostenlosen Konto festhält – beide im Übrigen samt Filialservice und Präsenz.

Auffällig auch: Wo das allgemeine Preisniveau niedrig verankert scheint, ist es offenbar sehr schwierig, als Ausreißer einen hohen Pauschalpreis durchzusetzen. Während in anderen Städten gleich mehrere Institute problemlos 8 oder 9 Euro pro Monat für das günstigste Pauschal-Girokonto aufrufen, ist in den fünf hier genannten Orten nur ein einziges Institut überhaupt mit mehr als sieben Euro unterwegs, und zwar die mit 1,3 Mrd. Euro Bilanzsumme eher kleine Raiffeisenbank München-Süd.

Frankfurt (⌀ 2,13 Euro)

Sparda-Bank Hessen Girokonto 0
Frankfurter Sparkasse Sparkassen-PrivatKonto Aktiv 2,9
Frankfurter Volksbank Girodirekt 3,5

München (⌀ 3,58 Euro)

Genossenschaftsbank München Privatkonto 5000plus 0
PSD Bank München PSD Giro Direkt 0
Stadtsparkasse München Girokonto Online 2,25
Münchner Bank Girokonto „Unabhängig“ 2,5
Kreissparkasse München Starnberg Ebersberg S-GiroDirekt 2,75
VR-Bank Ismaning Hallbergmoos Neufahrn VR-Klassik 3,75
Sparda-Bank München Girokonto Online 3,9
VR Bank München Land eG, Oberhaching MeinKonto flat 5,5
Raiffeisenbank München-Süd Girokonto Komfort 8

Essen (⌀ 4,00 Euro)

Bank im Bistum Essen BIB GiroOnline1 0
Sparkasse Essen GiroDirekt 5
Geno Bank Essen GENO-KlassikKonto 6,99

Dortmund (⌀ 4,30 Euro)

Dortmunder Volksbank eG Girokonto direkt 3,95
Volksbank Dortmund-Nordwest Direktkonto 4
Stadtsparkasse Dortmund Giro Online 4,95

Berlin  (⌀ 4,69 Euro)

PSD Bank Berlin-Brandenburg PSD Girofair 3
Sparda-Bank Berlin Dein Konto 4,9
Berliner Sparkasse Giro digital 4,95
Berliner Volksbank Privatgiro direkt 5,9

2.) Die Durchschnitts-Städte: Bochum, Stuttgart, Leipzig, Dresden, Hannover

In diesen Städten gelingt es den Banken weitgehend, die betriebswirtschaftlich naheliegenden und im Bundesschnitt üblichen 4 bis 5 Euro durchzusetzen – wobei auffällig ist, dass es keine Ausreißer nach oben wie unten gibt. Keine “0-Euro-Bank”, die hohen Pricing-Druck erzeugt wie etwa in München oder Frankfurt. Umgekehrt sind aber auch Spitzenpreise schwer durchsetzbar. Auffällig ist die Pärchenbildung in Städten mit offenbar geringem lokalen Wettbewerbsdruck: Die Volksbank Bochum Witten und die Sparkasse Bochum liegen beim pauschalen Konto nur 40 Cent auseinander, die beiden Häuser in Leipzig nur rund 1 Euro.

Bochum (⌀ 4,70 Euro)

Volksbank Bochum Witten Privatkunden “Onlinekonto” 4,9
Sparkasse Bochum S Giro direkt 4,5

Stuttgart (⌀ 4,90 Euro)

Volksbank Zuffenhausen persönliches Girokonto 2,9
Volksbank Stuttgart Giro direkt 4,9
PSD Bank RheinNeckarSaar PSD Girokonfort 4,9
BW Bank BW Smart 6,9

Leipzig (⌀ 5,47 Euro)

Leipziger Volksbank Direkt Konto 5,99
Stadt- und Kreissparkasse Leipzig Girodirekt 4,95

Dresden (⌀ 4,90 Euro)

Ostsächsische Sparkasse Dresden Girokonto saxx online 3,9
Volksbank Dresden-Bautzen VR-Direkt 5,9

Hannover (⌀ 4,83 Euro)

Sparda-Bank Hannover Sparda Direct 3
Hannoversche Volksbank Aktivkonto 4,5
Sparkasse Hannover Girobest 7

 



3.) Die “Jeder macht sein Ding”-Städte: Nürnberg, Düsseldorf, Bremen, Bielefeld

Nicht alle Städte respektive Metropolregionen lieferten ein eindeutiges Bild. So findet sich etwa in Nürnberg die komplette Spanne vom Gratis-Konto (PSD Bank Nürnberg) bis zum Premium-Preis (Raiffeisenbank Knoblauchsland eG, Nürnberg-Buch, 9,90 Euro/Monat).

Volatil ist das Pricing auch in Düsseldorf (3 bis 9 Euro/Monat), während in Bremen – nicht gerade als das ökonomische Kraftzentrum unter Deutschlands Großstädten bekannt – die Banken zwischen 5,90 und 8 Euro je Girokonto durchsetzen können.

Nürnberg (⌀ 5,22 Euro)

PSD Bank Nürnberg PSD Girodirekt 0
Evenord Bank, Nürnberg e-Onlinekonto 2,9
VR Bank Metropolregion Nürnberg VR Giro Direkt 4,9
Raiffeisenbank im Nürnberger Land VR-PrivatKonto Klassik 4,95
Sparda Nürnberg Sparda Giro 5
Sparkasse Nürnberg Konto Komplett 8,9
Raiffeisenbank Knoblauchsland, Nürnberg-Buch VR-Privatkonto + 9,9

Düsseldorf (⌀ 5,61 Euro)

Volksbank Düsseldorf Neuss Online-Girokonto 2,99
Stadtsparkasse Düsseldorf Vorteilskonto Pur 4,9
Kreissparkasse Düsseldorf S-Giro Inklusiv 8,95

Bremen (⌀ 6,60 Euro)

Bremische Volksbank Online Konto 5,9
Volksbank Bremen-Nord VR-InternetKonto 5,9
Sparkasse Bremen Bremer Konto 8

Bielefeld (⌀ 6,70 Euro)

Volksbank Bielefeld-Gütersloh Smart/Plus Konto 5,5
Sparkasse Bielefeld Sparkassen-Girokonto 7,9

 



4.) Die drei Oligopolpreis-Städte: Hamburg, Köln, Duisburg

Echte Preissetzungsmacht haben die Banken unserer kleinen Stichprobe zufolge vor allem in Hamburg, Köln und – Duisburg. Dabei zieht in Hamburg die Sparda-Bank mit ihrem Gratis-Konto den Durchschnitt noch nach unten; die großen lokalen Institute Hamburger Volksbank und Hamburger Sparkasse rufen 9,95 Euro/Monat respektive 7,95 Euro/Monat auf, die Sparkasse Harburg-BUxtehude ebenfalls 9,90 Euro/Monat.

Ähnlich ist die Lage in Köln, und das auf breiter Front: Unter 9 Euro/Monat (!) geht dort bei den meisten Instituten nichts für ein pauschales Konto. Bei der Kreissparkasse Köln ist man seit kurzem gar zweistellig.

In Duisburg wiederum müssen sich die zwei Akteure aus dem Sparkassen- bzw. Genossenlager keiner allzu großen Konkurrenz stellen. Das nutzen sie offenbar leidlich aus: 7,90 Euro/Monat ist der höchste Mindestpreis aller Großstädte.

Hamburg (⌀ 6,95 Euro)

Sparda-Bank Hamburg Sparda Giro (als Gehaltskonto) 0
Hamburger Volksbank VR NetKonto 7,95
Sparkasse Harburg-Buxtehude Privatgirokonto [giro best] 9,9
Hamburger Sparkasse Haspa Joker 9,95

Köln (⌀ 8,61 Euro)

Volksbank Rhein-Erft-Köln VR GiroDirekt 5,9
PSD Bank West PSD GiroPremium 7,9
Pax Bank PaxGiroKomfort 9
Sparkasse KölnBonn Giro Privat Komfort 9
Volksbank Köln Bonn Privat Giro Komfort 9
Volksbank Dünnwald-Holweide VR-KomfortKonto 9,5
Kreissparkasse Köln Pauschalkonto 10

Duisburg (⌀ 8,69 Euro)

Volksbank Rhein-Ruhr Girokonto 7,9
Sparkasse Duisburg Girokomfort 9,48

 



 

 



*Disclaimer:

  • Die Daten sind nur grob indikativ zu verstehen.
  • Die Grundgesamtheiten unterscheiden sich teils drastisch. So lassen sich in manchen Städten wie Nürnberg sieben, in anderen wie Duisburg aber nur zwei Banken identifizieren. Kleinere Grundgesamtheiten und Extremwerte (0-Euro-Konten) machen darüber hinaus statistische Ausreißer wahrscheinlich.
  • Die Bepreisung von Girokarten blieb außen vor; gelegentlich ist sie inkludiert, in anderen Modellen kostet sie extra
  • Die Werte sind nicht gewichtet, das heißt, die Größen der Banken spielen keine Rolle, ebenso blieben Feinheiten wie die Kartenbepreisung außen vor.
  • Keine Angaben zum Pricing machten auf ihrer Internetseite: Raiffeisenbank München Nord, PSD Bank Hannover.
  • Keine ausreichend große Grundgesamtheit lokaler Banken gibt es in Bonn, Münster und Wuppertal.

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