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Zinswende??? Auf der Aktivseite von Banken und Sparkassen sieht man wenig davon

Naaa, liebe Leserinnen und Leser, an den Lippen welcher Chefvolkswirtin, welches EZB-Watchers bzw. welches Top-Ökonomen hängen Sie denn so den lieben, langen Tag? Und hat sie/er Ihnen schon verraten, wie das heute Mittag ausgehen wird im Ostend? Wird diesmal ja (ausnahmsweise) echt spannend. Erhöht die EZB den Leitzins wirklich noch ein weiteres Mal? Oder lässt sie’s für den Moment gut sein? Niemand weiß es. Nicht mal Herr Brzeski und Frau Köhler-Geib*. Und erst recht nicht die makroökonomischen Taugenichtse aus der Finanz-Szene-Redaktion. Dafür allerdings – oha!, oha!, oha! – wissen wir hier etwas anderes. Nämlich: Wer neuer Bundestrainer wird. Dass das mit dem Zinsentscheid etwas wurstig formuliert eigentlich völlig wurscht ist. Zumindest, liebe Leserinnen und Leser in den Bankinnen und Banken, was die einstweilige Verzinsung Ihres Aktivgeschäfts angeht.

Ganz simpel, aber leider auch ziemlich eindrücklich lässt sich dies am Beispiel der privaten Baufinanzierung illustrieren. Denn, raten Sie mal bitte: Wie hoch war per Juni 2021 (also unmittelbar vor der EZB-Zinswende) der durchschnittliche effektive Zinssatz auf das branchenweite Wohnimmobilien-Kreditvolumen bei Darlehen mit einer Restlaufzeit von mindestens fünf Jahren??? (Zur Einordnung: Wir reden hier von Krediten im Umfang von 1,4 Billionen Euro.) Lösung: Er betrug laut Bundesbank-Daten exakt 1,85%. Und wo lag der nämliche Durchschnitts-Zinssatz im Juli 2023, also handgestoppte neun EZB-Zinserhöhungen später? Nun, da waren es 1,83%, also zwei Basispunkte weniger. Kommt einem im ersten Moment maximal kontraintuitiv vor. Lässt sich aber natürlich – wenn man kurz drüber nachdenkt – durchaus erklären: 1.) Es wird viel zu wenig Neugeschäft geschrieben; 2.) Niemand da draußen sondertilgt noch; und 3.) Bis auf weiteres fliegen Monat für Monat noch unschön viele Kredite aus der Prä-Zinsverfall-Ära aus den Beständen. Sprich: Banken und Sparkassen verlieren in grob gesagt dem gleichen Umfang lukratives Ganz-Alt-Geschäft, wie sie lukratives Neugeschäft hinzugewinnen.

Nun heißt das natürlich alles nicht, dass die Zinswende für die allermeisten Geschäftsbanken da draußen nicht trotzdem ein Segen ist. Jedoch für den Moment vor allem im Passivgeschäft; kaum im Aktivgeschäft. Und, klar: Bei den 1,83% wird’s nicht bleiben. In nicht allzu ferner Zukunft wird in den entsprechenden Buba-Statistiken eine „2“ vor dem Komma stehen und eines noch ganz fernen Tages womöglich sogar eine „3“. Das Problem aber ist: Nicht nur bei den Krediten wird’s raufgehen mit den effektiven Durchschnittszinsen. Sondern bei den Einlagen natürlich auch. Und dass die angenehmen Effekte auf der Aktivseite die unangenehmen Effekte auf der Passivseite letztlich überwiegen, das ist keinesfalls ausgemacht. Denn zumindest am kurzen Ende geht bei der Refi ja durchaus jetzt schon die Luzi ab mit einem Plus von (gemessen jeweils ab dem Tiefpunkt) 35 Basispunkten bei den täglich fälligen Einlagen und von sogar 280 Basispunkten bei Fristeinlagen mit maximal einjähriger Laufzeit.

So gesehen: Wir haben, wie gesagt, keine Ahnung, wie das ausgehen wird heute Mittag im Ostend. Welchen Ausgang sich allerdings ganz, ganz viele von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, insgeheim wünschen – das glauben wir sehr wohl zu wissen …

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*In der Ursprungsfassung dieses Artikels firmierte Frau Köhler-Geib versehentlich und peinlicherweise als Frau Köhler-Gelb. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.   

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