Exklusiv

Comdirect stampft ihren digitalen Versicherungsmakler ein

6. Oktober 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Rückschlag für das Provisionsgeschäft der Commerzbank: Nur 24 Monate nach dem Launch des „comdirect Versicherungsmaklers“ wird das mit großen Hoffnungen verbundene Bancassurance-Projekt bereits wieder eingestampft. „Leider werden wir die Online-Plattform und den gesamten Geschäftsbetrieb noch in diesem Jahr einstellen“, heißt es in einem Kundenschreiben, das uns einer unserer Leser-Reporter zur Verfügung gestellt hat. Die eigens gegründete „comdirect Versicherungsmakler AG“ bleibt als Gesellschaft einstweilen bestehen, beendet allerdings die Maklertätigkeit, wie ein Sprecher auf Nachfrage von Finanz-Szene.de mitteilte.

Die Geschäftsaufgabe dürfte schlicht damit zusammenhängen, dass die Comdirect als Brokerage-Spezialist es nicht geschafft hat, genügend Kunden für das Bancassurance-Produkt zu gewinnen. In der Stellungnahme uns gegenüber verwies die Commerzbank gestern auf die bestehende Vertriebspartnerschaft mit der Allianz: „Die Umsetzung zweier Versicherungslösungen im Konzern soll mit dem Ziel der Komplexitätsreduktion und aus ökonomischen Erwägungen nicht fortgeführt werden.“

Die Entscheidung der Commerzbank nährt Zweifel am digitalen Bancassurance-Modell ganz generell. Eigentlich hatte die Kreditwirtschaft darauf spekuliert, dem alten „Allfinanz“-Gedanken im Zuge der Digitalisierung neues Leben einzuhauchen. Dementsprechend setzten fast alle namhaften Banken in den vergangenen Jahren irgendwelche digitalen Vertriebskooperationen für Versicherungspolicen auf – die Deutsche Bank zum Beispiel mit dem Fintech Friendsurance, die ING Diba mit dem Fintech Clark, die Sparkassen sogar mit verschiedenen Partnern. So richtig durchgestartet ist allerdings keiner dieser Ansätze:

Die Folge: Der einstige Fintech-Partner etlicher Banken (nicht nur der ING Diba, sondern auch der DKB und anfangs auch der Sparkassen), also das schon erwähnte Frankfurter Fintech Clark, hat sich aus dem B2B-Geschäft weitgehend zurückgezogen – und ist ironischerweise als B2C-Makler zu einem der aussichtsreichsten deutschen Finanz-Startups aufgestiegen. Die aus Sicht der Kreditwirtschaft bittere Botschaft dieser Entwicklung: Die Fintechs brauchen die Kooperationen mit den Banken vielleicht gar nicht, sondern finden ihre Kunden sogar leichter (und letztlich lukrativer) in freier Wildbahn.

Die Marktführerschaft im digitalen Bancassurance-Bereich ist derweil (so jedenfalls unser Eindruck) auf die JDC Group übergegangen, ein in Wiesbaden ansässiger Finanzdienstleister, der in der Versicherungsbranche lange Zeit vor allem für seinen Maklerpool „Jung, DMS & Cie“ bekannt war. In den zurückliegenden zwölf Monaten hat die JDC Group beide großen Sparkassen-Versicherer als Vertriebspartner gewonnen, nämlich die Provinzial und die Versicherungskammer Bayern. Zwei Prestige-Mandate, die es allerdings erst noch zu monetarisieren gilt.

Der Rückzug der Comdirect freilich bedeutet einen Rückschlag auch für die JDC Group. Die nämlich ist bzw. war auch der B2B-Partner hinter dem „comdirect Versicherungsmakler“. Immerhin können die Wiesbadener nun darauf spekulieren, zumindest ein paar Comdirect-Kunden zu erben. In dem eingangs erwähnten Kundenschreiben nämlich heißt es:

„Sie möchten das gewohnte Leistungspaket weiterhin nutzen? Dann ist der erfahrene Vorsorgeexperte JDC plus für Sie da: der Mutter Konzern von JDC plus ist bereits unser Kooperationspartner beim Comdirect Versicherungsmakler und bietet Ihnen auch künftig das bekannte Leistungspaket […] JDC plus schickt Ihnen Anfang Oktober 2021 eine E-Mail mit einem Link für die Registrierung, und wenn Sie möchten, dann vergeben Sie ein Passwort – ihre persönlichen Daten sind bereits hinterlegt.“

Na dann.

So geriet der „Versicherungsmanager“ der Sparkassen zum Endlos-Projekt

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