Exklusiv

Consorsbank plant neue Gebührenmodelle für Girokonten

20. April 2020

Von Christian Kirchner

Die viertgrößte deutsche Direktbank Consorsbank plant nach Finanz-Szene.de-Informationen eine vollständige Überarbeitung ihrer Gebührenstruktur für Girokonten. Anstelle des bislang kostenlosen Angebots sollen künftig vier verschiedene Konto- und Gebührenmodelle treten, deren genaue Ausgestaltung und vor allem Bepreisung derzeit in Marktforschungstest ermittelt wird. Die „alte“ Consorsbank hat in Deutschland rund 1,4 Mio. Kunden. Hinzu kommen noch rund 200.000 Kunden der einstigen DAB Bank, die 2015 übernommen und mittlerweile auf Consors verschmolzen wurde. Damit liegt die Tochter der französischen BNP Paribas bei den Direktbanken hierzulande hinter DKB, ING Deutschland und Comdirect auf Platz vier.

Laut Finanz-Szene.de vorliegenden Kunden-Befragungen geht es in den laufenden Tests um vier Modelle mit Namen „Pure“, „Essential“, Unlimited“ sowie „Ultimate“: Kostenlos soll demnach nur ein in den Leistungen stark eingeschränktes „Pure“-Modell bleiben. Hier gäbe es den Markttests zufolge nicht mal mehr eine Girocard, sondern nur noch eine digitale Debitkarte. Am anderen Ende der Skala befindet sich das Modell „Ultimate“. Hier testet Consors, ob bei den Kunden eine Zahlungsbereitschaft für bis zu 15 Euro pro Monat besteht.

In diesem Modell stellt die Bank neben Kredit- und Debitkarte einen besseren Support („Schnellere Beantwortung von Anrufen und E-Mails“) sowie diverse Versicherungen und Extra-Leistungen in Aussicht. Darunter sind Reiserücktritts- und Auslandsreise-Versicherungen, ein Handy- und Internet-Schutzbrief sowie Incentives der Rubrik „Financial Fitness“. Dazu zählt die Bank in den Marktforschungstests Gratifikationen für den Karteneinsatz sowie ein automatisiertes „Überschusssparen“.

Ein Sprecher der Consorsbank bestätigte die Authentizität der Marktforschung, betonte aber, dass noch keine Entscheidungen hinsichtlich der endgültigen Ausgestaltung der neuen Angebote gefallen seien und diese auch nur für Neukunden gelten sollten. „Richtig ist, dass die Consorsbank darüber nachdenkt, wie sie ihr derzeitiges Kontenangebot ausbauen kann. In diesem Rahmen betreiben wir auch Marktforschung, deren Ergebnisse in die Gestaltung einfließen werden. Die Anzahl der Modelle, der konkrete Umfang und das Pricing stehen noch nicht fest.“

Klar ist allerdings: Die Tests der neuen Kontomodelle sind ein Indiz, dass die Bank insbesondere im Kontenbereich einen Strategieschwenk benötigt. Denn von den 1,6 Mio. Kunden (diese Zahl ist seit 2015 unverändert) haben nur 310.000 ein Girokonto bei der Consorsbank. Die übrigen großen Direktbanken sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen: Die DKB gewann seit 2015 gut 1 Mio. Kunden auf aktuell 4,4 Mio. Kunden hinzu, die deutsche ING 1 Mio. Kunden auf nunmehr 9,5 Mio. Kunden.

Hier noch ein paar Auffälligkeiten der Consors-Kontomodelle laut Befragung:

  • Wie schon bei den Rivalen ING und DKB taucht der Geldeingang von 700 Euro als entscheidende Hürde für ein dann gebührenfreies Kontomodell mit dem Namen „Essential“ ein. Ansonsten soll der Tarif bei 4 Euro je Monat liegen. Das Modell umfasst dann lediglich Basisleistungen einer Debit-Card und kostenlosem Abheben
  • Consors will – anders als DKB oder ING – auf Premium-Kontomodelle setzen
  • Consors scheint das Vertrauen in die Girocard zu verlieren. Denn alle getesteten Modelle umfassen eine Debitcard (im einfachsten Modell „Pure“ eine virtuelle), hingegen ist die Girocard lediglich noch in den Modellen „Unlimited“ (in vom Finanz-Szene.de eingesehenen Test mit 9 Euro pro Monat bepreist) und „Ultimate“ enthalten. Im Modell „Essential“ soll die Karte zusätzlich 12 Euro pro Jahr kosten.
  • Die Preisübersicht erinnert an das klassische „Freemium“-Geschäftsmodell, mit dem Neobanken wie N26 Erfolge agieren
  • Consors sieht rasche Erreichbarkeit und schnelle Beantwortungen von Serviceanfragen als „Premium“-Dienstleistung ansieht. Ziemlich ehrliche Ansage. Die DKB hatte ihren Kundenservice jüngst von 24/7 auf eine Erreichbarkeit nur von 7 bis 19 Uhr reduziert (siehe hier) – faktisch eine Reduktion der Netto-Servicezeiten um rund 65%. Onvista strich den Telefonsupport komplett (siehe hier).
  • Consors scheint in der Marktforschung insbesondere an der sogenannten Preiszahlungs-Bereitschaft interessiert zu sein. So lässt die Bank unter anderem testen, ob Kunden für das Modell „Unlimited“ inklusive der Versicherungsleistungen 6 Euro, 7 Euro oder 9 Euro bezahlen würden.

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