Leser-Blog

Das Beispiel N26 lehrt: Banken brauchen nicht noch mehr Banker

7. Oktober 2020

Von Marcus W. Mosen*

Darf eine Digitalbank einen Nichtbanker zum Produktchef machen? Diese sophistische Frage schwang letzte Woche unverkennbar mit im Artikel „Wie N26 das Spannungsfeld von Produkt und Regulierung auslotet„.

Als digital-affiner Mensch beantworte ich die Frage natürlich mit ”Ja“. Allerdings bin ich als Beiratsmitglied von N26 vielleicht nicht der objektivste Kronzeuge. Schauen wir daher, wie andere die Frage beantworten. Zum Beispiel die Deutsche Bank. Die nämlich hat letztes Jahr Bernd Leukert als CTO in den Vorstand berufen, der zuvor über 25 Jahre in der IT gearbeitet hat – definitiv kein Banker! Oder die Solarisbank. Die hat dieses Jahr Jörg Howein in den Vorstand berufen, der in seinem früheren Leben als IT-Berater technologiegetriebene Projekte verantwortet – also auch kein Banker!

Sowohl die Deutsche Bank als auch die Solarisbank werden bei der Berufung dieser Vorstände von dem Gedanken getrieben gewesen sein, dass die Bankenwelt von morgen ein vielfaches Mehr an digitaler Expertise und Mindset benötigt, als nur das Wissen um Fristenkongruenz und Lombard-Zins, wenn man denn im internationalen (Banken-)Wettbewerb und auch gegenüber den globalen Technologieplattformen bestehen will. Von daher hat der im N26-Artikel letzte Woche ausgiebig zitierte N26-Manager Thomas Grosse absolut recht, wenn er die Fokussierung nur auf Regelwerke als Ursache für fehlende Innovationen und strukturelle Probleme mancher Banken benennt.

Die entscheidende Frage, die sich dem deutschen Bankgewerbe und damit auch der Bafin stellt, lautet, ob Produkte einer digitalen Bankenwelt nur im Kredit- und Einlagengeschäft fußen. Die Erfahrungen der Bankenkrise und die Herausforderungen, denen sich Banken in einer digitalen Welt stellen müssen, sind eben nicht nur mit den Mechanismen „Kredit“ versus „Spareinlage“ zu lösen. N26 ist diese Erkenntnis nicht neu, sondern Teil der DNA als Neo-Bank, die ihre Produkte in ganzheitlichen digitalen Prozessen und Plattformen denkt und entwickelt bei vollständiger Beachtung aller regulatorischer Anforderungen.

Als Beirat der N26 Bank weiß ich, dass N26 mit Markus Gunter und Richard Groeneveld zwei sehr fähige und erfahrene Geschäftsleiter hat, die der Bank in Vollzeit vorstehen und über alle Anforderungen verfügen, die seitens des KWG an diese Funktion gestellt werden. Zudem gibt es im Senior Management von N26 zahlreiche Personen, die langjährige Bankerfahrung besitzen und die in die Entwicklung aller bankrelevanten Produkte im Vorfeld involviert sind.

Anstatt zu fragen, ob der Produktchef einer Bank einer Banker sein sollte, müsste man umgekehrt fragen, ob digitale Innovation in einem oft als verkrustet wahrgenommenen Bankensektor überhaupt von einem Banker durchgeführt werden kann? Ich bin gespannt auf die Antworten!


*Marcus W. Mosen ist stellvertretender Vorsitzender des Beirats der N26 Bank GmbH und auch regelmäßiger Gastautor bei Finanz-Szene.de

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