Kurz gebloggt

Wie N26 das Spannungsfeld von Produkt und Regulierung auslotet

1. Oktober 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Nachdem wir am Dienstag an dieser Stelle die Frage aufwarfen, ob es sich beim künftigen N26-Produktchef wohl wieder um einen expliziten Nicht-Banker handeln wird, erreichte uns ein Anruf aus Berlin. Doch der Reihe nach.

  1. N26 hat (was wir nicht wussten) einen amtierenden Produktchef – und das ist, wenn man so will, tatsächlich ein früherer Banker, nämlich der ehemalige Deutsche-Bank(sic!)-Praktikant und spätere N26-Gründer Valentin Stalf. Dieser verantwortet derzeit interimsweise (ein Hoch aufs Mikromanagement!) auch das Produktteam.
  2. Nun zum Anruf: Auch wenn der neue Produktchef angeblich noch nicht feststeht, lässt sich N26 trotzdem schon mal on the records zitieren, auch der neue Produktchef werde wieder ein Nicht-Banker sein.
  3. Überrascht das? Nicht wirklich. Das Berliner Fintech verfolgt nämlich einen sehr speziellen Ansatz (und das meinen wir überhaupt nicht wertend), wenn es darum geht, das Spannungsfeld von „Produkt“ und „Regulierung“ auszuloten.

Sehr prägnant auf den Punkt gebracht hat das der „N26 Chief Banking Officer“ Thomas Grosse jüngst in einem sehr erhellenden Beitrag für das Buch „Köpfe der digitalen Finanzwelt“*. Er schreibt:

„Ich glaube eher, dass die intensive und jahrzehntelange Auseinandersetzung mit Regeln und gesetzlichen Vorgaben das kreative Denken von Bankorganisatoren stark eingeschränkt hat bzw. in ein gedankliches Korsett gedrängt hat. […] Meine persönliche Erfahrung zum Beispiel bei Wüstenrot [Anm. der Red.: Dort hat Grosse früher gearbeitet] war, dass genau dieses Mindset dazu geführt hat, dass zu wenig innovative Lösungen entwickelt wurden. N26 versucht das Problem interessanterweise dadurch zu lösen, dass Produktentwicklung sowie die IT bzw. der Tech-Bereich organisatorisch komplett aus der eigentlichen Bank herausgelöst ist. Auch ist das Produktmanagement sehr divers und überproportional von Nichtbankern besetzt. Dies stärkt insgesamt die Innovationsfähigkeit und das Austesten von Ideen jenseits der traditionellen Banklogik. Natürlich hat diese Aufstellung nicht nur Vorteile, da das notwendige Banken-Konwhow über einen eng vernetzten Produktentwicklungsprozess einfließen muss. Insgesamt ist es ein Ansatz, der für N26  bis jetzt aber gut funktioniert.“

Wie toll die Bafin dieses „regulatorische Mindset“ findet, wie Grosse es nennt – das steht freilich auf einem anderen Blatt.


* „Köpfe der digitalen Finanzwelt“, Springer Gabler, 2020

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