Drama um Neobroker-Börse: Lang & Schwarz crasht um 36%

25. August 2021

Von Christian Kirchner

Drama um den Handelspartner von Trade Republic und etlichen weiteren Brokern: Das Düsseldorfer Wertpapierhaus Lang & Schwarz (L&S) hat am Dienstagabend seine für Donnerstag geplante Hauptversammlung abgesagt und eine massive Gewinnwarnung herausgegeben. Für mögliche „steuerliche Änderungs- oder Haftungsbescheide“ für die Jahre 2008 und 2009 seien vorsorglich 45 Mio. Euro an Rückstellungen gebildet worden, heißt es in der Mitteilung. Der Aktienkurs brach noch am Abend um 36% ein.

Lang & Schwarz gab als unmittelbaren Anlass für die Veröffentlichung der Pflichtmitteilung den Erhalt eines „Zwischenberichts über steuerstrafrechtliche Ermittlungen“ an. Die Formulierungen in dem Statement deuten – ohne dass der Begriff explizit fällt – darauf hin, dass die Ermittlungen in Zusammenhang mit „Cum-Ex“ stehen könnten. So ist wörtlich von einem „Auskunfts- und Herausgabeersuchens gegen verantwortliche Personen der Lang & Schwarz AG“ wegen des „Verdachts unrechtmäßiger Anrechnung bzw. Erstattung nicht gezahlter Kapitalertragsteuern und Solidaritätszuschläge bei Aktiengeschäften um den Dividendenstichtag“ die Rede. Gegenstand der laufenden steuerlichen Prüfung sei eine Untersuchung der Geschäfte in den Jahren 2007 bis 2011. Bei den „Cum Ex-Deals“ waren die handelnden Akteure stets auch auf Wertpapier-Dienstleister angewiesen, die ihnen Aktien rund um den Dividendenstichtag auf dem Wege einer Aktienleihe besorgten, um anschließend mehrfach Steuererstattungen beantragen zu können.

Noch in der Mitteilung selbst argumentiert Lang & Schwarz: „Im Einklang mit einer 2015 beanstandungsfrei abgeschlossenen Konzernbetriebsprüfung für die Jahre 2008 bis 2010 hält der Vorstand eine Beanstandung der Geschäfte für alle betreffenden Jahre insgesamt für unbegründet“.  Als Wertpapierhandels-Unternehmen habe man in einem regulierten und überwachten Markt  „stets unbeanstandet Wertpapierdienstleistungen erbracht (…), ohne Identität und Umstände seiner Gegenpartei zu kennen.“

Lang & Schwarz ist Handelspartner im außerbörslichen Direkthandel bei Online-Brokern und Neobrokern wie Comdirect, Trade Republic, Maxblue, Consors, Flatex und etwa einem Dutzend weiterer Institute. Aufgrund des massiven Trading-Booms und eines entsprechenden Umsatz- und Gewinnanstiegs hatte sich die Aktie des Düsseldorfer Unternehmens zwischen Anfang 2020 und Anfang 2021 zeitweise verdreizehnfacht (!). Die Marktkapitalisierung stieg auf zeitweise knapp eine halbe Mrd. Euro. nach dem gestrigen Rutsch beträgt die Bewertung aber nur noch 260 Mio. Euro.

Nach Angaben von Lang & Schwarz kann die Rückstellung aus dem Konzerngewinn des ersten Halbjahrs 2021 gebildet werden. Dieser betrug 48 Mio. Euro nach 14 Mio. Euro im Vorjahr. Die maximale Ergebnisbelastung durch die Vorkommnisse gibt Lang & Schwarz mit 61 Mio. Euro für die Jahre 2007 bis 2011 an.

Es ist nicht der erste Zoff zwischen Lang & Schwarz und dem Fiskus. Zuletzt war es um die Möglichkeiten der steuerlichen Gegenrechnung von Gewinnen und Verlusten gegangen – da allerdings mit gutem Ende für das Düsseldorfer Wertpapierhaus.

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