Exklusiv

Hier kommen das Pricing und die Strategie der Check24 Bank

28. September 2020

Von Christian Kirchner

Es ist das spannendste und potenziell disruptivste Retailbanking-Projekt des Jahres – die „C24 Bank“ von Check24. Rückblick: Vor gut einem Jahr hatte Finanz-Szene.de gescoopt, dass der Münchner Vergleichsriese einen Antrag auf Erteilung einer Vollbank-Lizenz gestellt habe. Im Mai berichteten wir dann erneut exklusiv, die Bafin habe besagte Lizenz erteilt, für Oktober sei der Launch geplant. Und nun? Ist nicht bald Oktober???

Richtig!!! Und tatsächlich verdichten sich die Anzeichen, dass der Marktstart der C24 Bank bevorsteht. Seit einigen Wochen schon – so hat Finanz-Szene.de spitzgekriegt – durchläuft das neue Angebot einen „Beta-Test“. Uns liegen das Preis- und Leistungsverzeichnis sowie weitere Informationen vor, die erste Rückschlüsse auf die (mutmaßliche) Strategie erlauben. Wie sieht das Angebot der C24 Bank konkret aus? Was kostet es? Und wie will Check24 den etablierten Banken die Girokonto-Kunden abjagen? Ein ausführliches FAQ:

Wie ist das Kontoangebot grundsätzlich aufgebaut?

Die neue C24-Bank bietet das im Girokonto-Markt übliche Trio aus einem Basiskonto, einem Standard-Konto und einem Premium-Konto an. Das Basiskonto trägt den Namen „C24 Smartkonto“ und ist kostenlos. Hinzu kommen das „C24 Pluskonto“ für 5,90 Euro im Monat und das „C24 Maxkonto“ für 9,90 Euro.

Alle drei Kontenmodelle haben die gleichen kostenlosen Basis-Features aus Buchungen, Auszügen, Rechnungsstellungen und Jahresabschlüssen sowie Ausgabenanalysen und Vertragsanalysen. Hinzu kommen im Basismodell je vier kostenlose Unterkonten („Pockets“) und bei aktiver Nutzung vier kostenlose Abhebungen pro Monat. Beim Premium-Konto sind es je acht „Pockets“ und Abhebungen.

Interessant ist, dass Check24 auf jede Form von „Verwahrentgelt“ verzichtet – in allen Modellen und unabhängig von der Höhe der Einlagen.

Hier die Übersicht der wichtigsten Features:

C24 Smartkonto C24 Pluskonto C24 Maxkonto
Preis/Monat 0 € 5,90 € 9,90 €
Unterkonten/Pockets 4 6 8
Sofortdispo 400 € 600 € 800 €
Abhebungen kostenlos 4 / Monat in Euro-Raum* 6 / Monat im Euro-Raum 8 / Monat im Euro-Raum
Fremdwährungseinsatz 1,75% 1,75% kostenlos
Instant Payments nein nein nein
Karte Mastercard Debit Mastercard Debit Mastercard Debit
Dispokredit in % 6,99% 6,99% 6,99%
Verwahrentgelt 0% 0% 0%
Versicherungen Versicherungspaket

Wo ist Check24 im Wettbewerb damit positioniert?

Auf den ersten Blick ähnelt das Modell dem N26 angelehnt, einer ebenfalls filiallos agierenden Neobank. Wie N26 bietet die C24 Bank ein kostenloses Basiskonto, in dem die aus Kundensicht wichtigsten Features schon dabei sind. Und wie bei N26 bepreist C24 dann viele kleine Extras wie Versandpauschalen, Rückläufer, Mahnungen – bis hin zum Kartenersatz, der in der teuersten Kontovariante luftige 99 Euro (!) kostet.

Eine klare Kampfansage auch in Richtung N26 und andere Wettbewerber ist das Pricing der höherwertigen Kontomodelle. Für den gleichen Preis, für den N26 sein Standardkonto „N26 You“ anbietet – 9,90 Euro im Monat – , bringt die C24 Bank ihr Premium-Konto in den Markt.

Die C24-Strategie ist damit in doppelter Hinsicht bemerkenswert: Zum einen haben sich in den vergangenen Monaten immer mehr Banken vom Kult um das kostenlose Girokonto verabschiedet und es entweder gesondert bepreist oder die Gebührenfreiheit an Bedingungen geknüpft (siehe auch hier). Zum anderen bricht C24 mit dem Trend, Premium-Kontomodelle im Preisbereich um 14 bis 17 Euro anzusiedeln. Es kosten beispielsweise nach den jüngsten Preisrunden pro Monat:

  • das N26 Metal-Konto: 16,90 Euro
  • Revolut Girokonto Metal: 13,99 Euro
  • das Tomorrow Zero Konto: 15 Euro
  • das DB Best Konto: 13,90 Euro
  • das HVB Exklusiv-Konto: 14,90 Euro
  • Haspa Joker Premium: 16,90 Euro.

Daran gemessen sind die 9,90 Euro von Check24 ein Kampfpreis.

Wie sieht die Karten-Strategie aus? 

Sehr simpel: Eine Debitcard von Mastercard muss es richten – und zwar in allen Kontomodellen. Es gibt laut Preis-Leistungs-Verzeichnis weder eine Girocard noch eine Maestro-Karte, aber eben auch keine „echte“ Kreditkarte in Form einer Charge-Karte, auch nicht im Premium-Segment des „C24 Maxkontos“.

Das ist ein Prestigeerfolg für Mastercard und eine Niederlage (nicht nur für Visa, sondern auch …) für die Girocard. Denn offenbar hält es Check24 nicht für nötig, ein Hybridmodell zu fahren, um auch jene Kunden zu bedienen, die routinemäßig lieber zur Girocard oder Maestro greifen.

Der Verzicht auf eine Kreditkarte erleichtert aus Bankensicht das Risikomanagement, denn die Karteneinsätze werden sofort in Abzug gebracht. Zugleich birgt die Beschränkung auf die Debitkarte allerdings auch Nachteile: Gerade im Premium-Segment haben viele Kunden die Erwartung, eine echte „Charge Card“ zu erhalten, da manche Akzeptanzstellen wie etwa Autovermieter eine solche Karte zwingend voraussetzen.

Wo will sich Check24 in einem gesättigten Markt von der Konkurrenz abheben?

Ganz offenbar nicht nur über den Preis. Sondern:

  • Was wir erkennen können, deutet darauf hin, dass sich die C24 Bank auch als Multibanking-Aggregator abheben will.
  • Darum sollen offenbar auch die hauseigenen Vergleichsangebote in die Bank integriert werden.

Hierzu unter dem folgenden Stichwort mehr …

Was sind Angebote, die über das einer klassischen Bank hinausgehen?  

  • Im Standard- sowie dem Premium-Modell ist ein noch nicht näher definierter „Arag-Konto- und Käuferschutz“ enthalten, im Premium-Kontomodell zusätzlich eine „Check24 Club Gold Reise“-Mitgliedschaft. Diese umfasst ein Versicherungspaket für den Reiseunfallschutz und Reise-Krankenversicherung.
  • In allen Kontomodellen bietet die C24 Bank so genannte „Cashback“-Aktionen an, wobei diese im einfachen Kontomodell aktionsabhängig sind und in den anderen pauschal bis 10 Euro bzw. 30 Euro im Monat möglich sind.
  • Der Multibanking-Ansatz läuft offenbar darauf hinaus, dass die Kunden dazu gebracht werden sollen, alle ihre Konten, Depots, Kreditkarten und Bausparverträge zentral von der C24 Bank zentral bündeln zu lassen. Es ist im Grunde die gleiche Idee, die Check24 auch als Vergleichsportal verfolgt: Die Münchner wollen sich als zentraler Verwalter möglichst vieler Verträge (Strom, Gas, Handy, DSL …) ihrer Kunden positionieren.
  • Die Verknüpfung zwischen der C24 Bank und dem Check24-Vergleichsportal sieht aus, dass die Vergleichsrechner in das Kontoangebot eingebunden werden, optional (also per Opt-in) können die Kunden aller Modelle einen „Vertragsmanager“ zuschalten, der die Kontoumsätze analysiert.

Hier schält sich dann die Strategie heraus, die viele Banken und Sparkassen fürchten dürften: Die Aggregator-Rolle, die Check24 als Vergleichsportal anstrebt, ist nun allem Anschein nach auch das strategische Leitziel der C24 Bank: Die Münchner wollen die Kundenschnittstelle besetzen.

Die Modelle befruchten sich dabei gegenseitig: Die C24 Bank kann aus den Check24-Kunden (provisionsträchtige) Bankkunden machen, die C24 Bank wiederum liefert „Leads“ für die provisionsstarken Vergleichsrechner. Gut möglich, dass genau hier auch der Grund liegt, warum C24 seine Kontenmodelle recht preisaggressiv gestalten kann: Die Provision schon eines einzigen lukrativen Vertragswechsels in einem Bereich wie DSL, Handy, Strom oder Kredit (!!!) dürfte kompensieren, was an Gebühren fehlt.

Wo ist der größte Trumpf?

Ganz klar in den vermutlich sehr niedrigen Kundenakquisitionskosten. Das Check24-Portal verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 15 Millionen Kunden, die sich unmittelbar ansprechen lassen. Üblicherweise tragen Banken dem Vernehmen nach niedrige bis mittlere dreistellige Beträge zu Check24, um Neukunden zu generieren. Die Münchner haben nun alternativ die Möglichkeit, die Wechselinteressierten zu Kunden der hauseigenen Bank zu machen. Die niedrigen Akquisitionskosten (auf Basis der 2017er Zahlen errechneten wir einmal 20 Euro bei N26, siehe hier) waren übrigens auch einer der Schlüssel des frühen N26-Erfolgs.

Wo ist der Haken?

Check24 ist spät dran und betritt einen gesättigten Markt, in dem viele Banken ihr Neukundenwachstum drastisch bremsen, etwa die ING Deutschland (siehe hier) oder die Commerzbank (siehe hier). Der industrielle Trend geht eher in die Richtung, die typischen Kontohopper über Mindesteingänge und die Abschaffung kostenloser Konten abzuschrecken und unrentable Kunden „auszusteuern“, wie das im Branchenjargon genannt wird.

Die Frage ist daher, ob es der C24 Bank gelingt, hinreichend rentable Kunden zu gewinnen – und hier vor allem Kunden, die die C24-Konten als Erstbankverbindung nutzen, wo die mit Abstand höchste Wertschöpfung stattfindet (rund 2/3 des Customer Lifetime Values). Die Gefahr ist, zu viele jener „Hopper“ zu gewinnen, die für die kostenlosen Leistungen wie den vier kostenlosen Abhebungen pro Monat und den Unterkonten ein Konto eröffnen, aber ansonsten keine Leistungen in Anspruch nehmen. Es dürfte daher spannend werden, wie selektiv die C24 Bank bei der Annahme (und später auch bei der „Aussteurung“) von Kunden sein wird.

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