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HVB vermittelt Gewerbekunden an DZ-Tochter VR Smart Finanz

Die Hypo-Vereinsbank (HVB) vermittelt ihre gewerblichen Kreditkunden künftig an die DZ-Bank-Tochter “VR Smart Finanz”. Im März hatten wir bereits über ein entsprechendes Pilotprojekt berichtet – nun ist die Kooperation perfekt, wie aus einem uns vorliegenden Brief an hunderte Vorstände von Volks- und Raiffeisenbanken hervorgeht. Betroffen sind dem Vernehmen nach vor allem Solo-Selbständige und kleine bis mittlere Betriebe mit einem jährlichen Umsatz von (jedenfalls als grobes Richtmaß) bis zu 5 Mio. Euro. Laut Insidern sollen etwa 200.000 Gewerbekunden der Hypo-Vereinsbank in dieses Raster passen.

Dass eine Universalbank bei einer solch großen Kundengruppe eine Kerndienstleistung – nämlich die Kreditvergabe – auslagert, ist eher ungewöhnlich. Allerdings unterstreicht der Schritt die Radikalität, mit der die Hypo-Vereinsbank ihr Angebot inzwischen nach Kosten-Nutzen-Erwägungen ausrichtet. Vergangenes Jahr zum Beispiel hatte Finanz-Szene.de bereits exklusiv über die Abwicklung der HVB-Tochter “Unicredit Leasing” (UCL) berichtet (–> Wie und warum die HVB ihre Leasing-Tochter sterben lässt). Auch hier werden die Kunden inzwischen an einen externen Kooperationspartner vermittelt, nämlich an die sparkassen-eigene Deutsche Leasing. Auch im Privatkundengeschäft ist die HVB nicht zimperlich, wenn es darum geht, die eigenen Dienstleistungen auf Effizienz zu trimmen. So deckten wir im Sommer unter der Überschrift “Weniger Schalter, weniger Kassen” Planungen für einen Umbau der Retailsparte auf. Dieser soll mittlerweile weitgehend vollzogen sein.

Auf Anfrage betonte ein Sprecher, dass die HVB “das Wachstum im Kredit- und Anlagegeschäft grundsätzlich mit eigenen Produkten” forciere. “In Ergänzung” kooperiere man allerdings “im Sinne der Kundinnen und Kunden in verschiedenen Bereichen mit verschiedenen Partnern, um bei unterschiedlichen Kundenbedarfen immer die beste Lösung anbieten bzw. vermitteln zu können.” In dieses Muster falle “ab sofort” auch die Zusammenarbeit mit der VR Smart Finanz: “Durch die Kooperation profitieren unsere Geschäftskundinnen und Geschäftskunden von einem einfachen, schnellen und sicheren Antrags- und Vergabeprozess bei kleinen Unternehmenskrediten.”

Auch eine Sprecherin der VR Smart Finanz bestätigte die Kooperation, wollte darüber hinaus aber keine Stellung nehmen.

So sieht der Deal zwischen HVB und VR Smart Finanz im Detail aus

Im Detail besagen unsere Informationen, dass die Hypo-Vereinsbank die Kredite der VR Smart Finanz unter eigenem Label anbieten wird, nämlich als …

  • “Kredit4Business Flex” sowie als
  • “Kredit4Business Invest”

Dabei soll es sich jenseits des Brandings praktisch 1:1 um zwei der Kernprodukte der VR Smart Finanz handeln, nämlich um den …

  • “VR Smart flexibel” (einen unbesicherten, digitalen Unternehmerkredit bis zu 100.000 Euro) und um den
  • “VR Smart express” (ein Mietkauf-Produkt, also um eine Zwischenlösung aus Kredit und Leasing)

In dem uns vorliegenden Schreiben der VR Smart Finanz an die Volksbank-Vorstände heißt es wörtlich:

“Die Kooperation sieht […] eine reine Weitervermittlung von Finanzierungsanfragen der
Kunden der HypoVereinsbank an unser Haus vor. Als Vertragspartner der Kunden verbleiben
damit sowohl die Preiskompetenz als auch die Finanzierungsentscheidung bei der VR Smart
Finanz.”

Sprich: Die Kunden landen bei der VR Smart Finanz, die Kredite in deren Büchern. Im Gegenzug dürfte die Hypo-Vereinsbank eine entsprechende Vermittlungsgebühr kassieren. Wie hoch die ausfällt, entzieht sich unserer Kenntnis.

Für die DZ Bank (bzw. die VR Smart Finanz) ist die Kooperation mit der Hypo-Vereinsbank ein veritabler Coup – schließlich dürften sich auch andere Player (darunter auch das ein oder andere Fintech, siehe hierzu noch mal unseren Artikel aus dem Frühjahr, vorletzter Absatz …) Hoffnungen gemacht haben, mit der Unicredit-Tochter ins Geschäft zu kommen. Die VR Smart Finanz ist der Nachfolger der einstigen VR Leasing, die mit Engagements in Osteuropa tief in die roten Zahlen gerutscht und später umbenannt worden war.

Auch die Corona-Krise hatte der VR Smart Finanz schwer zugesetzt. Zwar feierte das Institut mit einem in Rekordzeit aufgesetzten KfW-Sofortkredit (siehe: –> Geheimprojekt: DZ Bank baut Sofort-Kredit für KfW-Hilfen) einen spektakulären Absatzerfolg – zugleich musste der Finanzierungs-Spezialist allerdings sein eigentliches Kernprodukt, nämlich den weiter oben schon erwähnten “VR Smart flexibel”, vorübergehend einstellen.

Die Folgen spürte die VR Smart Finanz auch noch in diesem Jahr. So brach das Neugeschäft im ersten Halbjahr dramatisch ein (und zwar nicht nur verglichen mit dem H1 2020, sondern auch mit dem H1 2019, siehe -> Wie die DZ Bank jenseits ihres Rekordgewinns performt hat). Auch die Ergebnisse haben zuletzt spürbar gelitten, einem Minus von 24 Mio. Euro im H1 2020 folgte von Januar bis Juni dieses Jahres ein Nullergebnis. Zugleich gilt der digitale “VR Smart Finanz” allerdings als eines der fortschrittlichsten Produkte klassischer Banken im Firmenkundengeschäft überhaupt. Insofern dürfte das Kalkül der VR Smart Finanz darin bestehen, durch die Kooperation mit der HVB noch mehr Volumen auf das Produkt zu bekommen – und auf diesem Wege Ertrag und Ergebnis zu steigern. Vergleichbare Kooperation mit nicht-genossenschaftlichen Banken betreibt die VR Smart Finanz bislang nicht.

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