Die ING Deutschland bildet trotz Corona kaum Risikovorsorge

5. November 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die ING Deutschland bildet trotz Corona-Krise auch weiterhin kaum Risikovorsorge. Zwischen Juli und September legte die größte hiesige Direktbank gerade mal 19 Mio. Euro zusätzlich zurück, wie aus dem heute Morgen veröffentlichten Q3-Report des niederländischen Mutterkonzerns hervorgeht (in dem Bericht finden sich auch detaillierte Zahlen zum deutschen Geschäft). Die geringe Summe deutet darauf hin, dass sich die ehemalige ING Diba speziell in der privaten Baufinanzierung – wo sie zu den größten Playern hierzulande zählt – mit ihrem Kreditbuch weiterhin sehr wohl fühlt.

Mehr zu schaffen als die Corona-Krise macht den Frankfurtern derweil das anhaltende Zinstief. So ging der Zinsüberschuss im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4% auf nur noch 519 Mio. Euro zurück; verglichen mit dem Zeitraum von April bis Juni dieses Jahres betrug das Minus 3%. Das ist alles nicht dramatisch – darf aber als Indiz gelten , dass die ING Deutschland mit ihrem angestammten Geschäftsmodell allein das gewohnte Ertragsniveau auf Dauer nicht wird halten können. Und: Es erklärt, warum die Oranje-Bank inzwischen auch zu tendenziell unpopulären Maßnahmen greift wie der diese Woche verkündeten Erhebung von Strafzinsen bei Neukunden und (selbst bei Bestandskunden) neuen Konten bei Beträgen über 100.000 Euro.

Der Provisionsüberschuss stieg derweil um 22% auf 104 Mio. Euro. Dieses Plus sieht auf den ersten Blick zufriedenstellend aus, Allerdings dürfte der Zuwachs in erster Linie auf den Retail-Trading-Boom zurückzuführen sein, von dem Konkurrenten wie die Comdirect zuletzt deutlich stärker profitierten. Auffällig: Gemessen am direkten Vorquartal ging das Provisionsergebnis sogar um 12% zurück.

Letzten Endes reichte es im dritten Quartal zu einem Gewinn vor Steuern von 323 Mio. Euro. Das ist ein gutes Stück (14%) weniger als im Vorjahr – aber (weil da der Wirecard-Kredit ins Kontor schlug) ein Plus von 181% zum direkten Vorquartal.

Hier die wichtigsten Zahlen im Detail:

in Mio. Euro Q3/2020 Q2/2020 Q3/2019 vs. Vorquartal vs. Vorjahresquartal
Zinsüberschuss 519 534 538 -3 -4
Provisionsüberschuss 104 118 85 -12 22
Erträge gesamt 651 691 664 -6 -2
Kosten gesamt 309 313 284 -1 9
Zus. Risikovorsorge 19 228 2 -92 850
Gewinn vor Steuern 323 115 377 181 -14

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