Analyse

Nach dem Funding: Diese Herausforderungen warten auf N26

19. Oktober 2021

Von Caspar Schlenk und John Stanley Hunter

Es ist nicht nur das bislang größte deutsche Fintech-Funding. Gefühlt war es auch: das bislang längste. Wochenlang hatte sich die Finanzierungs-Runde v0n N26 in einem „Demnächst muss sie aber kommen“-Zustand befunden – bis an diesem Sonntag im Büro eines Berliner Notars endlich die finalen Unterschriften gesetzt wurden. Gut 900 Mio. Dollar erhält die Berliner Challenger-Bank von diversen Venture-Capital-Investoren (also etwas mehr als die zuletzt kolportieren 700 Mio. Euro). Die Bewertung? Liegt bei gut 9 Mrd. Dollar (also ziemlich exakt die erwarteten 8 Mrd. Euro).

Was haben diese Zahlen nun zu bedeuten?

  1. Der „N26 ist jetzt so viel wert wie die Commerzbank“-Vergleich ist zwar nett, hilft aber – Apfel vs. Birne – nur bedingt weiter
  2. Der „N26 ist jetzt fast doppelt so viel wert wie Trade Republic“-Vergleich zeigt, dass die Berliner Neobank den Berliner Neobroker für den Moment dann doch wieder klar hinter sich lässt. Ein starkes Signal!
  3. Bei aller Euphorie sollte man aber dennoch nicht vergessen, dass die erhoffte 10-Mrd.-Dollar-Bewertung verpasst wurde und der Abstand zum britischen Erzrivalen Revolut (33 Mrd. Dollar) gewaltig ist.

Warum? Weil N26 zwar vieles richtig, aber auch einiges falsch gemacht hat in den letzten 24 Monaten. Und nun? Bleiben (wenn N26 bereits 2022 an die Börse will, und so scheint es zu sein) nur rund 12 Monate, um die Fehler zu korrigieren.

Hier die fünf Herausforderungen – und wie das Management sie meistern will:

1. Geldwäsche-Probleme lösen

Wie am Montag schon angedeutet, muss N26 auf Geheiß der Bafin vorübergehend sein Wachstum beschränken – und zwar auf 50.000-70.000 Neukunden pro Monat, wie aus der Mitteilung von N26 hervorgeht. Schon länger steht das Unternehmen in der Kritik, seine Geldwäsche-Probleme nicht in den Griff zu bekommen. Konkret geht es darum, dass die Konten der Berliner Neobank auffällig oft von Betrügern verwendet werden.

Eine Auswertung auf Basis der Analyse-Tools Airnow zeigt, dass N26 pro Monat etwa 100.000-200.000 App-Downloads verzeichnet. Auch wenn nicht jeder Download in eine Kontoeröffnung mündet, bedeutet die Bafin-Anordnung dennoch einen massive Reduktion des Wachstumstempos. Die Beschränkung übrigens gilt EU-weit – N26 kann sich allerdings aussuchen, in welchen Märkten wie viele Kunden angenommen werden und wo sie zunächst auf eine Warteliste kommen.

Die bestehenden Kunden sind von dem Eingriff nicht betroffen. Aufgabe wird es sein, dass N26 mit diesen Kunden mehr Geld erlöst …

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2. Mehr Ertrag pro Kunde

Das Ziel ist schon länger ausgerufen. Als Kunde bemerkte man die Bemühungen bereits, in den vergangenen Wochen warb N26 verstärkt für das eigene Partnerangebot, beispielsweise die Handy-Versicherung. Ein wichtiger Umsatztreiber fehlt allerdings bislang: ein Trading-Feature.

Der britische Konkurrent Revolut hat in den vergangenen Monaten vor allem von seinen Erträgen aus dem Handelsgeschäft mit Aktien und Krypto-Währungen profitiert – ein Grund, warum der Rivale deutlicher höher taxiert wird als N26.

3. Eigenentwicklung für den Aktien- und Krypto-Handel

Was ist nun mit dem Trading-Feature? Also: Ursprüngliche hatte N26 mit dem Gedanken gespielt, die entsprechende Technologie extern einzukaufen. Stattdessen wird nun ein anderer Weg beschritten. In Serbien hat sich N26 an einer kleinen Entwicklerfirma des EBS-Professors Raša Karapandža beteiligt. Diese Firma soll die Lösungen für den Aktien- und Krypto-Handel nun entwickeln.

Noch sei es so, dass viele eigene Kunden fürs Trading zu Trade Republic gehen, heißt es aus dem N26-Umfeld. Das Kalkül ist nun, diese Kunden künftig im eigenen Ökosystem zu halten und mit ihnen Geld zu verdienen. In der Branche gilt das Vorhaben allerdings als kompliziert. Bei Trade Republic und Scalable Capital sitzen große Entwicklerteams, die an der Handelsfunktion arbeiten. Das Tech-Team von N26 muss sich dagegen auch um etliche andere Bankprodukte kümmern. Wobei die Gründer Valentin Stalf und Maximilian Tayenthal planen, bis zu 1.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen, die Kapazitäten also dramatisch erweitert werden sollen.

Abwarten, wie schnell der Go-live kommt.

4. Expansion außerhalb von Europa

Für die Wachstumsstory ist es wichtig, auch abseits Europas Fuß zu fassen. Gerade die großen Märkte USA und Brasilien stehen dabei im Fokus. Auf den ersten Blick fällt es schwer, sich vorzustellen, dass N26 gegen mächtige Wettbewerber wie Nubank in Brasilien oder Chime, Cashapp oder Paypal in den USA anstinken kann. Andererseits: Bei der aktuellen N26-Finanzierungsrunde wurde jeder Kunde mit rund 1.000 Euro bewertet. Das Kalkül sieht Insidern zufolge nun so aus: Wenn N26 in den USA und Brasilien jeweils 1 Mio. Kunden gewinnt – dann wären das 2 Mrd. Euro mehr Bewertung. Dafür würde sich die Expansion schon lohnen.

Gleichwohl tut sich N26 in Übersee bislang schwer. In den USA wechselt N26 nach Informationen des Finanz-Szene-Partners „Finance Forward“ die Partnerbank. Aus diesem Grund landen neue Kunden erst einmal wieder auf einer Warteliste. Wie die Download-Schätzungen zeigen, hat N26 das Wachstum in den vergangenen Monaten in den USA erst einmal etwas runtergefahren.

Und in Brasilien? Will N26 Firma gleich mit eigener Lizenz starten. Allerdings auch schon recht lange. Mal abwarten, wann der Launch endlich kommt.

5. Mehr Kontinuität im Management

Auffällig viele Wechsel gab es in den vergangenen Monaten im Management von N26. Ein Beispiel: Erst kürzlich hat sich Deutschland-Chef Georg Hauer verabschiedet. Um das Fintech Richtung Börsengang zu steuern, braucht es mehr Kontinuität. Der IPO ist intern bereits für das kommende Jahr anvisiert.

Diese 15 Details offenbart der Lagebericht von N26

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