"Produkt & Kunde"-Ticker

Sämtliche „Produkt & Kunde“-News von Dezember 2023 bis Januar 2024

In unserem „Produkt und Kunde“-Ticker beschreiben wir, was sich bei Banken und Fintechs an der Schnittstelle zum Kunden so alles tut. 

Hier unser Ticker für Dezember 2023 und Januar 2024:

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Wie lässt sich der irrwitzige Hype um die Trade-Republic-Karte erklären?

Wenn die Fintech-Jungs eines können (jedenfalls die gebenedeiten unter ihnen; alle können es natürlich nicht), dann ist das: Buzz kreieren. Par excellence hat N26 das in den frühen Jahren beherrscht, als plötzlich ganze viele Menschen die metallene Karte wollten, auch wenn das Konto mit der metallenen Karte stolze 15 Euro kostete und die metallene Karte – abgesehen davon, dass man sie als Tapetenschaber einsetzen konnte – natürlich trotzdem nur eine Karte war. Oder, anderer Fall: Scalable Capital mit seiner zeitweise omnipräsenten Plakatwerbung, die zur Folge hatte, dass man unter ansonsten unschuldigen Kita-Papas plötzlich auf ETF-Sparpläne angesprochen wurde (übrigens ein hübsches Beispiel dafür, dass unsere Fintechs bisweilen auch die analogen Marketing-Kanäle glänzend zu bespielen wissen). Freilich: Niemand – auch nicht N26 oder Scalable – beherrscht das mit dem Buzz auch nur annähernd so gut wie Trade Republic. Jüngstes Beispiel: Der Hype um die neue „Saveback“-Karte. Was dahinter steckt, lesen Sie hier: FS Premium

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Kurz getickert

  • Das IT-Chaos bei der Postbank zieht für die Deutsche Bank auch juristischen Aufwand nach sich. So sind beim Landgericht Bonn letztes Jahr fast 450 Klagen gegen das Bonner Institut eingegangen, wie das Gericht auf „HB“-Anfrage mitteilt. (MSN

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Coba forciert Umbau der Privatkunden-Sparte – und stellt „Onvista Bank“ ein

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Beim Tagesgeld ist „Unter 2%“ das neue „Über 3%“

Der Zinswettlauf im privaten Einlagengeschäft scheint allmählich auszutrudeln. So halbiert die DKB den Zinssatz für Tagesgeld per 1. Februar von zurzeit 3,5% auf nur noch 1,75% – das bislang deutlichste Signal, dass sich die Kreditwirtschaft für bald sinkende Leitzinsen positioniert und der Druck durch die Kunden nachlässt (siehe zuletzt schon unser Stück –> Banken und Sparkassen kommen wieder leichter an Einlagen). Was man bei der DKB freilich fairerweise dazusagen muss: Ihre Konditionen gelten schon seit langem für Bestands- wie Neukunden gleichermaßen. Die ING Diba dagegen ist bei Neukunden zwar (noch?) mit 3,75% unterwegs – bietet der Stammklientel aber auch jetzt schon „nur“ 1,25%.

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Challenger erleidet Mega-Schiffbruch im deutschen Kreditkartenmarkt

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Ignoriert

Schon richtig: Bei den als Produkt-Launch getarnten Marketing-Kampagnen von Trade Republic sollte man grundsätzlich in die AGB schauen, siehe auch schon vor einem Jahr hier. Die jetzt laut werdende Generalkritik an der Saveback-Karte (siehe weiter unten) des Berliner Neobrokers („Irreführung“) kommt trotzdem etwas sehr frömmelnd daher. Denn: Ja, die Rückflüsse sind auf 15 Euro pro Monat gedeckelt (der Heavy-User ist also auch weiterhin bei den Miles & More dieser Welt besser aufgehoben). Und ja, die Zahlungen sind an ein paar Voraussetzungen wie den Abschluss eines Sparplans über mindestens 50 Euro geknüpft. Aber ist das ein Skandal? Oder bestätigt die Produktgestaltung einfach nur, was man eh schon ahnte: 1.) Trade Republic avisiert eine Zielgruppe, deren Karten-Spendings eher nicht die eines jungreichen Fintech-CEOs sind; und 2.) Upps, nicht einmal der bebelhafte Herr Hecker hat was zu verschenken.

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Konto-Eröffnung via eID: Warum der „PIN-Rücksetzdienst“ vielleicht doch bleibt

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Weit über 100 Mrd. Euro!!! Wie die Neobroker die Neobanken ausstechen

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Kurz getickert

  • Die Sparkassen kommen mit dem Umtausch ihrer 46 Mio. Euro Girocards voran. So seien inzwischen 12 Mio. Karten mit einer neuen Co-Badge-Funktion ausgestattet, berichtet das „HB“ (Paywall)
  • … Die Deutsche Bank, die Commerzbank und die HVB geben die Girocard laut dem Bericht derweil weiterhin mit „Maestro“ aus – obwohl genau das seit letztem Sommer doch eigentlich nicht mehr möglich sein sollte.

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„Saveback“ und „Round-up“: So funktioniert die neue Visa-Karte von Trade Republic

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Kurz getickert

  • Die DKB setzt im Zinswettbewerb verstärkt auf die Sicherung bestehender Einlagen – und bietet auf einjähriges Festgeld jetzt 3,5% statt bislang 2,5%. Das Angebot gilt für Bestands- wie Neukunden, letztere müssen allerdings parallel ein Girokonto bei der DKB eröffnen.
  • Die Deutsche Bank wird die Probleme bei der Postbank – anders als von Vorstandschef Christian Sewing versprochen – nun doch nicht bis zum Jahresende komplett gelöst haben. Das Abarbeiten der Rückstände sei „komplex“ und nehme „in Teilen mehr Zeit in Anspruch“, erklärte ein Sprecher des Instituts gegenüber dem „Handelsblatt“ (Paywall). „Einen Teil dieser Fälle“ werde man daher erst Anfang 2024 „abschließend bearbeiten“. Zur Erinnerung: Bei der Postbank war nach der missglückten IT-Migration auf die Systeme der Deutschen Bank ein regelrechtes Chaos ausgebrochen, siehe u.a. unser Stück –> Die Zustände bei der Postbank am Beispiel der Baufinanzierung (=DSL Bank). Konzernchef Sewing hatte daraufhin angekündigt, die größten Probleme (insbesondere in der Baufi) bis Ende Oktober, die übrigen bis Ende 2023 abgearbeitet zu haben.
  • Die Commerzbank vertreibt in der Baufinanzierung auch weiterhin die Produkte von Wüstenrot. Wie gestern verlautete, wird die 2010 begonnene Kooperation um weitere fünf Jahre verlängert.

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Consorsbank nimmt die Bepreisung der Girocard zurück

Die Consorsbank vollzieht einen industriell spannenden Move und nimmt die im März 2021 (siehe hier) eingeführte Bepreisung der Girocard für ihr Standard-Girokonto wieder zurück. Seinerzeit hatte das Nürnberger Institut im Zuge der Einführung neuer Kontomodelle entschieden, die zuvor automatisch inkludierte Girocard nur noch optional auf Kundenwunsch hin auszustellen – hinzu kam eine Gebühr von 12 Euro pro Jahr. Nun können Kundinnen und Kunden die Karte im Standard-Modell „Girokonto Essential“ wieder kostenlos bestellen, wie aus dem Internetangebot der Bank hervorgeht.

Der Schritt ist insofern strategisch interessant, als dass er in doppelter Hinsicht an den digitalen Herausforderer C24 Bank erinnert: Die Check24-Tochter hatte die Girocard ursprünglich zum Launch ihres Kontoangebots im Herbst 2020 gar nicht im Angebot, musste aber ein Jahr später einsehen, dass ein signifikanter Teil der Kundschaft die Girocard doch für unverzichtbar hält und schob die Karte entsprechend nach (siehe hier). Und: Erst jüngst wertete die C24 Bank ihre kostenfreies Girokonto erheblich auf mit kostenlosen Echtzeit-Überweisungen und dem Wegfall von Fremdwährungsgebühren (siehe –> C24 Bank setzt mit kostenlosem Premium-Konto neuen Marktstandard). Nun folgt auch die Consorsbank offenbar dem Prinzip, das ansonsten bei regelmäßigem Geldeingang kostenlose Einstiegskonto aufzuwerten, anstatt vor allem die Premium-Konten attraktiver zu machen. Die Consorsbank führt laut letzten Daten rund 360.000 Girokonten.

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Kurz getickert

  • Die Hoffnungen von Banken und Sparkassen, ihre Gebühren künftig doch wieder nach eigenem Ermessen anzuheben zu können (siehe unseren Newsletter vom 20. November), haben einen Dämpfer erhalten. Man stehe den entsprechenden Plänen von Justizminister Marco Buschmann (FDP) „mindestens skeptisch bis ablehnend gegenüber“, sagte der Grünen-Finanzpolitiker Stefan Schmidt dem „Handelsblatt“ (Paywall). „Eine Rückkehr zur Möglichkeit umfassender Preissteigerungen per Zustimmungsfiktion ist für uns ausgeschlossen.“
  • Und wo wir schon mal beim Thema sind: Banken dürfen die Zustimmung zu Preis- und AGB-Änderungen nicht über Pop-up-Fenster im Online-Banking zu erzwingen versuchen. Das hat das Landgericht Düsseldorf entschieden (Az. 12 O 78/22). Konkret ging es in dem Fall um die Targobank, die solche Pop-up-Fenster vor zwei Jahren (also unmittelbar nach dem BGH-Gebührenurteil) zumindest zeitweise eingesetzt und den Kunden im Falle der Nicht-Zustimmung mit der Kündigung gedroht hatte. Das Landgericht sah hierin laut „FAZ“ (Paywall) eine „aggressive geschäftliche Handlung“, die „wettbewerbsrechtlich unzulässig“ sei.
  • Die Hamburger Neobank Tomorrow dreht erneut an den Kontogebühren. Nachdem sich das Öko-Fintech vor einem Jahr vom kostenlosen Kontomodell verabschiedet hatte, zahlen die verbliebenen rund 120.000 Kunden ab März je nach Tarif nochmal 1-2 Euro (bzw. zwischen 13% und 33%) mehr pro Monat.

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Exklusiv: Raisin macht Zweitmarkt „Zinspilot“ dicht

Der vor allem für seine „Weltsparen“-Plattform bekannte Berliner Einlagen-Broker Raisin schafft seine Zweitmarke „Zinspilot“ ab. Wie Finanz-Szene exklusiv erfahren hat, soll das Portal bis Ende 2024 schrittweise abgeschaltet werden. Die Tagesgeld-Anlagen will man entsprechend kündigen, die Festgeld-Anlagen auslaufen lassen. Nach Angaben von Raisin sollen die Kunden die Möglichkeit erhalten, „vereinfacht“ zu „Weltsparen“ zu wechseln. Ein KYC-Prozess wird allerdings trotzdem vonnöten sein.

Überraschend kommt der Schritt nicht: „Zinspilot“ ist die alte B2C-Plattform des 2021 mit Raisin verschmolzenen Hamburger Rivalen Deposit Solutions. Das Angebot war seit der Fusion kaum noch beworben worden – der Fokus galt der deutlich bekannteren „Weltsparen“-Plattform, zumal diese im Zuge der Zinswende einen regelrechten Boom erlebte (siehe –> Meilenstein für deutsche Fintech-Branche: Raisin erreicht 50 Mrd. Euro AuM). Das Berliner Fintech begründet die Schließung von „Zinspilot“ denn auch damit, dass „inzwischen fast alle Partnerbanken und auch ein Großteil der Kundinnen und Kunden auf ‚Weltsparen‘ migriert“ seien.

Bitter ist die Entwicklung für die Sutor-Bank, bei der immer noch die Verrechnungskonten der alten Deposit-Solutions-Kunden liegen. Mit der angestrebten Migration der verbliebenen „Zinspilot“-Kunden auf die „Weltsparen“-Plattform wechselt auch die dahinterstehende Infrastruktur – die Einlagen werden dann nicht mehr von Sutor betreut, sondern von der Raisin Bank, also der hauseigenen Service-Bank des Berliner Milliarden-Fintechs (siehe zuletzt in diesem Kontext –> Wie aus Raisin peu à peu ein Wettbewerber für alle und jeden wird).

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Welche Daten die Banken fürs Girokonto-Portal der Bafin liefern sollen

Als der Bundestag im November das „Zukunfts-Finanzierungs-Gesetz“ beschloss, da fand sich aus Bankensicht nicht nur eine große Überraschung darin (siehe –> Adhoc-Schlag gegen Kreditbanken: Restschuld-Versicherung steht vorm Aus) – sondern auch eine kleine. Hintergrund: Eine Brüsseler Richtlinie verpflichtet die EU-Staaten bekanntlich zur Einrichtung eines Vergleichsportals für Zahlungskonten. Hierzulande allerdings hakt der Prozess seit Jahren, mit der Folge, dass die Politik letztlich die Bafin mit dem Aufbau der Website beauftragte. Bislang hieß es im Gesetzentwurf allerdings, auch „weitere Betreiber“ könnten sich für den Betrieb eines entsprechenden Angebots zertifizieren lassen. Nun hat die Politik den Passus kurzerhand gestrichen – und ersetzt durch eine Passage, derzufolge „nur die Bafin“ als Betreiber infrage kommt. Und in der Tat: Wie es aussieht, macht die Aufsicht jetzt Tempo in der Sache. Hier die Übersicht über die rund 30 Vergleichs-Kriterien, die die Bafin anlegen will: FS Premium

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Sämtliche „Produkt & Kunde“-News aus dem November 2023

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