Sparkassen vollführen die nächste Volte bei Bancassurance

29. September 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Fast dreieinhalb Jahre ist es her, dass die Versicherungskammer Bayern (also einer der beiden großen Sparkassen-Versicherer, kurz: VKB) die Entwicklung einer digitalen Bancassurance-Lösung namens „S-Versicherungsmanager“ ankündigte. Seitdem? Hat das Projekt dermaßen häufig die Richtung geändert, dass der „S-Versicherungsmanager“ 1.) längst zu seiner eigenen Persiflage verkommen ist. Und dass 2.) kein normaler Mensch mehr durchblickt (siehe unseren Deep Dive -> So geriet der „Versicherungsmanager“ der Sparkassen zum Endlos-Projekt)

In a nutshell: Die konkurrierende Provinzial (also der andere große Sparkassen-Versicherer) galt anfangs als möglicher Partner der VKB, werkelte dann an ein alternativen Lösung, schwenkt zuletzt aber (mit Einschränkungen …) wieder auf das VKB-Projekt ein. Unterdessen wechselten die Technologie-Partner fast schon quartalsweise. Anfangs galt Clark als Dienstleister der Wahl (bis das Frankfurter Startup irgendwann keine Lust mehr hatte), die Provinzial bandelte irgendwann mit Finmas an, die sektoreigene Finanz Informatik mischte (und mischt) natürlich auch kräftig mit – und im Frühjahr dieses Jahres schien es für einen Moment so, als hätten sich alle Beteiligten nach geschlagenen 36 Monaten endlich auf ein finales Setup verständigt.

Doch Pustekuchen!

Gestern Morgen nämlich überraschte die VKB mit der Nachricht, als neuen Projektpartner die JDC Group auserkoren zu haben. Dazu muss man wissen: Die JDC Group ist ein in Wiesbaden ansässiger Finanzdienstleister, der in der Versicherungsbranche lange Zeit vor allem für seinen Maklerpool „Jung, DMS & Cie“ bekannt war. Seit einigen Jahren versuchen sich die Hessen allerdings auch als Bancassurance-Partner für Geldinstitute – und konnten dabei auch ein paar beachtliche Mandate (Comdirect, Sparda Baden-Württemberg …) ergattern.

Den eigentlichen Durchbruch allerdings feierte die JDC Group erst in diesem Frühjahr. Da nämlich verkündeten die Wiesbadener eine Partnerschaft mit der Provinzial, was insofern verblüffte, als man zu diesem Zeitpunkt noch meinte, die Provinzial würde (nachdem sie ihre Konkurrenzprojekt mit Finmas aufgegeben hatte) jetzt wieder gemeinsam Sache mit der VKB machen. Bis zu einem bestimmten Grad war das auch tatsächlich so. Denn auch die Provinzial sprach jetzt davon, mit dem „S-Versicherungsmanager“ an den Markt gehen zu wollen. Allerdings mit einer eigenen Variante. Darum die Partnerschaft mit JDC.

Dazu muss man wissen: In inhaltlicher Hinsicht streiten innerhalb des Sparkassen-Sektor zwei Modelle miteinander (im Grunde sind es sogar drei, aber das würde jetzt zu weit führen …)

  1. Das Ausschließlichkeits-Prinzip, das darauf hinausläuft, dass die Sparkassen ausschließlich die Policen der öffentlichen Versicherer vertreiben sollen. Dieses Modell wollte die VKB mit ihrem „S-Versicherungsmanager“ umsetzen
  2. Der Mehrfachagenten-Ansatz, der auch den Vertrieb ausgewählter sparkassen-fremder Policen beinhaltet. Das war der Favorit der Provinzial – und die Lösung, die eigentlich zusammen mit Finmas entstehen sollte. Bevor es dann hieß, die Provinzial mache nun doch wieder beim „S-Versicherungsmanager“ mit, allerdings auf Basis der Kooperation mit JDC in einer Mehrfachagenten-Variante

Und so dachte man also im Frühjahr, der „S-Versicherungsmanager“ kommt einmal in der VKB-Variante (Ausschließlichkeit!) und einmal in der Provinzial-Variante (Mehrfachagent!). Bis dann allerdings gestern Früh, 7.30 Uhr, die Ad-hoc kam, dass die börsennotierte JDC Group nun auch eine Kooperation mit VKB eingeht und mehr noch – dass sich die VKB über eine Barkapitalerhöhung sogar an der JDC Group beteiligt. Zitat:

„Wie bereits für die Provinzial und deren angeschlossene Sparkassen soll die Plattformtechnologie der JDC der Maschinenraum für die Geschäftsabwicklung und Backoffice-Funktionalitäten im Hintergrund des S-Versicherungsmanagers werden. Dazu werden die JDC Plattform und der S-Versicherungsmanager über eine Schnittstelle technisch eng verzahnt.“

Aus Sicht von Insidern klang das fast so, als würde die VKB den „S-Versicherungsmanager“ jetzt mehr oder weniger noch mal neu bauen (nachdem man bislang auf Basis der teuer erkauften Technologie des einstigen Partners Clark herumgewerkelt hatte). Dies allerdings wird im Umfeld der Versicherungskammer bestritten. Vielmehr sei die Kooperation mit JDC als Erweiterung der bisherigen Planungen zu sehen.

Wovon man trotzdem ausgehen darf: dass sich der Roll-out weiter verzögert. Zuletzt hatte es geheißen, dass die VKB den „S-Versicherungsmanager“ bis Ende 2021 bei sämtlichen ihrer Sparkassen installiert haben könnte. Nun ist von Mitte 2022 die Rede. Schau’n mer mal.

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