Kurz gebloggt

Strafzinsen ab 50.000 Euro. Hat die ING Diba das wirklich nötig?

29. Juni 2021

Von Christian Kirchner

War die ING Diba nicht mal die Bank, die sich (aus Kundensicht) auch dadurch auszeichnete, dass sie einen, salopp gesagt, in Frieden ließ? Die einem keine teuren Produkte aufquatschte. Keine unnötigen Gebühren aufnötigte. Und erst Recht keine Strafzinsen unterschob.

Tja …

Kaum hatten wir gestern berichtet, dass die größte deutsche Onlinebank ihre neuen Kontoführungsentgelte wegen des BGH-Gebührenurteils vorerst (vorerst!) aussetzt, versendete die ING Diba am Vormittag eine Mitteilung folgenden Inhalts: Der Freibetrag, ab dem (gerechnet je Konto) ein negativer Zins von 0,5% berechnet wird, wird zum 1. November drastisch sinken. Hat das eine was mit dem anderen zu tun? Und hat das erfolgsverwöhnte Institut das wirklich nötig? Vier rasche Einordnungen:

  1. Auch die ING hat keine Verwendung mehr für die zu angetragenen Einlagen (zuletzt per saldo immer um die 2 Mrd. bis 2,5 Mrd. Euro pro Quartal auf zuletzt 148 Mrd. Euro Bestand). Im Firmenkundengeschäft stand das Institut zuletzt auf der Bremse, und auch die Baufi kann nicht alles absorbieren
  2. In ihrem 2020-Geschäftsbericht spricht die ING Deutschland bezogen aufs Jahr 2021 von einem „moderat“ sinkenden Zinsergebnis und einem „deutlich sinkendes Ergebnis vor Steuern“ – unter anderem auch, weil gut verzinste Altkredite getilgt werden und auslaufen. Offenbar war dieser Ausblick mehr als nur Tiefstapelei
  3. Das BGH-Urteil zur Zustimmungsfiktion zeigt Wirkung. Zur Erinnerung: Die ING hatte erst zum 1. Februar Verwahrentgelte für Neukunden (!) ab 100.000 Euro (!!) eingeführt. Und nun? 50.000 Euro Freibetrag. Plus Ausweitung auf die Bestandskunden (denn auch die gut 700.000 Kunden, die mehr als 50.000 Euro auf einem Extra-Konto oder Girokonto liegen haben, sollen individuell angesprochen und zur Zustimmung zum Verwahrentgelt bewegt werden). Der Schritt ist drastisch!!!. Woher die Eile bei einer Bank, die sich Gebührenmaßnahmen traditionell dreimal überlegt? Zwar streitet die ING einen Zusammenhang ab. Aber: Der Verdacht liegt nahe, dass die Strafzinsen die Aussetzung der Kontoführungsgebühren (siehe unser gestriger Scoop) zumindest teilweise kompensieren sollen.
  4. Mehr noch als um höhere Zinserträge (die nimmt man natürlich gerne mit) geht es der ING Diba laut unserer Lesart darum, die Kundenbeziehung profitabel zu gestalten. Das heißt: Wer dem Verwahrentgelt nicht zustimmt und sonst nicht genügend Geschäft mit der Bank macht, den braucht die ING nicht mehr wirklich. Bei der Konkurrenz (namentlich uns unserer Vermutung nach bei der Commerzbank) ist es ja nicht anders: Wer neue Gebühren ablehnt und kein profitabler Kunde ist, könnte den Rauswurf riskieren.

ING Diba setzt nach BGH-Urteil sämtliche Preiserhöhungen aus

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