Genosektor-Ticker

Sämtliche Genobanken-News aus dem August und September 2023

In unserem Genosektor-Ticker verfolgen wir Volks- und Raiffeisenbanken genauso wie PSD- und Sparda-Banken, die DZ-Bank-Gruppe genauso wie die Atruvia.

Hier unser Ticker für den August und September:

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Warum Bafin und BVR die „Maverick-Volksbank“ in die Mangel nehmen

Mit der VR-Bank Bad Salzungen-Schmalkalden war es eigentlich immer lustig. Jedenfalls aus unserer Sicht. Ein Beispiel: Als wir das für seine – gelinde gesagt – ungewöhnliche Geschäftspolitik bekannte thüringische Institut vor zwei Jahren penetrant als „Outlaw-Bank“ bezeichneten, setzte der Vorstand (und wer wollte es ihm verdenken …) irgendwann einen Juristen auf uns an. Dieser beschied uns, der Begriff „Outlaw“ beschreibe einen „nicht gesetzeskonformen Zustand“ und rücke „unsere Mandantin damit in einen Bereich, der nicht den Regelungen eines ordentlichen Bankhauses entspricht“ (an den Wendungen „skurriles Bankhaus“ und „grenzwertig unterwegs“ störte sich der Jurist damals ebenfalls, aber das würde jetzt zu weit führen …). Jedenfalls: Weil wir friedliebende Menschen sind und uns die Schmalkaldener über die Jahre irgendwie ans Herz gewachsen waren, beschlossen wir, den Begriff „Outlaw-Bank“ fortan durch den Begriff „Maverick-Bank“ zu ersetzen. Klang fast genauso schön. Passte immer noch in jede Überschrift. Und rückblickend betrachtet: Es hat die Bafin und den BVR ja offenbar nicht davon abgehalten, der VR-Bank Bad Salzungen-Schmalkalden auch weiterhin auf die Finger schauen. Womit wir bei der News des gestrigen Tages wären. Denn wie der „Spiegel“ (Paywall) berichtet, schlagen Bafin und BVR in der Causa jetzt so richtig Alarm. Hier entlang: FS Premium

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Wie die Sparda-Bank einem Berliner Fintech-Jungen zum Glück verhalf

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Exklusiv: „Geno-Robo“ Visualvest schreibt schwarze Zahlen

Ob es sich bei Visualvest wirklich um einen Robo Advisor handelt oder nicht eher um eine Art technologiebasierte Fondsvermögensverwaltung – diese Frage haben wir ja schön öfters behandelt, siehe in unserem Archiv die Stücke hier und hier. Welches Attribut man der Union-Investment-Tochter aber auch immer anheften mag, fest steht jedenfalls, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Wie aus dem 2022er-Geschäftsbericht hervorgeht, kam Visualvest per Ende 2022 mit gerade mal 52 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bereits auf Assets under Management in Höhe von 7,6 Mrd. Euro, verglichen mit dem Vorjahr eine Steigerung um rund die Hälfte. Dabei ergab sich gemessen an insgesamt 360.000 Kunden (+48% zum Vorjahr) eine durchschnittliche Anlagehöhe von 21.000 Euro. Ebenfalls bemerkenswert: Bei Erträgen von gut 28 Mio. Euro (also etwa 0,37 Cent je verwaltetem Euro) blieb bei dem 2015 gegründeten Konzern-Fintech ein Ergebnis von 1,8 Mio. Euro hängen. Für 2023 rechnet Visualvest nun sogar „mit einem positiven Ergebnis auf deutlich höherem Niveau als 2022“.

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Kurz getickert

  • In der genossenschaftlichen Finanzgruppe steht die nächste Großfusion an. So wollen sich die VR-Bank Bonn Rhein-Sieg (Bilanzsumme: 4,6 Mrd. Euro) und die Raiffeisenbank Voreifel (1,5 Mrd. Euro) zusammenschließen – aggregiert käme man etwa auf Rang 30 in der BVR-Rangliste. Auch ein weiterer Fusionsplan wurde dieser Tage publik. Hier involviert: die Volksbank Lauterbach-Schlitz (0,8 Mrd. Euro) und die Raiffeisenbank im Fuldaer Land (9,7 Mrd. Euro).

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Blog

In unserer Berichterstattung zum „Depot-A-Hammer“ war ja offen geblieben, ob die Bundesbank wirklich alle nach HGB bilanzierenden deutschen Banken meinte, als sie im jüngsten Monatsbericht von „den nach HGB bilanzierenden deutschen Banken“ sprach. Kurzum: Tat sie nicht. Sondern: Es ging, wie uns auf Nachfrage erklärt wird, lediglich um jene HGB-Institute, „für die eine Zuordnung der Wertpapiere zum Anlage- und Umlaufvermögen auf Ebene des Einzelinstituts möglich ist“ – sprich: vor allem um Sparkassen und Genobanken. Aber z.B. nicht um die Deutsche Bank. Damit konkretisiert sich die Rechnung zum „Depot-A-Hammer“ nun wie folgt: Betroffen sind rund 1.200 Institute mit einer Bilanzsumme von aggregiert etwa 5.000 Mrd. Euro. Bei diesen hat die Buba im Geschäftsjahr 2022 alles in allem „Kursverluste auf Wertpapiere des Bankbuchs von gut 70 Mrd. Euro“ diagnostiziert. Als Abschreibungen ergebniswirksam verbucht wurden hiervon aber nur gut 10 Mrd. Euro. Und der Rest? Wurde über den Verbrauch stiller Reserven (etwa 20 Mrd. Euro) bzw. den Aufbau stiller Lasten (etwa 40 Mrd. Euro) geregelt. Wer beten möchte, kann dies gerne tun.

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Kurz getickert

  • Die Genobanken bedienen sich in personeller Hinsicht schon wieder im Wirkungskreis der ING Deutschland (siehe auch unseren aktuellen Personalien-Ticker). So wechselt André Lichner, bislang Vorstand beim Baufinanzierungs-Vermittler Interhyp, als zweiter Geschäftsführer zum genossenschaftlichen KMU-Kredit-Vergleichsportal Fincompare.

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Mehr als 100 Mrd. Euro „Depot A“-Verluste.* Doch nur rund 15% davon wurden gezeigt

Die „Depot A“-Verluste der deutschen Banken infolge der Zinswende sind viel umfangreicher als bislang bekannt. Wie aus gestern vorgestellten Zahlen der Bundesbank hervorgeht, summierten sich die Wertminderungen im vergangenen Jahr auf rund 1,5% der Bilanzsumme – was einem Umfang von mehr als 100 Mrd. Euro* entsprechen dürfte. Zur Einordnung: Sparkassen und Genobanken, auf die der überwiegende Teil der Verluste entfällt, hatten bei ihren Bilanz-PKs im März lediglich Abschreibungen von aggregiert knapp 15 Mrd. Euro offengelegt – ein Bruchteil dessen, was nun die Bundesbank in den Raum stellt. Dabei stehen die Angaben wohlgemerkt nicht in Widerspruch zueinander. Sondern: Wie die Bundesbank in ihrem September-Bericht schreibt, hat die Kreditwirtschaft nur knapp ein Sechstel ihrer gesamten Verluste (nämlich rund 0,2% gemessen an den besagten 1,5%) auch tatsächlich durch die GuV laufen lassen. Ein Drittel wurde derweil über den Verbrauch stiller Reserven absorbiert – und rund die Hälfte (also grob gesagt mindestens 50 Mrd. Euro!!!) als stille Lasten verbucht. Nun mag natürlich sein, dass das, was den Bankenverbänden zufolge für die gezeigten Verluste gilt (nämlich, dass die Abschreibungen durch Zuschreibungen größtenteils wieder aufgeholt werden), für die nicht ausgewiesenen Verluste erst recht gilt. Und doch: Die schiere Größe der Zahlen, um die es hier plötzlich geht, erscheint immens. Zumal die Bundesbank schreibt: „Auf Einzelinstitutsebene (besteht) die Bilanz bei jedem zehnten Institut zu mehr als einem Drittel aus Wertpapieren.“

*Die Bundesbank gibt die Bilanzsumme der deutschen Banken mit insgesamt rund 10.600 Mrd. Euro an. Hiervon 1,5% wären sogar 159 Mrd. Euro. Allerdings wird in Bezug auf die „Depot A“-Verluste explizit von den „nach HGB-Instituten bilanzierenden Instituten“ gesprochen. Dabei bleibt unklar, ob damit die Banken gemeint sind, die ausschließlich nach HGB bilanzieren (also v.a. Sparkassen und VR-Banken) – oder alle Banken, die einen HGB-Abschluss erstellen (was ja z.B. auch auf die Deutsche Bank zutrifft). Aufklären ließ sich die Sache gestern leider nicht. 

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Sechs Erkenntnisse aus der Ertragslage-Statistik (jenseits des „Depot A“-Knalls)

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Aus der Szene

Dass der DZ Bank ihre eigenen Kleinaktionäre eher lästig sind – das hatten wir vor einiger Zeit ja mal detailliert aufgedröselt. Um die Quintessenz des damaligen Artikels kurz zusammenzufassen: Die „freien“ Aktionäre, wie sie genannt werden, machen viel, viel Arbeit. Verursachen damit Kosten. Und Schnittchen und Freigetränke wollen sie auch noch. Letzteres am liebsten im noblen Gesellschaftshaus des Frankfurter Palmengartens, wo die DZ Bank normalerweise ihre HVs abhält … Als wäre das alles nicht schon ärgerlich genug, ist’s in diesem Jahr nun aber gleich doppelt ärgerlich. Denn weil sich das genossenschaftliche Zentralinstitut bei seiner regulären HV in diesem Frühjahr noch nicht dividendenfähig fühlte (wegen neuer Bilanzregeln und dem schwankenden R+V-Ergebnis), dies inzwischen aber sehr wohl tut, findet am 19. Oktober nun eine zweite HV statt, wo die Ausschüttungen nun beschlossen werden sollen. Also wieder Palmen, Garten, Schnittchen, Drinks? Nein!!! Präventiv hat die DZ Bank die Versammlung diesmal in den eher geschäftsmäßigen „Saal Frankfurt“ im Cityhaus II am Platz der Republik verlegt. Zudem werden die Aktionäre gebeten, „anstelle einer persönlichen Teilnahme die Stimmrechtsvertreterin der DZ Bank (…)  zu bevollmächtigen“. Man wolle das Ganze nämlich „im kleinen Rahmen“ abhalten.

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Wussten Sie schon?

… dass bei Volks- und Raiffeisenbanken sowie sonstigen genossenschaftlichen Instituten erstmals mehr als 6 Mio. Kreditkarten kursieren (was ganz grob jeder siebten Kreditkarte hierzulande entspricht)? Diese Zahl nennt die DZ Bank und gibt auf Nachfrage auch zwei Referenzwerte preis – nämlich: 2013 (als der Bestand der DZ Bank mit dem Bestand der damaligen WGZ Bank zusammengelegt wurde) seien es 3,2 Mio. Karten gewesen; und Ende 2018 (also gut ein Jahr vor Ausbruch der Corona-Pandemie) dann 4,4 Mio. Karten. Ob und wie stark die Genossen vom Kreditkarten-Blues in der Spätphase der Pandemie betroffen waren (siehe –> Trendumkehr nach Jahrzehnten: Zahl der Kreditkarten sinkt drastisch), dazu schweigt die DZ Bank.

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Warum Heiko Beck nun doch DWP-Bank-Chef bleiben könnte – jedenfalls bis 2025

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Kurz getickert

  • Am Standort-Sharing von öffentlichen und genossenschaftlichen Banken beteiligt sich nun (erstmals, würden wir vermuten) auch eine Landesbank. So betreibt die BW Bank (also die Retail-Tochter der LBBW) seit einigen Wochen eine gemeinsame SB-Filiale mit der Volksbank Stuttgart, wie zunächst Lokalmedien berichteten und nun auch „Bloomberg“ schreibt. Zwei weitere Selbstbedienungs-Standorte sollen folgen.

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Auch diese beiden Genobanken setzen auf die 35h-Woche. Jedenfalls fast.

„Revolution? Erste deutsche Banken führen die 35-Stunden-Woche ein“, lautete am Freitag unser Aufmacher im Newsletter. Wobei wir von „mindestens zwei“ Instituten sprachen, die das Modell schon umgesetzt haben, nämlich die Volksbank Euskirchen und die PSD-Bank Braunschweig. Warum „mindestens“? Weil wir schon ahnten, dass sich irgendwo in den unendlichen Weiten des genossenschaftlichen Bankensektors noch das ein oder andere weitere 35-Stunden-Wochen-Institut befinden könnte. Und so war es denn auch: Kaum war der freitägliche Newsletter veröffentlicht, meldeten sich auch schon die ersten Leser-Reporter, um uns auf die Volksbank Kaiserslautern hinzuweisen.

Tatsächlich hat die Volksbank Kaiserslautern schon im Juli 2022 die 35-Stunden-Woche eingeführt. Wobei, naja, um ganz genau zu sein: die 34,5-Stunden-Woche (nach zuvor 39 Stunden). Das Fazit der Verantwortlichen nach einem Jahr fällt positiv aus: Der Freitag habe sich „als freier Tag schnell etabliert“ und werde „in vielfältiger Weise für den persönlichen Ausgleich genutzt“. Bei einer internen Umfrage sei herausgekommen, dass die Beschäftigten vor allem „mehr Zeit für die Familie“, „in Ruhe private Termine erledigen“ oder „einfach Entspannung“ als Vorteile schätzen gelernt hätten. Einer unserer Leser-Reporter wies uns auch auf einen Instagram-Post der Kaiserlauterer hervor, aus dem hervorgeht, dass die neuen Arbeitszeiten offensiv im Recruiting eingesetzt werden. Slogan: „4 Tage arbeiten, 3 Tage frei! 4-Tage-Woche? Gibt’s bei uns!“

Übrigens, neben den beiden 35-Stunden-Banken und der 34,5-Stunden-Bank gibt es auch eine 36-Stunden-Bank da draußen, nämlich die Volksbank Rhein-Ruhr. Dort gelten die neuen Arbeitszeiten seit diesem Frühjahr.

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Kurz getickert

  • Die Fusion der Raiffeisen-Volksbank Ries (Bilanzsumme: 1,3 Mrd. Euro) und der Raiffeisenbank Bissingen (146 Mio. Euro) kommt nach einer zweiten Abstimmung nun doch zustande, nachdem der Zusammenschluss in der Generalversammlung zunächst nicht die nötige 75%-Mehrheitheit erhalten hatte. Grund für die Zustimmung im zweiten Anlauf: Die Raiba Bissingen fürchtet Personalmangel, der Vorstand bezeichnete die Fusion daher als „alternativlos“. (Schwäbische Post)
  • Von den drei in unserem Mai-Ticker verkündeten Geno-Fusionen ist wiederum eine schon wieder vom Tisch, nämlich die zwischen der Volksbank Bühl (Bilanzsumme 1,4 Mrd. Euro) und die VR-Bank Mittelbaden (1,1 Mrd. Euro). Die Sondierungsgespräche sind vorerst abgebrochen worden, weil die beiden Banken eigenen Angaben zufolge die „Marktenwicklungen abwarten“ wollen und festgestellt haben, dass die Geschäftsmodelle doch unterschiedlicher seien als zunächst gedacht. BNN (Paywall)
  • Die in Social-Media-Belangen durchaus experimentierfreudige Volksbank Mittelhessen (siehe etwa hier und hier) gibt ihr Nutzerkonto bei Twitter (das seit neustem unter „X“ firmiert) auf. Als Grund führen die Genossen an, dass die Plattform unter der Führung von Elon Musk keine „ausreichenden Maßnahmen gegen Hassrede und Desinformation“ treffe.
  • Und nochmal Voba Mittelhessen: Die Genossen kaufen einem Bericht der „Immobilien Zeitung“ (Paywall) zufolge zwei noch im Bau befindliche Seminar- und Verwaltungsgebäude in Gießen für „einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag“. Die Immobilien sollen künftig an das Land Hessen vermietet werden.
  • Der volksbank-eigene Wagniskapitalgeber VR Ventures beteiligt sich als Lead Investor an einem Büroausstatter-Startup namens Nuwo.

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Revolution? Erste deutsche Banken führen die 35-Stunden-Woche ein

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Rekord! Und sonst? Die Zahlen sämtlicher DZ-Bank-Töchter in der Einzel-Analyse

Die DZ Bank ist normalerweise ein denkbar schlechter Gradmesser für den Zustand der deutschen Bankenbranche. Schließlich haben wir es beim genossenschaftlichen Zentralinstitut ja nur dem Namen nach auch wirklich mit einer Bank zu tun. Klar, in Frankfurt wird ein bisschen Kapitalmarktgeschäft gemacht. In Nürnberg ein bisschen Konsumenten-Finanzierung. Und in Luxemburg ein bisschen Private Banking. Aber sonst? Ist es vor allem die R+V, also die in Wiesbaden ansässige Versicherungstochter, die Jahr für Jahr die Ergebnisse prägt – so auch diesmal wieder. Denn: Bereinigt man den gestern vermeldeten, phänomenalen Vorsteuer-Gewinnsprung der DZ Bank (+108% auf 1,95 Mrd. Euro im ersten Halbjahr) einfach mal um den Ergebnisbeitrag der R+V Versicherung (deren Zahlen aufgrund bilanzieller Effekte gern mal wild hin- und herschwenken), dann springt da gar nix mehr. Sondern: Es waren sehr solide 1,19 Mrd. Euro Gewinn von Januar bis Juni dieses Jahres. Nach bereinigt sehr soliden 1,17 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Also eine Veränderung um gerade mal 2%. Heißt das nun also, dass wir uns die Berichterstattung gleich sparen können? Weil sich bei der DZ Bank eh nichts getan hat? Das nun auch wieder nicht! Weil: Auch jenseits der R+V, sprich: bei den Banktöchtern und banknahen Töchtern der Gruppe, war im ersten Halbjahr (wiewohl sich Gewinne und Verluste am Ende annähernd ausgleichen) jede Menge Bewegung drin. Und in gewisser Weise ist die DZ Bank so gesehen eben doch ein Proxy. Ein paar jener Trends, die wir zuletzt bei anderen Banken ausgemacht haben (enorme Zinsüberschüsse, brutaler Zertifikatevertrieb, Provisionsknick bei Ratenkrediten …), zeigen sich nämlich auch im Zahlenwerk der Genossen. Hier der Überblick über alle Entitäten: FS Premium

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Podcast (#115): So tickt Souad Benkredda, die neue Kapitalmarkt-Chefin der DZ Bank

Wenn eine Bankvorständin eine Bankvorständin ist und also kein Bankvorstand, dann fällt das immer noch auf. Zumal wenn sie, sagen wir, nicht Ulrike heißt (wie ihre Vorstandskollegin). Sondern (wie in ihrem Fall): Souad. Und also hatte Souad Benkredda vorsorglich schon im Vorfeld unseres Podcasts dezent durchblicken lassen, dass sie den Fokus lieber aufs Inhaltliche statt aufs Biografische legen würde. Was ja ein durchaus berechtigter Hinweis ist. Denn: Wenn eines Tages zum „New Normal“ der Branche gehören soll, dass nicht mehr nur die Wolfgang Köhlers den Ton angeben (so hieß ihr Vorgänger), sondern auch die Souad Benkreddas – dann ist Teil dieser Normalität, dass sich die neuen Vorständinnen ähnlich definieren wie die alten Vorstände. Sprich: über Arbeit, über Leistung, über Themen wie beispielsweise „Kundenfokussierung“ (für Benkredda übrigens ein ganz wichtiges Thema). Handeln wir die Vita also eher kurz ab: Benkredda ist nicht nur Frau. Sondern auch Frankfurterin. Und mit 47 Jahren vergleichsweise jung – jedenfalls dafür, dass sie seit nunmehr einem Jahr dem Vorstand der DZ Bank angehört. Sie hat algerische Wurzeln. Und 15 Jahre für die Deutsche Bank gearbeitet, bevor sie zu Standard Chartered wechselte, wo ihre Karriere so richtig Fahrt aufnahm und sie 2018 von der „Financial Times“ in die Liste der „Champions of Women in Business“ aufgenommen wurde. Und damit nun vom Biografischen zum Inhaltlichen: Was, mit Verlaub, will so eine Frau bei den Genos? „Finanz-Szene – Der Podcast“, diesmal mit Souad Benkredda: Finanz-Szene (frei zugänglich)

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Kurz getickert

  • Bei den bayerischen Volks- und Raiffeisenbanken ist das Neugeschäft in der privaten Baufinanzierung im ersten Halbjahr regelrecht eingebrochen – nämlich um 53% auf nur noch 5,7 Mrd. Euro (Präsentation/PDF
  • Die für ihr lebendiges Immobiliengeschäft bekannte Volksbank Braunschweig Wolfsburg (Bilanz: 6,1 Mrd. Euro) und die deutlich kleinere Volksbank Magdeburg (1,1 Mrd. Euro) fusionieren nun doch nicht – wegen „unterschiedlicher Auffassungen über die Strategie und die Ausrichtung“ (Mitteilung)

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Exklusiv: PSD-Banken verschleiern durch Bilanz-Manöver eklatante Verluste

So dramatisch sich das in diesem Frühjahr auch alles anhörte mit den milliardenschweren Depot-A-Verlusten – irgendwie blieb am Ende ein „Alles halb so schlimm“-Gefühl zurück. Weil, 1.) Schon richtig, die Genobanken haben zwar 2022 auf ihre Eigenanlagen etwa 7 Mrd. Euro abschreiben müssen und die Sparkassen sogar 8 Mrd. Euro – gleichwohl reichte es selbst nach Bewertung ja immer noch zu einem Ergebnis von jeweils rund 4 Mrd. Euro. Und 2.): Die realen Verluste werden am Ende viel, viel geringer ausfallen als es für den Moment den Anschein macht, weil die inkriminierten Anleihen alle bis zur Endfälligkeit gehalten und dann zum vollen Kurs eingelöst werden. Und schließlich noch, 3.) Ja, aber selbstverständlich wurde das alles ganz, ganz sauber bilanziert – vielleicht mit einigen ganz, ganz wenigen, kaum nennenswerten Ausnahmen. Und damit nun zu den PSD-Banken. Auch die räumten Mitte Juni bei ihrer Bilanz-PK vorübergehende Abschreibungen auf ihre Wertpapiere ein (und zwar in Höhe von 137 Mio. Euro). Doch auch da blieb die Botschaft, dass der operative Gewinn (in Höhe von 151 Mio. Euro) locker ausreiche, um die ohnehin nur vorübergehenden Verluste überzukompensieren. Lesen Sie hier, wie es bei den PSD-Banken wirklich aussieht: FS Premium

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Eine Bank mit massiven IT-Problemen – aber keinem ausgewiesenen IT-Vorstand

Protagonistin des IT-Debakels bei den Sparda-Banken räumt ihren Posten

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Wie ein Volksbank-Vorstand zum Geno-Batman wurde. Eine wahre Geschichte

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Kurz getickert

  • Das Fondsgeschäft bei Volk- und Raiffeisenbanken boomt fast unvermindert weiter. Im ersten Halbjahr erzielte die Union Investment im Publikumssegment einen Nettoabsatz von 6,2 Mrd. Euro, wie Vorstandschef Hans Joachim Reinke der „Börsen-Zeitung“ (Print) verraten hat. Weniger gut lief es bei institutionellen Investoren, wo Abflüsse in Höhe von 0,5 Mrd. Euro zu verzeichnen waren.
  • Die Deutsche Bank hat in diesem Jahr nur vier Fünftel ihrer gut 700 angebotenen Ausbildungsplätze besetzen können, wie das Institut gegenüber dem „Handelsblatt“ (Paywall) mitteilt. Deutlich besser sind die Quoten nach eigenen Angaben bei der Commerzbank (479 von rund 500 Plätzen besetzt), der LBBW (gut 95% von 160 Plätzen besetzt), der HVB (alle 100 Plätze besetzt) und der DZ Bank (alle 49 Plätze besetzt).
  • Die Union Investment plant laut einem Bericht der „Börsen-Zeitung“ (Paywall) bis 2026 die Streichung von 270 Arbeitsplätzen – was gut 6% aller Stellen entspricht. Der Jobabbau betrifft alle Konzernbereiche, betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden.

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Alle Volksbanken- und sonstigen Geno-News aus dem Juli

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