Exklusiv

Verkauf des Bankhauses von der Heydt gescheitert

31. März 2022

Von Caspar Schlenk und Heinz-Roger Dohms

Es war eine neue Form von Deal: Im Januar verkündete die internationale Krypto-Börse Bitmex den Kauf des Münchner Bankhauses von der Heydt – vorbehaltlich der Zustimmung der Finanzaufsicht Bafin, wie es damals in einer Mitteilung hieß. Nun steht fest: Die Akquisition der Privatbank durch den auf den Seychellen registrierten Krypto-Handelsplatz ist gescheitert. So berichten es Insider gegenüber Finance Forward und Finanz-Szene. Und so bestätigte es auf Anfrage hin auch Alexander Höptner, der deutsche CEO von Bitmex. Ein Sprecher erklärte ergänzend: „Nach weiteren Gesprächen zwischen der BXM Operations AG [die Schweizer Tochter, die als formeller Käufer auftreten sollte, Anm. d. Red] und dem Eigentümer des Bankhauses von der Heydt haben die beiden Parteien einvernehmlich beschlossen, die geplante Übernahme nicht weiter zu verfolgen.”

Für die Beteiligten bedeutet die Absage des Deals einen herben Rückschlag. Schließlich sollten Bitmex und von der Heydt von der Übernahme gleichermaßen profitieren: Der ebenso schillernde wie finanzkräftige Krypto-Player wollte durch die Akquisition in den Besitz einer deutschen Banklizenz kommen, um seine Produkte in Europa künftig rechtssicher anbieten zu können – während sich den Eigentümern der operativ eher darbenden Münchner Privatbank einigermaßen unverhofft die Chance auf einen Exit bot. Stattdessen: Ist die Perspektive von Bitmex im europäischen Markt nun erst einmal diffus. Und beim Bankhaus von der Heydt? Stellt sich nun ganz grundsätzlich die Frage, wie es weitergeht.

Zu den Gründen für die Absage wollte sich auf Anfrage von Finance Forward und Finanz-Szene keine der beteiligten Parteien äußern. Freilich: Wie immer, wenn in Deutschland eine avisierte Banken-Übernahme platzt, stellt sich die Frage, ob möglicherweise die Bafin was damit zu tun hatte. Zu einer formellen Ablehnung des Deals, etwa in Form eines gescheiterten Inhaber-Kontrollverfahrens, soll es zwar nicht gekommen sein. Allerdings ist bekannt, dass die Finanzaufsicht, wenn ihr ein potenzieller Eigentümer eines Finanzinstituts missfällt, bisweilen Wege findet, entsprechende Signale auch informell in den Markt zu senden.

Hat die Bafin eingegriffen? Nicht nur Bitmex und von der Heydt, auch die Finanzaufsicht verweigern hierzu jeden Kommentar. Umso heftiger wird im Umfeld des Deals spekuliert. Zumal sich im Falle eines Vetos die Frage stellen würde, ob die Bafin es möglicherweise grundsätzlich kritisch sieht, wenn Player aus der internationalen Krypto-Sphäre nach hiesigen Banken greifen.

Zur Erinnerung: Wenige Wochen, bevor Bitmex die nunmehr gescheiterte Übernahme von der Heydts annonciert hatte, war Mitte Dezember bereits ein grob vergleichbarer Deal verkündet worden – so will die britische BCB Group, ein international tätiger Dienstleister rund um den institutionellen Handel mit digitalen Währungen, die Hamburger Whitelabel-Bank Sutor übernehmen. Und: Gut denkbar, dass auch die ein oder andere Nischenbank momentan darauf spekuliert, im Zuge des Krypto-Booms einen lukrativen Exit hinzulegen.

Das Bankhaus von der Heydt macht Jahr für Jahr operativ Verlust

Was den Fall Bitmex zugegebenermaßen speziell macht: Hinter der Krypto-Börse liegt eine bewegte Geschichte. 2020 warfen US-Staatsanwälte dem Gründerteam Geldwäsche, Bestechung und Missachtung von Bankgesetzen vor. Zuvor hatte auch schon die US-Wertpapieraufsicht CFTC gegen Bitmex ermittelt. Vor wenigen Wochen bekannte sich auch der letzte der drei Gründer in einem Deal mit der Staatsanwaltschaft für schuldig und zahlte eine Strafe von 10 Mio. Euro Die Firma selbst ließ sich eine Einigung mit den US-Behörden sogar 100 Mio. Dollar kosten. Die Verpflichtung des deutschen Börsen-Managers Alexander Höptner Ende 2020 – Höptner hatte zuvor die Stuttgarter Börse geführt –  war eigentlich ein Signal gewesen, dass Bitmex seine Wild-West-Vergangenheit hinter sich lässt. Die Übernahme einer deutschen Bank hätte hierzu gut gepasst.

Das Bankhaus von der Heydt wiederum wirbt zwar mit dem Slogan „Fintech since 1754“ und betreibt seine Website unter der URL „1754.eu“ – tatsächlich ist die Historie des Instituts trotz des Verweises auf die mehr als 250 Jahre zurückliegenden Ursprünge eine jedoch eine eher profane. Falls man Wikipedia an dieser Stelle Glauben schenken darf, bezieht sich die geschichtliche Referenz auf das im 18. Jahrhundert bereits im heutigen Wuppertal aktive Bankhaus von der Heydt-Kersten & Söhne. Im Laufe des 20. Jahrhunderts ging das Institut dann in der Commerzbank auf ­– bevor (so steht in einem Archiv-Artikel der „Börsen-Zeitung“) Dietrich von Boetticher, der Gründungsgesellschafter der Münchner Immobiliengruppe KanAm, 2005 von der Commerzbank den alten Firmenmantel erwarb und in München das Bankhaus von der Heydt startete. Von Boetticher wurde auch bei der Verkündung des angestrebten Bitmex-Deals im Januar noch als Eigentümer genannt.

2020 hatte das Bankhaus von der Heydt auf Konzernebene Zins- und Provisionserträge sowie laufende Beteiligungserträge in Höhe von 12,2 Mio. Euro erwirtschaftet; das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit lag bei minus 3,4 Mio. Euro.  Auch in den Geschäftsjahren 2019, 2018, 2017, 2016, 2015 und 2014 war das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit jeweils markant negativ ausgefallen; weiter zurück haben wir nicht geguckt.

Im 2020er-Abschluss beschreibt von der Heydt das eigene Geschäftsmodell wie folgt: „Das Geschäftsjahr 2020 der Bank war geprägt vom weiteren Aufbau der bereits im Jahr 2019 eingeleiteten Strategie mit klarem Fokus auf digitalen Assets. Gleichzeitig wurde das Servicegeschäft für institutionelle und professionelle Kunden in den Segmenten Verbriefungen, Corporate Banking und Finance weiter ausgebaut. Die Expertise der Bank liegt in der Zusammenführung von klassischem Kapitalmarktgeschäft unter der Anwendung neuer Technologien wie der Blockchain.“

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